Martin Gruber

Martin Gruber





Vom priesterlichen Einmaleins

Vom Bergretter zum Priester: 2014 stieg Martin Gruber aus der ZDF-Serie "Die Bergretter" aus, um sich mehr Zeit für seine Familie zu nehmen. Rückblickend sei das "eine bewusste und für alle Beteiligten die beste Entscheidung" gewesen, erklärt der 45-Jährige im Interview. Nun rettet der Münchner in seinem neuen Film "Frau Pfarrer und Herr Priester" (Freitag, 18. März, ARD, 20.15 Uhr) noch mal "eine Etage höher", wie er sagt. Action wie bei den "Bergrettern" sucht man hier vergebens, "die Geschichte in der Kirche ist sicherlich ruhiger und tiefer". Ein anderes Spielfeld also.

Im Film verbünden sich Priester Toni Seidl (Gruber) und seine evangelische Kollegin, die Pfarrerin Rieke Schmidt (Birge Schade), um einem Leukämie kranken Mädchen zu helfen. Dabei prallen immer wieder zwei Welten aufeinander: Die tatkräftige, bodenständige und meist unkonventionelle Protestantin auf der einen, der katholische, recht konservative Priester - der sich nur dem Herrn verschrieben hat - auf der anderen Seite. Schnell wird allerdings klar: Zwischen den beiden Geistlichen herrscht eine ganz besondere Chemie.

Für den Zuschauer wird das zur Zerreißprobe, denn streng genommen, muss es für die beiden bei netten Plaudereien und einem Gläschen Wein bleiben. Für Gruber macht dieser Umstand den Reiz, "das Prickelnde" seiner Rolle aus, so sagt er. "In diesem Fall funktioniert das nach dem Prinzip 'Das Model und der Schnüffler'. Zwei Privatdetektive in den 80-ern, die Büros gegenüber und die ständige Frage: 'Wann kommen die endlich zusammen?'" - Gerade solche Geschichten seien für den Zuschauer spannend, denn, so Gruber, "was würde nur dabei herauskommen, wenn die beiden über ihre Schatten springen würden?" Im Fall vom Priester und der Pfarrerin - so kann man sagen - wäre es eine "Todsünde".

Ein zölibatäres Leben - für Gruber, der selbst Vater ist, undenkbar. "Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen", bekräftigt er. Dennoch glaubt der Schauspieler an den tieferen Sinn dieser Tradition. Noch immer gebe es Menschen, die sich mit dem Gedanken an ein enthaltsames Leben anfreunden könnten. Und die Entscheidung liege am Ende schließlich bei jedem selbst. Aber "jemand, der sich dazu bewegen lässt, Theologie zu studieren, der katholischen Kirche beizutreten und Priester zu werden - ich bin mir sicher, dass sich diese Person im Vorfeld wahnsinnig viele Gedanken macht, was das für sie bedeutet", meint Martin Gruber.

Zwar war die Rolle des Toni Seidl eine kleine Premiere für Gruber, befremdlich fühlte sich die Priester-Kutte aber nicht für ihn an. "Ich selbst bin auch katholisch und als Kind sonntags in die Kirche gegangen. Ich habe das nie als Strafe empfunden", erinnert er sich. Dennoch erforderte die Rolle eine gründliche Vorbereitung, ganz besondere Hilfe hat Gruber sich dafür geholt: "Ein Monsignore aus dem Vatikan hat mir das priesterliche Einmaleins beigebracht", berichtet er. "Mit diesem Werkzeug hat er mich zum Dreh geschickt und gesagt: Zumindest weißt du jetzt, dass man sich vor dem Tabernakel verbeugt." Er habe ihm zum Beispiel den vagen Ablauf eines Gottesdienstes hinter den Kulissen erklärt oder wie man eine Soutane anzieht.

Glauben, sagt Gruber, das müsse man als Schauspieler ohnehin. Denn einerseits helfe ein starker Glaube dabei, sich den fiktiven Rollen hinzugeben. Vor allem dürfe man aber auch die Hoffnung nicht verlieren, "weil es ein unsteter Beruf ist". Feste Arbeitszeiten von Montag bis Freitag gibt es in der Schauspielerei nicht. Gerade am Anfang einer solchen Karriere müsse man also glauben können, wie Gruber schmunzelt. "Das Licht am Ende des Tunnels sehen und verstehen, dass es auch nach mageren Zeiten irgendwann wieder etwas zu tun gibt - nur eben selten durchgehend."

Gruber denkt in der Tat auch, "dass es eine höhere Macht oder Magie gibt". Wer an sie glaube, der könne, "sogar Berge versetzen". Auch Werte wie Nächstenliebe und Selbstlosigkeit hält der gebürtige Münchner gerade heute, da Menschen vor Krieg und Hunger flüchten, für aktuell und sehr wichtig - "egal aus welcher Religion sie kommen", wie er betont. Gruber sagt, man müsse "Menschlichkeit zeigen, gerade in dieser Situation, in der man Menschen helfen muss, die fürchterlich benachteiligt sind". Der katholischen Kirche schreibt der Schauspieler in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle zu. Denn im Moment vertrete sie "mit Papst Franziskus einen so unglaublich starken Standpunkt" wie noch nie zuvor. Gruber hat den Papst während einer Audienz selbst kennengelernt, eine Begegnung, die ihm im Gedächtnis blieb. "Der Mann hat mehr als eine Mission, er agiert tatsächlich wahnsinnig menschlich."

Auch Gruber engagiert sich neben der Schauspielerei. Mit seiner Stiftung unterstützt er benachteiligte Kinder, die, so erkärt er, einen "schwierigen Start im Leben hatten". Dafür investiert der Münchener momentan viel Zeit, die Schauspielerei will er aber auf keinen Fall aufgeben. Und in seiner jüngsten Rolle als Priester fühlte er sich zwar sichtlich wohl, am Ende wäre dieser Beruf für ihn aber "genauso abwegig wie ein echter Bergretter, Mörder oder Arzt zu sein", betont der 45-Jährige. Die Rollen, die er authentisch zu verkörpern versuche - die kratzten wirklich nur an der Oberfläche. "Denn letztendlich bin ich Schauspieler."

Quelle: teleschau - der mediendienst