Dirty Grandpa

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Derbe Sprüche und Sex-Not

"Oh, eine neue Komödie mit Robert De Niro? Die muss ich sehen!" Wer so denkt, sei dringend vorgewarnt: "Dirty Grandpa" ist eine Ansammlung aus Obszönitäten, die weit unter der Gürtellinie stattfinden. Dabei hätte die Konstellation eigentlich eine gute Ausgangssituation für einen gutgelaunten Generationen-Road-Trip werden können: Anarcho-Opa will seinen spießigen Enkel vor dem größten Fehler seines Lebens bewahren. Aber die Handlung ist in "Dirty Grandpa" nur nötiges Beiwerk, um die Aneinanderreihung von derben Sprüchen im Kino als Film durchgehen zu lassen.

Denn das Grundgerüst ist schnell erzählt: Um sich die berufliche Zukunft in der Kanzlei ihres Vaters zu sichern, will der wohlerzogene Jason (Zac Efron) die kontrollsüchtige Meredith (Julianne Hough) heiraten. Doch zuvor plant sein Opa Dick (Robert De Niro), der gerade seine Frau beerdigt hat, nochmal ein Männerwochenende mit seinem entfremdeten Enkel - und zwar beim Spring Break in Daytona Beach.

Völlig vorhersehbar, völlig belanglos und völlig konstruiert lavieren sich Robert De Niro und Zac Efron in "Dirty Grandpa" von einer Peinlichkeit zur anderen. Dabei war es den Machern wohl ein sehr großes Anliegen, so viele Ausdrücke wie möglich die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane in den Dialogen unterzubringen - sowie deren Körperflüssigkeiten und das Aufeinandertreffen selbiger. War es eine verlorene Wette? Man weiß es nicht. Nebenbei wird noch bei "Hangover" geklaut, damit wenigstens ein paar Gags idiotensicher für Lacher sorgen.

Robert De Niro genießt zumindest seine Narrenfreiheit in vollen Zügen. Er muss sich und der Welt nichts mehr beweisen, zwei Oscars hat er sowieso schon, fünf weitere Nominierungen zeugen von seinem Können als Schauspieler, und taucht er irgendwo als Mafioso auf, gehört ihm der ungeteilte Respekt sämtlicher Anwesender. Anscheinend will der 72-Jährige auf die alten Tage noch einmal so richtig Spaß haben und die Sau rauslassen. Es sei ihm vergönnt. Doch die Zeiten, in denen das Gütesiegel Robert De Niro noch für Qualität stand, sind spätestens nach "Dirty Grandpa" unwiederbringlich vorbei.

Die Synchronisation hilft zudem nicht gerade, die Dialoge witziger zu gestalten. Im Original könnten manche Textpassagen, von De Niro mit einem gewissen Charme vorgetragen, vielleicht noch ganz lustig anmuten. Doch die Übersetzung zündet einfach nicht. Die ausgiebigen Spring-Break- und Techno-Sauf-Party-Szenen drosseln das Tempo der Komödie zusätzlich, und es breitet sich immer mehr das Gefühl aus, dass man live dabei gewesen sein hätte müssen, um mitlachen zu können.

Wer zotigen, ordinären und pubertären Humor unter der Gürtellinie - und zwar sehr, sehr weit drunter - mag, könnte sogar einen kurzweiligen Kinoabend erleben. Wer von Robert De Niro, oder zumindest Zac Efron, etwas mehr Stil erwartet, hat nach dem Kauf eines Kinotickets 102 lange Minuten vor sich. Denn schon zu Beginn zeigt sich das Niveau, das mit Verlauf des Films noch tiefer sinkt.

Robert De Niro ist fit wie ein Turnschuh und Zac Efron wird immer erwachsener. Das ist schön zu sehen. Doch außer zwei gut agierenden Schauspielern hat "Dirty Grandpa" nicht viel zu bieten. Wer sich nicht zur Zielgruppe für platte Genitalwitze zählt, sollte den Generationen-Ausflug lieber meiden.

Quelle: teleschau - der mediendienst