Olaf Malolepski; Olaf, der Flipper

Olaf Malolepski; Olaf, der Flipper





Ein Leben lang ein Flipper

Es gibt Namen, mit denen wirst du nie ein Star. Bei "Malolepski" klingelt es jetzt jedenfalls nicht direkt bei jedem. Und doch ist der Mann, um den es hier geht, eine Berühmtheit. Wenn man den Künstlernamen des Sängers, der im Internet über die Homepage www.Olaf-M.de zu finden ist, nennt, stellt sich die Assoziation auch mit Karacho ein: "Olaf der Flipper" ist als Gründungsmitglied und langjährige Hauptstimme der legendären Schlagerkombo Die Flippers nicht weniger als ein Stück lebendige Musikgeschichte. Wenn der gelernte Werkzeugmacher und ausgebildete Tennislehrer am 27. März sein 70. Lebensjahr vollendet, darf er sich von seinen Freunden und Wegbegleitern durchaus ordentlich auf die noch immer sportlichen Schultern klopfen lassen: Schließlich steht er seit 55 Jahren auf der Bühne, hat alleine mit den 2011 aufgelösten Flippers über 40 Millionen Tonträger verkauft und sich längst auch als Solokünstler etabliert.

teleschau: 1969, als die Flippers anfingen und mit "Weine nicht, kleine Eva" gleich ihren ersten Hit landeten, fand das erste Woodstock-Festival statt. Im ZDF startete im selben Jahr die "Hitparade". Man hatte also eine Wahl!

Olaf der Flipper: (lacht) Sie wollen wissen, warum wir eine Schlager-Combo wurden und keine Rockband gründeten? Weil wir uns solche Fragen damals gar nicht stellten, wir machten Musik und dachten nicht in diesen Kategorien!

teleschau: Sondern wie?

Olaf der Flipper: In all den Jahren waren wir immer nur eines: Unterhaltungsmusiker. Schon vor der Zeit als Flippers waren wir eine Coverband, wir spielten, was im Radio lief, was die Leute hören wollten. Meine Idole waren die Shadows, Chuck Berry und Elvis, wir spielten Songs von den Stones genau wie Lieder von Tony Marshall und Gerhard Wendlands "Tanze mit mir in den Morgen" - kein Problem damals. Dass ich dann immer mehr auf Deutsch sang, hat damit zu tun, dass ich mich in meiner Sprache am besten ausdrücken kann. Also kamen wir zum Schlager, und ob Sie es glauben oder nicht: Es macht mir bis heute viel Spaß!

teleschau: Aber Sie können einen erschrecken: Auf Ihrer Facebookseite haben Sie dieser Tage zu Ihrem Lied "Greif mit mir nach den Sternen" einen Clip gepostet, in dem Sie mit einer E-Gitarre hantieren!

Olaf der Flipper: Keine Sorge, ich bin nicht heimlich unter die Rocker gegangen. Aber ich mag und höre viel Rockmusik und bin breiter aufgestellt, als viele glauben. Gitarre spiele ich, so lange ich Musik mache: seit ich 15 bin.

teleschau: In dem Post schreiben Sie, es handele sich bei der Klampfe um "eine Bon Jovi-Gitarre von Richie Sambora".

Olaf der Flipper: Ja, daran sind meine beiden Kinder schuld, die große Bon Jovi-Fans sind und mich vor Jahren auch zu einem solchen gemacht haben. Als mein Sohn 40 wurde, trat ich mit Pia auf, die ja auch als Schlagersängerin ihren Weg geht (als "Pia Malo", d. Red.). Wir sangen den Bon-Jovi-Hit "Just Older". Damit das Ganze stilecht ist, hatte sie mir die Gitarre bestellt, die ein Hersteller im Internet vertreibt.

teleschau: Wie lief der Auftritt?

Olaf der Flipper: Wir haben das Haus gerockt! Sie sang Jons Part, ich übernahm die Stimme von Richie - die Leute waren begeistert. Noch trauen wir uns nicht, aber ich denke, eines Tages werden wir das bei YouTube reinstellen!

teleschau: Hatten Sie damals, als es losging, eigentlich keine Lust auf das, was alle wollten: Sex, Drugs, Rock'n'Roll?

Olaf der Flipper: Nein, das kannten wir gar nicht. Wir hatten Auftritte ohne Ende und arbeiteten gleichzeitig in unseren Berufen als Werkzeugmacher. Es blieb uns kaum Zeit für Flausen im Kopf.

teleschau: Fällt schwer zu glauben!

Olaf der Flipper: Aber es war so. Und wollen Sie die Wahrheit wissen: Sex, Drugs und Rock'n'Roll ist sowieso nur eine Legende. Da war nicht so viel, wie gerne behauptet wird. Ich habe es nicht erlebt und auch bei keinem anderen Musiker gesehen. Überhaupt: Ich habe schon 1971 geheiratet. Sonja ist ein tolles Mädel, mit dem ich seit 45 Jahren verheiratet und noch immer glücklich bin. Sie sehen, ich erfülle kein Klischee, ich bin nur ein treuer Musiker ... - auch wenn ich gerne einen Schoppen Wein trinke.

teleschau: Es war damals auch nicht alles Rock. Anfang der 70er-Jahre ging es auch mit dem Schlager so richtig los ...

Olaf der Flipper: Das waren turbulente Jahre, weil wir ständig unterwegs waren. Aber das mit dem Schlager stimmt so nicht. Der war immer da, und er wird immer da sein. Schlager war, ist und bleibt in Deutschland die populärste Musikrichtung, den kriegt keiner kaputt. Was damals Fahrt aufnahm, waren sicherlich die Verkäufe, die ganze Plattenindustrie - daran hatten die neuen Fernsehsendungen wie die "ZDF Hitparade" einen großen Anteil, stimmt. Da vor 1985 in der "Hitparade" nur Einzelkünstler auftreten durften, fanden wir als Gruppe dort nicht statt. 1986 waren wir dann auch dabei und kamen mit der "roten Sonne von Barbados" auf Platz Eins. Das war der Startschuss - von den Tanzlokalen schafften wir den Sprung in die Konzerthallen und Arenen.

teleschau: Fiel Ihnen die Entscheidung leicht, professionell Musik zu machen?

Olaf der Flipper: Ganz und gar nicht. Aber mein damaliger Chef half mir unfreiwillig, als er mich irgendwann vor die Wahl stellte: "Bist du jetzt Werkzeugmacher oder Musiker?" Denn 1969 hatten wir mit "Weine nicht kleine Eva" unseren ersten Hit, und ich hatte deshalb einfach zu oft gefehlt. Ich knabberte ein paar Wochen, und wagte dann den Sprung, mit meinen Kollegen begann eine fantastische Zeit als Berufsmusiker.

teleschau: Aber der große Durchbruch war lange nicht in Sicht ...

Olaf der Flipper: Wir hatten in den 70-ern und 80-ern Durststrecken und etliche Wechsel in der Band. Es gab wenige Höhen und viele Tiefen. Irgendwann spielten wir nur noch am Wochenende. Da musste ich mir etwas überlegen - ich hatte '74 ein Haus für meine Familie gebaut und dafür Schulden aufgenommen, die ich abbezahlen musste.

teleschau: Was fiel Ihnen ein?

Olaf der Flipper: Ich besann mich auf mein zweites Talent, das Tennisspielen. Ich bin staatlich geprüfter Tennislehrer, spielte lange in der Oberliga und Regionalliga, also verdingte ich mich als Trainer, unter anderem als Fördergruppentrainer in Baden-Württemberg.

teleschau: Spielen Sie noch?

Olaf der Flipper: Nicht mehr so oft, leider. Letztes Jahr wurde ich mit meiner Mannschaft noch Europameister bei den Herren Ü-65. 2000 war ich in meiner Altersklasse Süddeutscher Mannschaftsmeister, 2001 Deutscher Vizemeister ...

teleschau: Standen die Flippers denn je wirklich auf der Kippe?

Olaf der Flipper: Ja, zwischen Ende der 70-er und '85 gab es immer wieder die Diskussion, ob wir uns auflösen. Die Menschen hörten lieber NDW, die Hallen wurden kleiner, wir hatten Schulden. Eine schwierige Zeit - aber ich bin ein optimistischer Mensch und sagte immer allen: Wir packen das! Irgendwann ging es tatsächlich bergauf. Und wie. Wir hatten 1985 mit dem neuen Produzententeam Karl-Heinz Rupprich und Uwe Busse das Album "Auf rote Rosen fallen Tränen" herausgebracht, das sich schon gut verkaufte. Der eigentliche Wendepunkt kam dann 1986 mit besagtem "Hitparade"-Auftritt. Von da an war nichts mehr, wie es war.

teleschau: Was genau kam danach?

Olaf der Flipper: In Zahlen zum Beispiel das: 23 Top-Ten-Platzierungen in den Media-Control-Charts, 63-mal Gold und Platin, über 40 Millionen verkaufte Tonträger. Über 20 Jahre lang haben wir bei den Tourneen die größten Arenen in Deutschland ausverkauft, in die Köln-Arena kamen zu unserem 25-jährigen Bühnenjubiläum mal 17.000 Fans. Das ZDF drehte mit uns acht TV-Specials auf Mallorca, in Venedig an der Cote d'Azur ...

teleschau: Dabei fallen einem die Flippers nicht direkt ein, wenn man an die erfolgreichsten Musik-Acts in Deutschland denkt.

Olaf der Flipper: Ich weiß auch, woher das kommt: Wir waren jede Woche groß im Fernsehen, spielten in ausverkauften Arenen, aber wir haben das medial nicht ausgeschlachtet und uns auf die Musik konzentriert. Hinzukommt, dass wir keine PR-Maschine hatten, das Management waren wir selbst ... Aber es war in Ordnung. Wir gaben uns bescheiden, das war nicht aufgesetzt. Die Fans haben diese Art gemocht. Von einigen wurden wir vielleicht daher weiterhin als die Truppe wahrgenommen, die im Einkaufszentrum spielt, beim Fußballverein oder beim Jubiläum der Feuerwehr .... Wir bekamen lange entsprechende Anfragen.

teleschau: Wie aufdringlich können Schlagerfans sein?

Olaf der Flipper: Die Leute fuhren busweise bei uns vor und pilgerten in Scharen in unseren kleinen Ort. Ich freu' mich über so was, alles klasse. Wenn mich einer im Supermarkt neugierig anschaut, gehe ich auch einfach mal hin und sage: "Ja, ich bin's. Komm her, ich schreib' dir ein Autogramm!" Wenn ich keine Lust auf Rummel habe, gehe ich nach Hause und mache meine Tür zu. Ich wundere mich, wenn ich von Kolleginnen und Kollegen höre, die den Fankontakt meiden. Ich hatte nie ein Problem damit.

teleschau: Außerdem haben Ihnen die treuen Fans jede Menge Geld in die Kasse gespült!

Olaf der Flipper: (lacht) Was? Schön wär's! Aber gut, ich gebe zu, ich lebe heute sehr zufrieden mit meiner Familie.

teleschau: Hat es auch für ein Ferienhäuschen an einem der Sehnsuchtsorte im Süden gereicht, die die Flippers so oft besungen haben?

Olaf der Flipper: Nein - auch wenn uns Harald Schmidt einmal sehr treffend als das "singende Reisebüro" bezeichnete. Zu Hause ist's halt am schönsten. Und, nein, auf Barbados war auch noch keiner von uns - immerhin bin ich mit meiner Frau mal bei einer Kreuzfahrt drumherum geschippert. Wir reisen gerne, vor allem ans Mittelmeer, da ist also schon ein Bezug zu den Schlagern, wenn Sie wollen. Aber bei unseren Liedern geht es weniger ums Reisen, sondern ums Träumen: Augen zu und gemeinsam mit den Flippers an den Strand - so funktionieren unsere Traumreisen (lacht).

teleschau: Manchen kommen, wenn sie die Augen schließen und an die Flippers denken, ganz andere Assoziationen: sehr bunte Sakkos zum Beispiel.

Olaf der Flipper: Ja, hoffentlich! Die sind unser Markenzeichen. 60 Sakkos habe ich bestimmt im Schrank - und die dazu passenden bunten Schuhe. Aber das trage ich nur auf die Bühne - um Gottes willen, privat gehe ich damit nicht aus dem Haus. Bühne ist Show, eine andere Welt - da passt so was eins-A hin.

teleschau: Dass sich viele Menschen jahrelang über die Flippers lustig gemacht haben, stört Sie nicht?

Olaf der Flipper: Nein, ich bin ein humorvoller Mensch, und ich weiß: Nur die Großen werden auf die Schippe genommen. Ein Oliver Kalkofe hat in den 90er-Jahren unseren Bekanntheitsgrad mit seinen Parodien außerhalb der Schlagerszene enorm gesteigert. Auch Harald Schmidt und Thomas Gottschalk haben uns liebevoll veralbert ... Grenzwertig wurde es, wenn meine Kinder in der Schule das Ziel von Hohn und Spott waren. Aber das hat sie nicht tangiert, sie standen zu ihrem Papa und den Flippers. Auch ich hatte mit Vorurteilen zu kämpfen. Aber das hat sich schnell gelegt, wenn ich den Leuten erklärte, was alles hinter unserer Musik und Arbeit steckt. Ansonsten sage ich zu dem Thema gerne: Millionen Deutsche können sich nicht irren! So einfach ist das.

teleschau: Bestimmt. Wahr ist aber auch, dass viele einfach sagen: Diese Sehnsuchtsschlager sind furchtbar seicht.

Olaf der Flipper: Was heißt seicht! Nehmen wir nur mal Bon Jovis "Bed Of Roses" oder "I Just Call To Say I Love You" - jetzt sing' das mal auf Deutsch. Das würden alle sofort als Kitsch abtun! Wir singen: "Je t'aime heißt ich liebe dich" ... - Im Grunde fast dasselbe, nicht wahr? Ich plädiere für Toleranz. Musik kann man nicht in gut und schlecht aufteilen. Musik gefällt mir, oder sie gefällt mir nicht - aber ich habe immer Respekt vor den Menschen, die sie machen. Alles was ich will und was die Flippers immer wollten, ist es, den Menschen eine Freude zu machen. So wie die Amigos, ein Andy Borg, die Höhner oder auch eine Helene Fischer und Andrea Berg ...

teleschau: Sie singen auf Ihrem neuen Album unter anderem ein Duett mit Andy Borg.

Olaf der Flipper: Ja, wir kennen uns seit 1985. Wir hatten zufällig am selben Tag Aufnahmen bei Radio Luxemburg. Er war schon ein Star, ich halt Olaf von der Flippers. Ich weiß noch, wie ich ihn in einer Pause draußen auf dem Hof ansprach und ihm sagte, wie toll ich seine Lieder finde. Seitdem sind wir Wegbegleiter.

teleschau: Gibt es in der Branche Freundschaften?

Olaf der Flipper: Sehr selten. Die Flippers waren immer als Gruppe unterwegs, da blieben wir meistens unter uns - und wir hatten unsere Familien. Deshalb würde ich vielleicht nicht von Freundschaften reden, aber wir haben einige sehr gute langjährige Bekanntschaften in der Musikbranche. Heino kenne ich seit 1969, Tony Marshall noch länger, wir waren 1970 zusammen auf Tour. Große Zeiten!

teleschau: Im "Tatort"-Krimi aus Dresden wurde unlängst die Schlagerbranche als heuchlerisch und verlogen dargestellt ...

Olaf der Flipper: Ja, der Film war leider an der Realität vorbei. Die Welt, die gezeigt wurde, war total überzogen. Wahrscheinlich war das Ganze als Persiflage gedacht, man wollte lustig sein. Ich bin kein Filmexperte, aber als Zuschauer und Schlagermusiker muss ich sagen, mir war das zu viel. In dem Krimi wurde die gesamte Branche als trottelig hingestellt - totaler Quatsch. Ich war oft in der "Hitparade" und im "Musikantenstadl", ich kenne mich aus hinter den Kulissen. Am Schlimmsten fand ich die Darstellung einiger Fans - das war grenzwertig. Aber was soll's, das ist Kintopp. Der Schlager überlebt auch das.

teleschau: Hadern Sie mit der "Musikantenstadl"-Absetzung?

Olaf der Flipper: Es ist schade, was passiert ist. Man hätte die Sendung ja etwas reformieren können, aber so extrem, wie es durchgezogen wurde, fand ich es nicht richtig. Vor allem hätte man Andy Borg nicht austauschen dürfen. Er ist ein großartiger Entertainer und war der perfekte Moderator für den Stadl - bei allem Respekt vor der hübschen Francine Jordi und Alexander Mazza, dem Moderatorenteam der "Stadlshow".

teleschau: Und nun?

Olaf der Flipper: Geht es weiter. Es ging wieder eine wichtige Plattform für uns verloren, aber ich denke positiv. Ein paar Sendungen von Florian Silbereisen oder "Immer wieder sonntags" mit Stefan Mross, das "NDR-Wunschkonzert" und erfolgreiche Musikformate des MDR haben wir noch, und private Sender wie Goldstar TV, GuteLauneTV und Das deutsche Musikfernsehen tun uns viel Gutes. Wer weiß, vielleicht kommt demnächst wieder was Neues, man munkelt, dass die Privaten an dem ein oder anderen Format basteln ... Einen Andy Borg sollte man sowieso nie abschreiben (lacht).

teleschau: Haben Sie Ihre Tochter eigentlich animiert, eine Karriere als Sängerin zu starten?

Olaf der Flipper: Ja, aber sie geht sowieso ihren Weg, hat eine exzellente Ausbildung als Finanzassistentin, sie studierte zudem Eventmanagement und Marketing und hat einen verantwortungsvollen Beruf in dem Bereich - da musste ich mir nie Sorgen machen. Ich habe ihr gesagt, was ich allen hoffnungsvollen Talenten rate: Wenn es euch in diese Branche zieht, dann stürzt euch hinein.

teleschau: Aber?

Olaf der Flipper: Aber erst, wenn ihr eine solide Berufsausbildung habt, denn das Risiko ist genauso groß wie die Verlockung: Nicht jede kann die nächste Helene Fischer werden.

Quelle: teleschau - der mediendienst