Enissa Amani

Enissa Amani





"Das ist die reinste Aschenputtel-Story"

So schnell kann es gehen: 2015 erhielt Enissa Amani als erste Frau die Auszeichnung "Beste Newcomerin" beim "Deutschen Comedypreis" - ab 7. März (23.15 Uhr) läuft mit "Studio Amani" immer montags auf ProSieben ihre erste eigene Fernsehshow. Für Enissa Amani ist es die "reinste Aschenputtel-Story". Die Tochter eines politisch verfolgten persischen Literaten und einer Ärztin kam als Kind nach Deutschland, sie studierte nach dem Abitur Jura, brach ab, dann folgte ein Literatur-Studium. Nebenbei jobbte sie im Beauty-Bereich und gewann die Wahl zur "Miss-NRW". Heute wird die hübsche 32-Jährige mit der piepsigen Stimme von manchen bereits als Stefan-Raab-Nachfolgerin tituliert. Im Interview berichtet die Deutsch-Perserin was ihre Familie von ihrem Job hält, wie lange sie morgens im Bad braucht und beruft sich auf Aristoteles.

teleschau: Eine Show um 23.15 Uhr auf ProSieben - treten Sie in die Fußstapfen von Stefan Raab?

Enissa Amani: Das würde ich niemals sagen. Raab ist für mich der größte Entertainer, den Deutschland die letzten Jahrzehnte hatte. Das wären Fußstapfen, in die ich niemals reinpassen würde. Mit "TV total" bin ich schließlich auch aufgewachsen.

teleschau: Was erwartet den Zuschauer im "Studio Amani"?

Amani: Viel Humor, viel Herzlichkeit, eine schöne abendliche Atmosphäre. Ich will die Zuschauer mit einem Lächeln im Gesicht zu Bett schicken. Und ich möchte, dass meine Studio-Gäste das Gefühl haben, bei Freunden auf der Couch zu sitzen.

teleschau: Was für eine Bedeutung hat die erste eigene Show für Sie?

Amani: Für mich ist das wirklich die reinste Aschenputtel-Story. Ich habe in der Vergangenheit schon alles gemacht: im Einzelhandel gejobbt und als Kellnerin gearbeitet. Vor zwei Jahren arbeitete ich noch auf dem Weihnachtsmarkt. Im Januar 2014 war ich dann zum ersten Mal bei Stefan Raab, zwei Jahre später bekomme ich eine eigene Show. Einen dicken Kuss an alle da draußen, die an mich geglaubt haben.

teleschau: Sie wollten aber nicht immer Comedian werden?

Amani: Ich war, wie so viele in meiner Generation, mit vielem überfordert. Es gibt so viele Möglichkeiten, und man kann so viel machen, dass man gar nicht mehr weiß, was man machen möchte. Ich hab vieles versucht, Jura studiert, dann hab ich irgendwann gemerkt, das ist es nicht. Auf der Bühne zu stehen, hat mir immer gelegen. Ich habe immer gerne gebloggt und Kolumnen geschrieben. Irgendwann merkte ich, wenn man diese Texte lustig verpackt, hat man alles, was Stand-Up so ausmacht. Und dann habe ich entdeckt, was für ein traumhafter Beruf das ist.

teleschau: Was bekommt man bei Ihnen geboten: Eine tiefsinnige Botschaft oder "nur" gute Unterhaltung?

Amani: Ich bin schon eine, bei der man gerne zwischen den Zeilen lesen darf. Es ist mir immer sehr wichtig, zu Dingen Stellung zu beziehen. Aber das hat natürlich auch immer zur Folge, dass Leute toll finden, was du sagst, und dass Leute auch nicht so toll finden, was du sagst. Ich polarisiere.

teleschau: Wie gehen Sie mit Anfeindungen um?

Amani: Ich begegne ihnen mit Humor, das gehört schließlich dazu. Ich glaube, Aristoteles hat einmal gesagt: "Wenn du nichts tust, nichts sagst, nichts bist, schaffst du es, keine Feinde zu haben."

teleschau: Ist es wichtig, mithilfe von Comedy den Finger in die Wunde zu legen?

Amani: Generell ist es so, dass man sich ganz schwierigen Themen oft nur mit einer gewissen Leichtigkeit und mit Humor nähern kann. Man hört den ganzen Tag Ernstes, das kann einen sehr belasten. Wenn man dann schafft, alles mit Humor zu verarbeiten, ist das ein sehr gutes Mittel.

teleschau: Was bestärkt Sie?

Amani: Der Zuspruch des Publikums. Ich kriege immer mal wieder Briefe von Leuten, die schreiben, dass sie meinen Vornamen so schön finden, und dass sie ihre Babys nach mir benannt haben. So etwas ist natürlich für mich eine ganz, ganz große Ehre.

teleschau: Was sagen Ihre Eltern zu Ihrem Beruf - immerhin ist die Mutter Ärztin und der Vater Literat?

Amani: Sie sind meine größten Fans und meine größte Inspirationsquelle. Meine Eltern sind sehr bodenständige und gebildete Menschen. Wir hatten nie viel Geld, aber daheim stand alles voll mit Büchern. Meine Eltern unterstützen mich, wie und wo sie können.

teleschau: Ihre Eltern mussten 1985 aus politischen Gründen aus dem Iran fliehen - wie war das, als Kind von Flüchtlingen in Deutschland aufzuwachsen?

Amani: Ich habe Deutschland eigentlich nicht als Flüchtling, sondern als mein Zuhause kennengelernt. Ich habe natürlich irgendwann gemerkt, dass ich ein bisschen anders aussehe, und es gab auch Zeiten, als das nicht so einfach war. Als Kind hätte ich nicht sagen können: "Ich bin Deutsche, und ich bin stolz drauf." Da hätte ich 'nen Blick von meiner Freundin Julia kassiert, die gesagt hätte: "Aber Enissa, du bist Iranerin." Aber in den nächsten Jahren wird das immer normaler, dass die Menschen hier viele verschiedene Wurzeln haben, und dass man das nicht mehr an Äußerlichkeiten festmachen kann.

teleschau: Wenn Sie mit einem NPDler gemeinsam an einem Tisch sitzen müssten, was würden Sie ihm sagen?

Amani: Ich würde mich niemals mit einem NPDler an einen Tisch setzen. Genauso wenig mit Menschen von ISIS. Leuten, die die Menschlichkeit rundweg ablehnen, kann man nicht mehr viel erklären.

teleschau: Was sagen Sie als sehr attraktive Frau: Ist es einfacher oder schwieriger, mit gutem Aussehen auf der Bühne zu stehen?

Amani: Es ist beides. Es ist schwieriger, weil es Leute gibt, die da so ein Schubladendenken haben: Die trägt hohe Schuhe, die kann nicht sehr klug sein. Der Vorteil ist natürlich, dass man viel schneller überraschen kann. Grundsätzlich bin ich dafür, dass man Frauen nicht unterschätzt, nur weil man sie optisch in eine Schublade steckt.

teleschau: Wie lange brauchen Sie morgens im Bad?

Amani: Dreieinhalb Stunden, wenn ich schnell bin (lacht). Ich bin da schon sehr Frau. Das ist eine Katastrophe, wie lange ich brauche.

teleschau: Was möchten Sie in Zukunft erreichen?

Amani: Ich will ganz, ganz stinkereich werden. Und dann werde ich versuchen, den Kommunismus in der Welt durchzusetzen. (lacht)

Quelle: teleschau - der mediendienst