Birnenkuchen mit Lavendel

Birnenkuchen mit Lavendel





Ganz ohne Sparks

"Birnenkuchen mit Lavendel", das klingt zunächst nach dem neuen Nicholas-Sparks-Streifen. Doch der Romanautor mit Hang zum großen Kitsch steckt nicht hinter dieser französischen Komödie. Es sind auch keine alten Damen, die hier ihre Lieblingsrezepte austauschen. Der Film mit dem unglücklichen Titel ist eine sehr charmante Erzählung über zwei Menschen, die nicht der Norm entsprechen. Kann so eine schräge Idee funktionieren? Wenn es der französische Regisseur Eric Besnard in der Hand hat, dann ja.

Die sehr junge Witwe Louise (Virginie Efira) verwaltet das Erbe ihres Mannes so gut sie kann. Doch irgendwie sind ihre Birnen den Einheimischen nicht gut genug, obwohl es die gleichen sind, die damals ihr Gatte verkaufte - doch der war im Gegensatz zu ihr eben einer von ihnen. Ablehnung kann wehtun. Es geht für Louise und ihre Kinder Emma (Lucie Fagedet) und Felix (Léo Lorléach) um die Existenz. Freilich findet sich da ein alleinstehender Mann, der seine "Hilfe" anbietet, doch sie lehnt ab, trinkt lieber am helllichten Tag einen Schnaps. Sie will es aus eigener Kraft schaffen.

Dieser wunderbare Hain ist eine logistische Herausforderung und eine Menge Arbeit, die dann aber nichts nützt, wenn die wenigen Belieferten dann auch noch nicht bezahlen. Als sich die Lage zuspitzt, sieht es fast so aus, als müsse sie das Angebot des Verehrers annehmen und das Land an Paul (Laurent Bateau) verkaufen.

Dann läuft ihr dieser Pierre (Benjamin Lavernhe) vors Auto, und Louise nimmt ihn mit nach Hause, da er andere Hilfe ablehnt. Der Mann ohne Vergangenheit kontert jeden Witz mit einer klaren Analyse der Realität und tut so, als wäre er schon immer Teil dieser Familie. Das hat was. Äußerst niedlich und optisch ansprechend ist sein Hang zum Sortieren der Dinge nach Farben - und da Louise' Leben und auch ihre Post ein wenig mehr Ordnung vertragen könnten, findet sie Pierres Anwesenheit nicht so unangenehm, vor allem, da beide von der ihr verhassten Romantik meilenweit entfernt sind.

Der eigenartige Mann weiß nicht, was Kompliment oder Beleidigung ist, er sagt, was er denkt - und er denkt einiges. Er findet nicht nur die Schönheit im Spiegelei, er löst auch Probleme - wenn er sich wohlfühlt. Eine Weile darf sich der Neurotiker mit den autistischen Zügen bei jener Frau sicher fühlen, doch dann kommt den beiden das Leben dazwischen.

Langsam werden Dinge brutal beim Namen genannt, Krankheiten wie das Asperger-Syndrom gesellschaftlich thematisiert, Probleme mit der Bank und die dort gescheiterten Verhandlungen spielen mehr als nur eine Rolle. Louise' Leben bröckelt. Was nützt der zuverlässige, treue Mann, wenn er auf sich gestellt nicht lebensfähig ist?

Die schönen Bilder rund um den Bauernhof in der Provence vermischen sich mit einer liebenswerten Romanze, die sich und ihre Figuren ernst nimmt. "Birnenkuchen mit Lavendel" ist sehr gut besetzt, hat viele lustige Momente und stärkt den Glauben, dass es auch Platz für das Nicht-Normale gibt. Hinzuzufügen ist, dass diese Liebesgeschichte ohne eine einzige Berührung auskommt. Dennoch fehlt nichts.

Quelle: teleschau - der mediendienst