Megaloh

Megaloh





Endlich angekommen

Mit 35 Jahren gehört Rapper Megaloh aus Berlin endlich zu den bekannten Namen der hiesigen HipHop-Szene. Endlich, da seine Karriere schon Ende der 90-er begann und von einem Demo des Monats in Deutschlands bekanntestem HipHop-Magazin "Juice", über Gründung und Schließung seines eigenen Labels Level Eight bis hin zu einem zwischenzeitlichen Karriereende ein weiter Weg hinter dem Kind einer nigerianischen Mutter und eines niederländischen Vaters liegt. Doch seit Pop-Gigant Max Herre sich seiner angenommen hat, steht der Wind günstig für Megaloh, der mit seinem neuen Album "Regenmacher" (ab 4. März) einen weiteren Beweis dafür liefert, dass Herz und Hirn auch in der oft gescholtenen Rap-Musik ihren Platz haben. Zu Beginn des Interviews in den Hallen seines Majorlabels wird der hochgewachsene Rapper mit einer Pressung seines ersten Albums "Im Game" (2005) konfrontiert ...

teleschau: An was denken Sie, wenn Sie diese CD in den Händen halten?

Megaloh: Wow! Mein erstes Album. Die Special Edition sogar. Das ist natürlich ein nostalgischer Moment. Hier sind sogar Songs drauf, die ich selbst nicht mehr zu Hause habe. Insofern nehme ich die Ihnen gleich weg. Wenn man zurückschaut, sieht man: Das Logo hat sich verändert, die Klamotten, und der Bart ist auch ein bisschen anders geworden. Da ist auch ein kleines Kettchen zu erkennen. Ketten trage ich auch nicht mehr.

teleschau: Wenn Sie "nostalgisch" sagen, meinen Sie damit nicht wehmütig. Sie haben also damit abgeschlossen?

Megaloh: Es ist wie mit allen schönen Momenten im Leben, die zurückliegen. Man weiß, dass sie nicht wiederkommen, und das führt zu Wehmut. Aber wenn man immer nur in die Vergangenheit schaut und traurig ist, was alles nicht mehr zurückkommt, macht das Leben ja auch keinen Spaß. Daher sehe ich es eher mit Freude und Genugtuung, weil das der Anfang meines Weges war und dieser Weg zum Glück wesentlich weiter gegangen ist. Immerhin sitze ich jetzt hier und gebe Interviews, weil das neue Album kommt.

teleschau: Zur selben Zeit sagte man über Sie, dass Sie das nächste große Ding in der Rap-Szene sind. Warum hat es damals nicht geklappt?

Megaloh: Das würde ich auch gerne wissen. Es ist mir ein Rätsel. Nein, natürlich setzt man zuerst bei sich an und schaut, wo man Fehler gemacht hat. Der größte Fehler war, dass wir von Anfang an den Independent-Weg gingen, der kein einfacher ist und damals vermutlich noch schwerer war, da es ja keine sozialen Netzwerke gab. YouTube steckte in den Kinderschuhen, und man sah deren Reichweite noch nicht kommen. Den Rest gab es noch gar nicht.

teleschau: Wann war der Zeitpunkt erreicht, als Sie merkten, dass es mit Ihrem Label Level Eight nicht funktionieren wird?

Megaloh: Ich sah das selbst gar nicht und hätte wahrscheinlich weitergemacht. Aber mein Partner KD Supier war an einem Punkt, an dem er meinte, dass sich die Investitionen nicht rentiert haben. Das war auch richtig. Ich nahm mir dann ein eigenes Management und versuchte, über ein Demotape einen Plattenvertrag zu bekommen. Das war zwischen 2007 und 2010. Es funktionierte nicht. Dann wollte ich aufhören und haute zum Abschluss die EP "Monster" umsonst raus. Plötzlich kam Max Herre und gab mir doch noch einen Plattenvertrag. Der Rest ist Geschichte.

teleschau: Und was ist heute anders als früher?

Megaloh: Heute habe ich ein professionelles Label hinter mir, bei dem die richtigen Leute an den entscheidenden Stellen sitzen und die nötige Erfahrung, Kompetenz und Hingabe haben. Hingabe hatten wir zwar früher auch, nur KD Supier und ich waren nicht in der Label-Arbeit gewandt und eigneten uns das selbst an. Hier hängen die Gold- und Platin-Platten schon an der Wand. Insofern herrscht einfach mehr Qualität, und ich kann mich auf meine Musik konzentrieren und vollends Künstler sein.

teleschau: Warum bekamen Sie zwischen 2007 und 2010 mit Ihren Qualitäten keinen Vertrag?

Megaloh: Was mir gesagt wurde, ist, dass es sich nicht rentiert. Einem Künstler, der noch unbekannt ist, zum Durchbruch zu verhelfen, war in diesen Jahren anscheinend zu teuer. Kurz davor wurden ja noch legendäre Vorschüsse an Künstler gezahlt, und es war wohl einfach der falsche Zeitpunkt. Die Töpfe waren leer.

teleschau: Der EP "Monster" von 2010 hört man an, dass sie eigentlich als Schlussstrich gedacht war. War es trotzdem eine einfache Entscheidung, als Max Herre auf Sie zukam?

Megaloh: Das war eigentlich ein Selbstläufer. Es ging mir nur um die Möglichkeiten. Aufzuhören mit Musik war nicht mein Wunsch. Ich hätte nur einfach nicht davon leben können, und es hätte zu viel Geld, Zeit und Energie gekostet. Gerade weil sich privat bei mir auch vieles hinsichtlich der Familienplanung veränderte, konnte ich einfach nicht mehr so egoistisch sein. Wäre ich allein gewesen, hätte das vielleicht anders ausgesehen. Ich wollte auch niemandem etwas aufdrängen, und wenn die Leute es nicht wollen, ist das ein Grund aufzuhören. Max Herre gab mir eine zweite Chance. Das war das, was ich immer wollte. "Jetzt erst recht" war die Devise.

teleschau: Warnte Sie Max Herre, dass es erneut nicht klappen könnte?

Megaloh: Es hat keiner versprochen, dass er mich zum Schotter führt. Im Endeffekt liegt das ja bei mir und der Qualität der Platten. Allen Beteiligten war bewusst, dass es eine letzte Chance ist, aber Max und das Label haben daran geglaubt.

teleschau: Auf dem neuen Album beschäftigen Sie sich mit der afrikanischen Herkunft Ihrer Mutter. War das eine bewusste Entscheidung, deutlicher in diese Richtung zu gehen?

Megaloh: Darüber habe ich schon die letzten Jahre nachgedacht. Es war ein Schritt, den ich immer machen wollte, weil meine Wurzeln schon immer eine große Rolle spielten. Ich hatte in meiner Jugend das Gefühl, nicht richtig integriert zu sein und das aufgrund äußerer Unterschiede. Da stellt man sich natürlich die Frage, warum. Denn jeder Heranwachsende würde gerne irgendwo dazu gehören. Es war eine Frage der Identität. Also die Auseinandersetzung mit der Hautfarbe, genauso wie die Erziehung, die ich genossen habe. Ich will nicht sagen, dass das nur im afrikanischen Kontext so ist. Aber dort herrscht einfach eine gewisse Strenge, und Familie ist an erste Stelle zu setzen.

teleschau: Konnten Sie das auch bei anderen Aufwachsenden beobachten?

Megaloh: Ja. Das habe ich bei Freunden mit Migrationshintergrund häufiger festgestellt. Ein sozialer Rückhalt ist einfach wichtig, egal ob Freunde oder Familie. Man braucht ein Auffangbecken und einen Platz, an dem man sich wohlfühlt. Andererseits war ich künstlerisch vorher noch nicht reif genug. Ich wollte das Thema nicht in einer zornigen Reaktion ansprechen.

teleschau: Ist das trotzdem auch ein Stück weit Reaktion auf die aktuelle politische Lage in Deutschland?

Megaloh: Das würde ich jetzt nicht sagen. Der Schritt wäre so oder so gekommen. Ich habe allerdings einen Song über eine Flüchtlingsgeschichte auf dem Album, und der hat natürlich damit zu tun. Entstanden ist er aber auch schon 2014, als das Thema noch nicht so prominent war. Er entstand, da meine Mutter in Nigeria den Bürgerkrieg miterlebte, bei dem viele Menschen gestorben sind und sie innerländisch fliehen musste, viel verlor. Daher bin ich dahingehend sensibilisiert. Aber jeder Mensch sollte sich mit ein bisschen Empathie darüber bewusst sein, was das eigentlich für eine Extremsituation ist.

teleschau: Erzählen Sie!

Megaloh: Man lässt alles hinter sich, alles was man kennt, und flüchtet in der Ungewissheit, ob man überhaupt überlebt. Schließlich landet man dann in einem Land, in dem man von manchen Teilen der Bevölkerung sehr deutlich gezeigt bekommt, dass man nicht willkommen ist. Ich verstehe Leute, die Angst vor Überfremdung haben, und man sollte auch für diese Seite Verständnis zeigen und sich um die Bedürfnisse dieser Menschen kümmern. Ich finde es gefährlich, dass sich die Gesellschaft spaltet und es keine Kommunikation zwischen den beiden Lagern gibt. Es liegt an jedem, die Diskussion mit dem Gegenüber zu suchen. Da sehe ich jeden Einzelnen und auch die Medien in der Verantwortung. Fakten, Berichte, Hintergründe, aber auch persönliche Geschichten. Nur so kriegt man einen Bezug zur Situation.

Quelle: teleschau - der mediendienst