Sex & Crime

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Blutige Vorstadt-Posse

Ein nächtlicher Anruf unter Freunden. Eine verunglückte Liebesnacht. Und eine Leiche, die dringend verschwinden muss: So beginnt "Sex&Crime", das durchaus vielversprechende Debüt von Drehbuchautor und Regisseur Paul Florian Müller. Bei dieser Ausgangssituation (und diesem Titel) ist es fast schon Ehrensache, dass es bei der einen Leiche nicht bleiben wird. Doch auch wenn der weitere Verlauf der Nacht turbulent wird, überrascht die schwarze Komödie selten. Müller bewegt sich in ziemlich vorhersehbaren Schemata. Schade: Mit Wotan Wilke Möhring, Fabian Busch und Claudia Eisinger hat Müller prominente Hauptdarsteller gefunden - und die Story ist eigentlich auch irre genug für einen unterhaltsamen Kinoabend.

Als Valentin (Möhring) von seinem Kumpel Theo (Busch) in sein eigenes Haus zitiert wird, trifft ihn fast der Schlag. Da blutet ihm eine Leiche das nigelnagelneue Laminat voll! Dabei hatte er Theo seine schicke neue Bleibe doch nur für einen kurzen Seitensprung mit der Kellnerin Mörli (Eisinger) zur Verfügung gestellt, weil dessen Ehe vor dem Aus steht. Aber klar, Bruder vor Luder - Valentin erklärt sich bereit, Theo bei der Beseitigung der attraktiven Toten zu helfen. Problem nur: Die ist gar nicht dahingeschieden, sondern entkommt ihren beiden unfreiwilligen Totengräbern. Und damit sie sich nicht an die Polizei wendet, stellt sie eine anspruchsvolle Forderung. Es beginnt ein Verwirrspiel mit immer wieder wechselnden Fronten, das erst durch Rückblenden langsam aufgeklärt wird.

Schnell steht fest: Hier ist keiner, was er zu sein scheint. Aber es ist auch keiner, was er gerne wäre. Theo wäre gerne der Autor des großen deutschen Gesellschaftsromans des 21. Jahrhunderts, schreibt aber platte (und umso erfolgreichere) Erotik-Krimis. Valentin wäre gerne ein smarter Karrierist, ist aber ein mäßig erfolgreicher Versicherungsmakler, der auch dadurch nicht cooler wirkt, dass seine Mitmenschen ihn (zähneknirschend) Val nennen. Mörli wäre gerne erfolgreiche Rocksängerin, kellnert aber immer noch in einer schmuddeligen Spelunke. Nur Katja (Pheline Roggan), Theos Noch-Ehefrau, scheint zu wissen, wer sie ist - dafür aber nicht, bei wem sie gerne wäre. Und natürlich hat jede dieser Loser-Figuren einen Plan, wie man doch noch ans Ziel der Träume kommen könnte.

Debütant Müller bedient sich als Regisseur für seine Krimi-Posse im blitzsauberen, spießerdeutschen Vorstadt-Milieu ohne Scheu bei Genregrößen wie Guy Ritchie, schielt gelegentlich sogar verschämt in Richtung Tarantino. Das wirkt trotz des wesentlich kleineren Maßstabes selten billig, sondern eher sympathisch verspielt. Mehr Mühe aber hätte man sich beim Drehbuch gewünscht: Ausgerechnet die beiden Hauptfiguren Valentin und Theo entsprechen derart deutlich plumpen Klischees - hier der Mann, da die Maus, hier das arrogante Arschloch, da der treuherzige Trottel -, dass man noch lange hofft, es möge noch die eine oder andere verborgene Schicht zutage treten. Fehlanzeige.

Ihr Handeln ist so erwartbar, dass man die eigentlich waghalsigen Plotwendungen meist schon vorher kommen sieht. Die Schauspieler, insbesondere Möhring, beleben diese gestanzten Charaktere auch nicht. Ganz anders die Frauen: Pheline Roggan als doch nicht ganz so kühle Blonde und Claudia Eisinger als durchtriebene Getriebene haben vielschichtigere Rollen und hinterlassen einen starken Eindruck. Doch auch wenn man den beiden gerne zusieht, bestreiten doch die Herren den Hauptteil der Handlung. Dieser unausgewogene Mix holpert streckenweise so stark, dass sich selbst bei einer Spielkürze von 82 Minuten noch Stellen zum Langweilen finden. Das immerhin ist dann doch eine echte Überraschung.

Quelle: teleschau - der mediendienst