Freunde fürs Leben

Freunde fürs Leben





Jeder stirbt auf seine Art

Eigentlich konnte Tomás (Javier Cámara) Truman, den riesigen, stinkenden Hund seines Freundes Julián (Ricardo Darín) nie wirklich leiden. Doch nun geht er bereitwillig mit dem sabbernden Ungetüm im Park spazieren, während Julián einen Arzttermin wahrnimmt. Es hat sich viel verändert zwischen den Kindheitsfreunden, seit sie sich das letzte Mal gesehen haben: Tomás lebt inzwischen mit Frau und Kindern in Kanada, während sich sein Kumpel Julián in Madrid als Schauspieler durchschlägt - geschieden und unheilbar an Lungenkrebs erkrankt. Das ist auch der Grund, warum Tomás eines Morgens überraschend an der Tür seines besten Freundes klingelt: Er will Abschied nehmen.

Bevor es soweit ist, verbringen die beiden Männer ein paar unvergessliche Tage gemeinsam in der spanischen Hauptstadt. Sie schwelgen in Erinnerungen, lachen und weinen zusammen. Julián schleppt seinen Freund zu allen Erledigungen mit, die so anstehen, wenn man stirbt. Er sucht ein neues Zuhause für seinen geliebten Truman, muss seinen erwachsenen Sohn über seinen bevorstehenden Tod informieren und seine eigene Beerdigung organisieren.

Es ist bemerkenswert, wie loyal Tomás an der Seite seines sterbenskranken Freundes bleibt, ihm mit Rat, Tat und Geld in dieser schweren Zeit zur Seite steht. Vieles zwischen Julián und Tomás bleibt dabei unausgesprochen, die Freunde verstehen sich auch nach so vielen Jahren der Trennung ohne große Worte. Als es dennoch einmal kracht zwischen den beiden, weil Julián das Gefühl hat, Tomás wolle ihm Vorschriften machen, sagt der Krebspatient lapidar: "Wenn du einmal stirbst, kannst du das ja so machen. Jeder stirbt auf seine Weise."

Einfühlsam setzt sich der Film mit dem Tabuthema Tod auseinander: "Freunde fürs Leben" ist ein Buddy-Movie der etwas anderen Art und steckt voller leiser, berührender Momente. Etwa, wenn Tomás nachts im Bett Juliáns Hand hält. Doch die spanisch-argentinische Tragikomödie von Regisseur Cesc Gay hat auch viele skurrile Szenen zu bieten. Beispielsweise, als Julián in einer Bar zufällig auf einen alten Freund trifft: Einst hatte er eine Affäre mit der Ehefrau dieses Freundes, was letztendlich zur Scheidung des Paares führte. Nun ergreift Julián die Chance, um sich für das verursachte Leid zu entschuldigen - doch der Freund wiegelt ab: alles längst vergeben und vergessen. Einem Sterbenskranken kann man schließlich nicht böse sein.

"Freunde fürs Leben" erzählt eine zutiefst berührende Geschichte, ohne jemals ins Kitschige oder Klischeehafte abzudriften. Auf humorvolle und ehrliche Weise setzt sich der Film mit dem Mut auseinander, den es braucht, um das Inakzeptable zu akzeptieren. Ein Lob gebührt auch den Darstellern: Mit einer großen Portion Einfühlungsvermögen schlüpfen der Argentinier Ricardo Darín ("In ihren Augen", "XXY") und der Spanier Javier Cámara ("La mala educatión - Schlechte Erziehung", "Sprich mit ihr") in ihre anspruchsvollen Rollen.

Die Mühe wurde belohnt: Bei der diesjährigen Verleihung des Goya, des spanisches Oscars, erhielt "Freunde fürs Leben" Preise für den besten Film, die beste Regie, das beste Original-Drehbuch sowie die beste Haupt- und Nebenrolle. Eine Trophäe hätte allerdings auch Knuddelmonster Truman verdient: Juliáns treuer Begleiter ist der heimliche Star des Films, im spanischen Original trägt der Film sogar seinen Namen.

Quelle: teleschau - der mediendienst