Eko Fresh und Ferris MC

Eko Fresh und Ferris MC





Die Hood, wie sie wirklich ist

Seit vielen Jahren kennt man die beiden vor allem von der Konzertbühne und aus den Musik-Charts, nun haben sich die Rapper Eko Fresh (32) und das Deichkind-Mitglied Ferris MC (42) abermals vor die TV-Kamera gestellt. In der sechsteiligen Sitcom "Blockbustaz" (ab Dienstag, 22. März, 22.30 Uhr, ZDFneo) spielen sie zwei schräge Antihelden, die einen Plattenbau in einem Kölner "Problemviertel" aufmischen. Im Gespräch verraten beiden Musiker, die selbst im "Milieu" aufgewachsen sind, warum das neue Format eine Revolution im deutschen Fernsehen ist, wie viel von den Rollen in ihnen selbst steckt und was sie während des Drehs voneinander gelernt haben.

teleschau: Die Sitcom "Blockbustaz" spielt in einem Plattenbau in einem Kölner Problemviertel. Was genau erwartet die Zuschauer?

Eko Fresh: Authentizität. Wir arbeiten nicht mit Unterschichts-Klischees. Normalerweise werden die einfachen Leute im Fernsehen ja in gescripteten Reality-Shows vorgeführt. Wir sind ein erfrischender Gegenpol dazu, weil wir die Hood zeigen, wie sie wirklich ist. Und obwohl es eine Comedy-Serie ist, machen wir uns über die Menschen keineswegs lustig. Wir zeigen die Helden der Straße, ohne die nichts laufen würde. Auch die Sprache ist echt. Ich kann das beurteilen, weil ich genau wie Ferris MC in so einem Viertel großgeworden bin.

Ferris MC: Es sind Alltagsgeschichten, die in "Blockbustaz" präsentiert werden, die für uns normal rüberkommen, aber dennoch unterhaltsam und amüsant sind. Das hat etwas Kontroverses und Progressives. Das mag ich. Die Ereignisse sind authentisch, manchmal ziemlich krass und für das deutsche Fernsehen doch recht gewagt. Drogen, Prostitution, Hehlerei, Zuhälterei, da ist alles dabei.

teleschau: Thematisch lauter heiße Eisen. Wie hantiert man am besten damit?

Eko Fresh: Wir greifen diese Themen auf und behandeln sie kritisch und satirisch, aber ohne scheinheilige Moral. Wir sagen nicht, so ist es richtig, so ist es falsch. Das überlassen wir schon jedem selbst, sich seine Meinung zu bilden. Alles andere wäre weder zeitgemäß noch ehrlich. Das Leben ist komplexer. Es gibt kein klares Ja oder Nein.

teleschau: Inwiefern spielen unterschiedliche kulturelle Hintergründe eine Rolle?

Eko Fresh: Gar nicht. Weil es in der Realität eines Ghettos meiner Erfahrung nach völlig unwichtig ist, woher jemand kommt, ob er Deutscher ist, oder Türke oder Italiener. Darüber wird überhaupt nicht geredet. Alle sind auf dem gleichen sozialen Stand, das ist es, was sie verbindet. Und so geht die Serie an die Themen ran. Aus dem Blickwinkel der Leute, die dort wohnen.

Ferris MC: Ich habe das genauso erlebt. Wenn du im Block groß wirst, ist es egal, welcher Nationalität du angehörst. Selbst Religion war bei uns nie ein Diskussionsthema. Jeder hat das so gemacht, wie er wollte. Man wurde damit nicht unangenehm konfrontiert. Die Nationalitäten oder Religionen sind in keiner Weise das Problem innerhalb dieses Mikrokosmos.

teleschau: War es für die Rollenvergabe wichtig, dass Sie persönlich aus einem vergleichbaren Umfeld stammen?

Ferris MC: Ich denke schon. Die Macher wollten für die Hauptrollen echte Leute aus der Hood haben und keine studierten Schauspieler. Obwohl natürlich auch großartige Profis mit dabei sind, wie Moritz Bleibtreu, Frederick Lau und Andreas Hoppe. Die haben alle heftig abgeliefert.

teleschau: Eko Fresh, Sie spielen den Arbeitlosen Sol, der den ganzen Tag vor der Playstation hängt. Finden Sie sich in so einer Rolle wieder?

Eko Fresh: Teils, teils. Sol ist eigentlich gewillt, zu tun was man von ihm verlangt. Aber irgendwie kommt er nicht in die Gänge. Bei mit ist das Gegenteil der Fall. Ich strotze nur so vor Tatendrang. Eine Parallele ist, dass die Musik eine wichtige Rolle in unserem Leben spielt. Wenn ich ihn mal treffen sollte, werde ich ihn mir vorknöpfen und sagen, dass er sich jetzt endlich mal zusammenreißen soll. Ich wäre dann für ihn vermutlich der totale Spießer.

teleschau: Apropos Musik: Zwei talentierte Rapper in einem Fernsehformat vereint, da wäre es doch nur naheliegend, dass ordentlich gebattelt wird ...

Eko Fresh: Es geht in der Serie kaum um HipHop. Der einzige Bezug ist, dass Sol davon träumt, Rapper zu werden. Er denkt wie so viele: "Fame, geil." Und dass man dafür nix machen muss. Und am Schluss jeder Folge rappt er im Abspann einen Song über das Thema, das gerade behandelt wurde. Es ist eine Art Epilog, so als ob man vor dem Schlafen gehen oder im Traum noch mal den Tag Revue passieren lässt.

teleschau: Und bei Ihnen, Ferris? Sie verkörpern ja den liebenswerten Tollpatsch Hardy, wie sieht es da mit den Parallelen zu Ihrer Privatperson aus?

Ferris MC: Ich sehe in ihm Charakterzüge vom Ferris MC aus den 1990er-Jahren. Ein Chaot, kifft gerne, bringt nichts zu Ende. Heutzutage bin ich das Null. Ich bin ja nicht mal mehr verpeilt.

teleschau: Vermissen Sie ihn manchmal, den alten Ferris MC?

Ferris MC: Ja, klar. Wenn ich ein leckeres Stück Koks oder Haschisch oder Pillen sehe, dann hätte ich schon manchmal Bock drauf. Aber ich habe Angst davor. Ich habe einen enormen Respekt vor Drogen entwickelt. Weil ich das Leben mittlerweile zu sehr schätze. Früher war es mir scheißegal. Heute habe ich Angst, dass ich dadurch in meinem Kopf eine Tür öffne, die ich nicht mehr schließen kann. Dafür stehe ich mittlerweile zu sehr im Leben, als dass ich das riskieren möchte.

teleschau: In der Serie sind Sie "best Buddys". Wie gut verstehen Sie sich privat?

Eko Fresh: Wir haben seit 2013 einen engen beruflichen Kontakt. Am Set zu "Blockbustaz" hat sich daraus eine richtige Freundschaft entwickelt.

Ferris MC: Die Chemie hat sich von Anfang an gut angefühlt.

teleschau: Am Set hockt man ja ziemlich eng aufeinander. Welche Seiten haben Sie vom jeweils anderen kennengelernt?

Eko Fresh: Ich habe mir oft gedacht: Das ist ein krasses Arbeitspensum, das Ferris MC da abliefert. Was der alles neben dem Dreh noch stemmt. Und dabei sieht er immer so aus, als ob er gleich einschlafen würde. Aber wenn es dann heißt: "Action!", dann ist er in der Sekunde hellwach und einsatzbereit.

Ferris MC: Ja, das kenne ich. Alle denken, ich bin ein fauler Hund, und dabei bin ich workaholic-mäßig unterwegs. Eko Fresh ist komplett konsequent und fleißig. Er macht und tut die ganze Zeit. Aber ich habe gesehen, dass auch er nur ein Mensch ist und mal gern seine Ruhe hat. Auch er hat seine Grenzen. Vorher habe ich gedacht, er wäre eine Maschine. Das ist er nicht. Im Gegenteil. Er ist ein ganz liebenswürdiger Mensch.

Eko Fresh: Oh danke! Das bist du auch.

Quelle: teleschau - der mediendienst