13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi

13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi





Lass' krachen!

Bei all dem Terror der letzten Jahre kann man, so zynisch das klingt, schon mal den Überblick verlieren. Deswegen zur Erinnerung: Am 11. September 2012, auf den Tag genau elf Jahre nach den Anschlägen von 9/11, griffen libysche Terroristen ein amerikanisches Diplomatengelände in Bengasi an und töteten den Botschafter. Mit nur geringem zeitlichen Abstand verfilmte dieses amerikanisches Trauma nun ausgerechnet "Transformers"-Regisseur Michael Bay. "13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi" macht schon im Titel deutlich, worum es hier geht: 13 Stunden Krieg, nicht mehr, nicht weniger.

Am Anfang von "13 Hours" steht der Hinweis, dass der Film auf wahren Ereignissen basiere. Kommt eine solche Ankündigung aus Hollywood, muss man natürlich vorsichtig sein. Und tatsächlich löste das Actionspektakel in den USA eine Diskussion über seine historische Genauigkeit aus. Vor allem an der Figur des CIA-Chefs von Bengasi, der im Film schlicht Bob heißt (gespielt von David Costabile), entzündeten sich die Gemüter. Dargestellt wird er als Abziehbild eines Bürokraten, der den Rettungseinsatz verschleppt, angeblich wegen fehlender Befugnis. Ob sich das wirklich so zugetragen hat, bestreiten einige der Beteiligten.

Dem Drehbuch aber kommt eine solche Figur natürlich gerade recht. Lässt sich an Bob doch wunderbar zeigen, wozu diplomatisches Taktieren führt - nämlich zu nichts. Also müssen die Muskeljungs von der privaten Sicherheitsfirma ran, die auf der Leinwand nicht ganz korrekt "Soldaten" getauft werden. Unter ihnen ist mit Tyrone Woods (James Badge Dale) eine der wenigen Figuren, die in "13 Hours" zumindest ansatzweise ein Gesicht und eine Geschichte haben und nicht nur als Waffenträger dienen. Aber auch der frischgebackene Vater verliert sich schnell in Klischees und bleibt blass.

Als das Diplomatengelände angegriffen wird, ist Woods gerade ein paar Tage in Bengasi. Ein paar Kilometer davon entfernt, auf einem CIA-Stützpunkt, sorgt er für Sicherheit. Die Gefährdungslage in der ohnehin schon instabilen Region spitzt sich zu, als sich US-Botschafter Stevens (Matt Letscher) zu einem Besuch ankündigt. Ausgerechnet am 11. September wird der dann auch auf dem unzureichend gesicherten Diplomatengelände angegriffen. Was folgt, ist ein 13-stündiges Feuergefecht, bei dem am Ende nicht nur der Botschafter sterben wird, sondern auch jede Menge amerikanischer Helden geboren werden.

Dabei ist "13 Hours" erstaunlich frei von Patriotismus, ist die Dichte an US-Flaggen überraschend gering. Natürlich werden hier Gott und die USA in einem Atemzug genannt und Sätze wie "Wenn Sie jetzt nichts tun, werden Amerikaner sterben!" vom Stapel gelassen. Es hätte aber schlimmer kommen können, wie Michael Bay mit "Pearl Harbor" eindrucksvoll bewies. Auch darin ging es schließlich um einen Vorfall, der für die USA nicht gerade ruhmreich war. Was Bay nicht davon abhielt, inmitten der Niederlage noch Helden am Fließband zu gebären.

"13 Hours" ist dennoch ein typischer Michael Bay. Der Mann, der die "Transformers"-Reihe startete und über drei Fortsetzungen zu Tode ritt, macht Filme, die man am ehesten als ein Kino der leeren Kalorien bezeichnen könnte. Man bekommt, zweifelsohne, viel geboten. An allen Ecken und Enden kracht es ununterbrochen, dennoch bleibt man schließlich ziemlich unbefriedigt und mit knurrendem Magen zurück.

Einmal, mitten im Kugelhagel, erwähnt einer der Soldaten von Bengasi den Black-Hawk-Down-Vorfall, bei dem Anfang der 90-er in Somalia amerikanische Soldaten starben und von einem wütenden Mob durch die Straßen geschleift wurden. Der Zuschauer erinnert sich dabei unweigerlich an den gleichnamigen Film von Ridley Scott. Der hatte dasselbe Problem wie Bays neues Werk, von der unschönen politischen Botschaft einmal abgesehen: "Black Hawk Down" war immer nur dann spannend, wenn gerade nichts passierte. Richtig gut ist auch "13 Hours" nur, wenn die Soldaten in Lauerstellung liegen und der Dinge harren, die da unweigerlich kommen werden. Geht das Geballere dann aber los, verfliegt mit den ersten Kugeln jede Spannung.

Dass sich Bay, der am Anfang in mehreren Texttafeln die komplizierten Verhältnisse im Libyen nach Gaddafi erläutert, nicht mit komplexer Politik aufhält, muss man ihm wohl nachsehen. Dass er es aber nicht schafft, einen Actionfilm spannend zu inszenieren, ist unverzeihlich. Kurz vor Ende, nach zwei tösenden Stunden, gönnt er dem Zuschauer einen Moment des Innehaltens. Nachdem die Schlacht geschlagen ist, zeigt er die Frauen und Kinder der getöteten Angreifer, wie sie gespenstergleich über das Schlachtfeld ziehen, um die Toten zu betrauern. Will Bay den Terroristen doch noch das Gesicht geben, das er ihnen zuvor zwei Stunden lang verweigert hatte? Soviel Feingefühl würde man so manchem Regisseur durchaus zutrauen, einem Michael Bay aber kaum.

Quelle: teleschau - der mediendienst