Lolo - Drei ist einer zuviel

Lolo - Drei ist einer zuviel





Meine Mama teile ich nicht

Mit der Liebe hat Julie Delpy in ihrem neuen Film "Lolo - Drei ist einer zu viel" nicht viel Glück: Sie spielt eine elegante Pariserin, die sich in ein Landei verliebt. Doch ihr 19-jähriger Sohn hat einen Ödipus-Komplex und versucht alles, um den Nebenbuhler zu vertreiben. Das ist eine Weile ganz lustig: Wie gewohnt schöpft Delpy aus dem Vollen. Mit dem ihr eigenen freizügig-derben Humor schrieb sich die Französin ("2 Tage New York") die Hauptrolle der 45-jährigen Violette auf den Leib und inszenierte einen Film, der sich nicht entscheiden kann, ob er Komödie oder Psychogramm sein will.

Dass Frauen in den besten Jahren Probleme haben, ist nicht unbekannt. Dass diese Frauen und ihre Probleme vom Kino weitgehend ignoriert werden, ist ein Skandal. Gute Rollen für Frauen in ihrem Alter gibt kaum, Geschichten aus ihrer Lebenswelt noch weniger: Also hat Julie Delpy, Jahrgang 1969, die Sache selbst in die Hand genommen.

Es macht viel Spaß, Violette und ihre Freundin Ariane (Karin Viard) zu beobachten: Die beiden verbringen einen Urlaub in der Provinz, und wie es sich für einen französischen Film gehört, reden sie dabei ohne Punkt und Komma. Man erfährt in den ersten Minuten alles wichtige über ihre Männer, über ihr Alter, über den Alltagswahnsinn als Alleinerziehende, über ihre sexuellen Vorlieben und erotischen Fantasien.

Das alles ist ein bisschen albern, aber auch ehrlich: Julie Delpy wehrt sich, Frauen in die Opferrolle zu stecken, nur weil sie mit Mitte 40 von ihren Männern für Jüngere verlassen wurden und ein Neustart in Leben und Liebe kompliziert ist. Ihre Figuren dürfen es auch mal offen "Scheiße" finden, Mutter zu sein. Sie nehmen's mit Humor, der erfrischend zotig ist.

"Lolo" bleibt aber nicht lange ein Frauenfilm. Violette verliebt sich nämlich in den sympathischen, aber grundbiederen Jean-René (Dany Boon). Ein Landei, wie es im Buche steht, ganz das Gegenteil der kosmopolitischen Fashion-Managerin. Der Provinzler zieht sogar nach Paris für Violette, was ein paar Peinlichkeiten zur Folge hat, weil die Provinz eben doch ganz anders ist und Jean-René ein wenig als Humorvorlage missbraucht wird. Da zieht sogar Karl Lagerfeld in einem Kurzauftritt pikiert die Augenbraue hoch.

Und dann ist da ja noch der Titelheld Lolo (Vincent Lacoste): Violettes Sohn verwirklicht sich auf Kosten seiner Mutter als Künstler und hat einen gewaltigen Ödipus-Komplex, den er mit perfiden Plänen zur Beseitigung Jean-Renés auslebt. Lolo rückt immer mehr in den Mittelpunkt, zieht Abscheu und Mitleid auf sich - und macht sowohl Violette als auch Julie Delpy das Leben schwer. Sie kann sich nämlich nicht entscheiden, ob sie sensibel auf Lolo zugehen oder ihn ins Lächerliche ziehen will.

So läuft der Humor leider immer öfter ins Leere, weil er in seiner kindischen Derbheit einfach nicht passen will zu all den Themen, derer sich Delpy annimmt - und von denen sie zunehmend überfordert wirkt. Respekt vor anderen Lebensentwürfen, neue Lebensabschnitte akzeptieren, Mutter-Kind-Beziehungen, Abnabelungsprozesse - um all das könnte es in "Lolo" gehen. Was aber in Erinnerung bleibt, ist eine Cunnilingus-Zote, die sich Violette und Ariane auf der Heimfahrt aus dem Urlaub erzählen.

Quelle: teleschau - der mediendienst