The Boy

The Boy





Auf Biest komm raus

Manche Dinge sind eben besser zu unterlassen, auch wenn sie noch so unter den Nägeln brennen. In den Augen von Greta (Lauren Cohan) und ihrem neuen Fast-Freund Malcolm (Rupert Evans) tut Gretas ehemaliger Lebensgefährte Cole (Ben Robson) etwas Ungeheuerliches: Voller Wut zerschmettert er etwas, das er bloß für ein Spielzeug hält - die anderen jedoch für ein lebendes Wesen. Die Wände des Schlosses, in dem sich dies zuträgt, scheinen aufzuheulen. Cole hält das Ohr an einen Spiegel. "Dahinter ist etwas", kann er noch sagen, bevor der Spiegel zersplittert und Cole umgeworfen wird. Damit geht nicht nur ein hübscher Einrichtungsgegenstand zu Bruch, sondern die gesamte Konzeption von"The Boy" bis zu diesem Zeitpunkt. Der Horrorfilm darf als abschreckendes Beispiel für talentlosen Umgang mit einem vielversprechenden Stoff gelten.

Die junge Amerikanerin Greta Evans tritt auf einem englischen Schloss eine Stelle als Nanny für den kleinen Brahms an. Zu ihrem Erstaunen sind die Eltern, Mr. (Jim Norton) und Mrs. Heelshire (Diana Hardcastle), mindestens in ihren Sechzigern. Die beiden werden nicht müde zu betonen, wie viele Nannys sie schon vergeblich ausprobierten und wie launisch, ja manchmal heimtückisch Brahms seiner Umgebung mitspiele. Dabei ist Brahms nichts weiter als eine Porzellanpuppe in der Schuluniform eines Jungen. Die ganze Situation wirkt ziemlich lächerlich.

Malcolm, der das abgelegene Schloss mit dem Notwendigsten versorgt, erzählt ihr, dass der echte Brahms (Jett Klyne) vor 30 Jahren in einem Feuer umkam und die Puppe nun seine Stelle übernommen hat. Für Greta ist das kein Grund, mit dem Ding feinfühlig umzugehen, als die Heelshires angeblich in den Urlaub fahren. Doch im Haus geschehen seltsame Dinge, die Greta in Angst und Schrecken versetzen - und nur Brahms zum Urheber haben können. Greta beginnt, ihn liebevoll zu behandeln. Malcolm, in den sie sich verliebt, vertraut sie an, dass sie ein Kind verloren hat, nachdem ihr Ex-Freund Cole sie verprügelte. Dieser taucht überraschend im Schloss auf.

Für die Gänsehautproduktion bedient sich Regisseur William Brent Bell unoriginell aus dem Repertoire. Laut und schockhaft schlagen Türen zu. Die Puppe scheint sich zu regen - was jedoch keine Konsequenz hat, weil Greta es bloß albträumt. Nichtsdestotrotz setzt sich der Eindruck fest, dass übersinnliche Kräfte walten. Greta überzeugt Malcolm und das Publikum, dass Brahms wie durch Zauberei seine Position verändern kann. "The Boy" erinnert zu diesem Zeitpunkt an den Horror-Schocker "Conjuring - die Heimsuchung" (2013), in dem ebenfalls eine Puppe eine Schlüsselrolle für den Einfluss dämonischer Mächte spielt. Doch mit dem Eintreffen Coles bricht das Biest voll unterdrückter hässlicher Triebhaftigkeit in der Art eines wild herumstechenden Phantoms der Oper hervor. Ist bei den Kreativen der Geduldsfaden gerissen?

Feines Psychograuen hätte aus "The Boy" werden können. Allerdings haben dafür der Regisseur und die unerfahrene Drehbuchautorin Stacey Menear gleich zu Anfang wichtige Abzweigungen verpasst. Sie vermögen nicht zu zeigen, was in einer jungen Frau vorgeht, die ihr eigenes Kind verliert, für ein fremdes sorgen soll und dann auf eine Puppe trifft. Die aus der TV-Serie "The Walking Dead" bekannte Lauren Cohan könnte das wohl auch nicht spielen, reicht es doch bei ihr gerade einmal zu irritierendem Leuchten in den Augen. So bleibt nur auf ein gescheites Remake des missratenen Films zu hoffen.

Quelle: teleschau - der mediendienst