Eddie The Eagle - Alles ist möglich

Eddie The Eagle - Alles ist möglich





Lebe gefälligst deinen Traum!

Die unvorteilhafte Brille, der trottelige Blick, die unbeholfene Art. Eddie, genannt "The Eagle" verkörperte den klassischen Außenseiter zu einer Zeit, da der Begriff "Nerd" noch unbekannt war. Als jener seltsame britische Sonderling bei den Olympischen Winterspielen in Calgary 1988 im Skisprung-Wettbewerb antrat, hatte es natürlich etwas von einer peinlichen Freakshow. Trotzdem, nein, eher deshalb avancierte er zum Publikumsliebling, schleuderte dem bierernsten Leistungssport das olympische "Dabei sein ist alles" entgegen und kreierte daraus ein amüsantes medienwirksames Spektakel. Eigenartig, dass man dieses erst jetzt als heimelig-neoliberale Motivations-Komödie verfilmte, aus der das im deutschen Untertitel kolportierte US-Mantra "Alles ist möglich" nur so trieft.

"Eddie ist 150 Prozent mutiger als ich", witzelt Hollywood-Draufgänger Hugh Jackman bei der Premieren-Pressekonferenz zu "Eddie the Eagle", während der echte legendäre Olympia-Held von damals neben ihm sitzt. Mut, Wille, Selbstbewusstsein - darum geht es in Dexter Fletchers Feel-Good-Movie, der Botschaften wie aus einem amerikanischen Motivationsseminar vermittelt: Glaube an dich! Sei immer du selbst! Lebe deinen Traum! Ob es eigentlich vernünftig ist, völlig ahnungslos mit dem Skispringen anzufangen und dabei gar sein Leben zu riskieren? Kann schon sein, aber Nichtaufgeben wiegt eben schwerer als Vernunft. Und liefert selbstredend die besseren Emotionen, nämlich jene, die eine gefühlige Komödie eben benötigt.

Von diesen bietet "Eddie the Eagle" ganze Lawinenladungen: Es ist die altbekannte Geschichte des liebenswerten Versagers, der sich zahlreichen Enttäuschungen zum Trotz seinen Lebenstraum erfüllt. Im Fall des Nordengländers Michael Edwards geschah sie Ende der 80er-Jahre tatsächlich, und der langgehegte Traum lautete: einmal bei den Olympischen Spielen teilzunehmen. Taron Egerton porträtiert Eddie beinahe slapstikhaft als eine Art erwachsenes Kind, das etwas schwer von Begriff scheint, noch bei seinen Eltern wohnt und von der harten Realität nichts wissen will. Nach gescheiterten Sommersport-Versuchen entdeckt die trottelig-sympathisch gezeichnete Hauptfigur erst das Skifahren und schließlich die Eleganz des Skispringens. Vorteil: Großbritannien hatte seit Jahrzehnten kein Skisprungteam mehr!

So sieht Eddie seine Chance gekommen, reist ins deutsche Garmisch-Partenkirchen, um dort zu trainieren. Auch wenn seine Biografie bereits nah an der Idealvorstellung eines gefühlsduseligen Freudentränchen-Drehbuchs vorbeischrammt, half man den historischen Ereignissen in "Eddie the Eagle" ein wenig auf die Sprünge. In Garmisch spielt ein Großteil der Handlung, obwohl der echte Eddie dort nur sporadisch trainierte. Dieser verriet außerdem: "In Wirklichkeit waren es 20 oder 30 Trainer" und: "Der jüngste war 12". Der Film verdichtet die Coaches dagegen in Gestalt eines gewohnt arschcoolen Hugh Jackmans zu einem einzigen: Dem gescheiterten US-Skisprung-Profi Bronson Peary, der als abgehalfterter Alkoholiker die Schanzen in der Garmischer Arena pflegt. Es liegt auf der Hand: Erst wehrt der resignierte Ex-Star Eddies Trainer-Wunsch ab, um ihn später, von frischem Ehrgeiz und Verantwortungsbewusstsein getrieben, zu seinem umsorgten Schützling zu machen.

An klassischen Ingredienzien einer Aufsteiger-Klamotte - ähnlich der Verfilmung der "Cool Runnings", die ebenfalls 1988 als erste jamaikanische Bobfahrer Aufsehen erregten - fehlt es nicht: Von allen überheblich belächelt, versagt Eddie erst vollends, rappelt sich immer wieder auf, um kurz darauf erneut Rückschläge einzustecken; gedemütigt vor Selbstzweifeln schließlich fast aufzugeben, mit Durchhalteparolen und unter hartem Training dann aber zurückzukehren. Und so weiter und so fort. Dazu drahtige finnische Skisprung-Profis voller Spott, polternd witzig inszenierte Stürze sowie Iris Berben als augenzwinkernd aufreizende Bardame in der Olympia-Hütte.

"Alles ist möglich", solange du an dich glaubst, du selbst bist, deinen Traum lebst, nur auf dich hörst und dir egal ist, was die anderen sagen - so schreit einen die handwerklich solide fabrizierte Mitfieber-Comedy ganz neoliberal an. Weil man sich inzwischen daran gewöhnt hat, die dabei entstehende Gänsehaut nicht mehr als Schaudern, sondern als wohliges Feel-Good-Frösteln zu interpretieren, wirkt "Eddie the Eagle" dann doch irgendwie gelungen: wie der Publikumserfolg des echten Eddie zwischen Mitleid, Witz und Spektakel angesiedelt, als grobhumoriges wie charmantes Motivations-Video.

Quelle: teleschau - der mediendienst