Rock The Kasbah

Rock The Kasbah





Es hat sich ausgerockt

Bill Murrays Gesicht und Name überstrahlt alles andere auf dem Kinoplakat zu "Rock The Kasbah". Dabei blickt darauf auch Kate Hudson ins Leere, Bruce Willis schaut gewohnt skeptisch drein. Und auch der Name Zooey Deschanel ist auf dem Werbemittel zu lesen. Die Erklärung ist eine einfache: Die Barry-Levinson-Tragikomödie lässt eben wenig Platz für Nebenfiguren. Alle Aufmerksamkeit gilt Murray, der einen derangierten, abgehalfterten und abgerockten Egomanen spielt - maßgeschneidert also für den eigenwilligen Hollywood-Kauz. Der sonstigen Blässe der Produktion weiß aber auch er nicht genügend Farbe zu verleihen.

"Eines, was ich an der Schauspielerei mag: Auf eine amüsante Art und Weise lande ich immer bei mir selbst", philosophierte der gerne wunderlich anmutende Querkopf Murray einst. Ähnlich verhält es sich wohl auch bei seiner Darstellung des Rock-Managers Richie Lanz. Als solcher schwärmt er von den alten Tagen, in denen er angeblich das Who is Who der amerikanischen Musikszene unter seine Fittiche hatte. Er habe Madonna entdeckt, Slash einst den ikonischen Hut aufgesetzt und Jimi Hendrix überredet, die amerikanische Nationalhymne in Woodstock zu spielen. Er tourte mit Bruce Springsteen, mit den Stones, Willie Nelson. Er ist selbst eine Legende. Zumindest rühmt er sich als solche.

Doch die Tage des Rock'n'Roll sind vorüber. In seiner Motel-gleichen Ramschwohnung in Van Nuys, einem L.A.-Außenbezirk, sollen die Bilder an der Wand Möchtegern-Talente beeindrucken, Vorortpomeranzen, die Richie zynisch abzieht. Doch in dem längst abgebrannten Sturschädel flammt auch immer wieder etwas Optimismus auf. Optimismus, dass es bald wieder steil bergauf geht mit ihm. Und ja, Bill Murray weiß diesen Zwiespalt darzustellen, es ist gar eine der wenigen Stärken des noch folgenden Schauspiels. Richies bestes Pferd im Stall, White-Trash-Perle Ronnie (Zooey Deschanel), muss es richten. Die ungelenkige Sängerin soll vor 2.000 US-Soldaten in Kabul spielen. Richtig, in Afghanistan. Mitten in den Wirren des dort wütenden Krieges. Die Begeisterung für diese Gelegenheit drückt sich bei Ronnie in Heulkrämpfen und Kotzattacken aus.

Als sie dann vor Ort mit der Hilfe von Söldner Bombay Brian (Bruce Willis) schnellstmöglich wieder türmt und dabei Richies Kohle sowie Reisepapiere mitgehen lässt, steht der alte Mann alleine da. Die Hoffnungen auf bevorstehenden Ruhm gehen dahin. So bleibt ihm zwischen Staub, Ruinen und Explosionen nichts anderes übrig, als sich dem neuformierenden Untergrund in Afghanistans Hauptstadt anzuschließen - verkörpert von Jake (Scott Caan) und Nick (Danny McBride), die Munition verticken. In der aufregenden Liebesdienerin Merci (Kate Hudson) findet Richie zumindest etwas Halt und, klar, auch einen gewissen Ausgleich.

Durch einen Munitions-Deal mit einem Paschtunen-Klan landet Richie unter der Obhut von Raubein Bombay Brian stehend in der Wüste. Dort erweist sich nicht nur die Kommunikation mit den Traditionalisten als schwierig, sondern auch die gesamte Situation vor Ort: Es rumort im Dorf, Kabale sind im Gange. Als der angeblich für seine Spürnase bekannte Talentmagnet die junge wie bildhübsche Salima (Leem Lubany) singen hört - was ihr durch die Sitten des Klans eigentlich verboten ist -, schöpft der dahindümpelnde Rock-Manager jedoch neuen Mut: Das Mädchen muss ganz groß raus. Erste Station: Kabul, wo auch die Afghanen im Fernsehen einen neuen Superstar suchen dürfen.

Der einzige Superstar des Films ist Murray. Allein die Kamera-Aufmerksamkeit erbittet eine gewisse Leistung, die der Veteran natürlich abliefert. Eine weitere Hauptrolle würde man dem Chaos des Kriegsschauplatzes gönnen. Zwar kommen sie vor, die Einheimischen wie "Besucher" aus dem Westen, die teilnahmslos akzeptieren müssen, dass überall und immer wieder etwas hochgehen kann, Schüsse fallen. Doch im Star-Wahn bleibt das Ganze nicht mehr als ein Rauschen.

"Rock The Kasbah" hätte so zum Dokument im modernen Kriegswirrsal sein können, Levinson und Drehbuchautor Mitch Glazer sehen aber lieber einen Murray-Alleingang gesprenkelt mit nichtssagenden "Gast-Auftritten", ohne die Kraft von Wirrungen und Tristesse zuzulassen. Das Lehrstück "Lost In Translation" mit ihrem Star höchstpersönlich hätte bereitgestanden. Für das Filmemacher-Team war es dagegen ulkiger, Bruce Willis einen dümmlichen, aufgeblasenen Kraftprotz spielen zu lassen. Profit schlägt "Rock The Kasbah" - zumindest inhaltlich - nicht daraus.

Quelle: teleschau - der mediendienst