Auferstanden

Auferstanden





Tatort Jerusalem

Würde "Auferstanden" nicht im Jerusalem des Jahres 33 spielen, sondern im Köln oder Stuttgart von heute: Man könnte fast meinen, man befände sich in einem "Tatort". Zugegeben, der Tote, um den es hier geht, ist Jesus Christus. Aber prominente Leichen findet man auch im Sonntagskrimi zuhauf. Lediglich der Ermittler in diesem historischen Kriminalstück hat einen etwas ungewöhnlichen Hintergrund: Clavius heißt er, ist Tribun und nicht Kommissar, und greift zum Schwert statt zur Schusswaffe. Sonst aber bedient er sich altbekannter Methoden: Er befragt Zeugen, inspiziert Tatorte, untersucht Leichen. Seine Aufgabe: herauszufinden, wer die Leiche Jesu gestohlen hat. An eine Auferstehung glaubt der Römer nämlich nicht.

Als "Auferstanden" einsetzt, hängt Jesus schon am Kreuz. Das Volk ist außer sich, sieht es doch in dem Gekreuzigten den Sohn Gottes. Clavius (Joseph Fiennes) hingegen betet zu Zeus und schneidet Messias-Anhängern schon mal kurzerhand die Kehle durch. Es ist also ein Zweifler, durch dessen Augen wir hier auf das biblische Geschehen blicken. Nachdem Jesus am Kreuz gestorben und von seinen Anhängern in ein Grab gebracht wurde, ist für Clavius der religiöse Spuk vorbei. Gerüchten, Jesus habe seine Wiederauferstehung angekündigt, schenkt er keinen Glauben.

Jüdische Priester aber befürchten, die Jünger Jesu könnten seinen Leichnam stehlen, um so das Auferstehungswunder vorzutäuschen. Clavius soll das auf Geheiß von Pontius Pilatus (Peter Firth) verhindern und kommandiert zwei Wachen zum Grab Jesu. Am nächsten Morgen aber sind die Wachleute verkatert - und Jesus verschwunden. Der Moment, in dem Clavius vom gewöhnlichen Tribun zum kriminalistischen Ermittler wird, ist gekommen.

Anders als beim "Tatort" kennt man hier die Lösung des Falles freilich aus dem Religionsunterricht, und spätestens als Clavius auf den tatsächlich auferstandenen Christus trifft, ist die Luft raus. Als spannende Polizist-jagt-Täter-Story taugt "Auferstanden" also kaum. Und so wandelt sich der Jesus-Krimi schnell zum religiösen Erweckungsstück.

Clavius glaubt erst seinen Augen nicht, als er vor Jesus steht, dann aber stellt der Messias das Weltbild des Römers auf den Kopf. Warum, wird nicht ganz klar: Denn dieser Jesus, gespielt von Cliff Curtis, ist alles andere als ein Charismatiker; mit seinem enervierenden Dauergrinsen wirkt er mehr wie eine Messias-Karikatur. Der römische Tribun aber lässt sich von den Wundern, die Jesus aus dem Ärmel zaubert, beeindrucken. So leicht ist er scheinbar, der Weg zum Glauben.

Unklar bleibt, was der Film von Kevin Reynolds ("Robin Hood - König der Diebe") eigentlich will: Für einen Kriminalfilm ist er zu spannungsarm, für ein Drama zu holzschnittartig. Auch in die Tradition der großen Bibelfilme wie "Die zehn Gebote" oder "Die größte Geschichte aller Zeiten" reiht er sich nur schwerlich ein, dazu fehlt im das Monumentale. "Auferstanden" erzählt die Jesus-Geschichte zwar aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel, neue Sichtweisen liefert er so aber nicht.

Ganz am Ende des Films fährt Jesus in den Himmel auf, irgendwo in der Wüste Palästinas, während hinter ihm die Sonne versinkt. Spätestens jetzt wirkt "Auferstanden" wie der Werbefilm einer obskuren christlichen Sekte. Möglicherweise will er das ja auch sein, vielleicht aber lässt sich so eine Himmelfahrt im Jahr 2016 auch gar nicht mehr inszenieren, ohne dass sie wie seltsam aus der Zeit gefallen wirken würde.

Quelle: teleschau - der mediendienst