Francis Fulton-Smith

Francis Fulton-Smith





Ein Bulle und Produzent in Athen

Nur die Schauspielerei reicht Francis Fulton-Smith nicht mehr. In dem als ARD-Reihe geplanten "Athen-Krimi" (Debütfolge "Trojanische Pferde am Donnerstag, 28.01., 20.15 Uhr) übernimmt er neben der Hauptrolle als Kommissar nun auch als Produzent Verantwortung. "Der Schritt war ein natürlicher Prozess. Ich habe schon immer Gedanken gemacht, wie man beispielsweise Produktionsabläufe optimieren kann", begründet der 49-Jährige die neue Herausforderung. Aufgeben wird er die Schauspielerei dennoch nicht. "Das bleibt mein Kerngeschäft", so Fulton-Smith.

teleschau: Warum ermitteln Sie in Ihrer neuen Rolle als Kommissar Max Richter ausgerechnet im unsicheren wie krisengeschüttelten Griechenland?

Francis Fulton-Smith: Griechenland hat eine faszinierende Mythologie und bedeutende Philosophen hervorgebracht. Griechenland ist die Wiege der Demokratie, der Ursprung Europas. Beinahe wäre Griechenland als erstes Land überhaupt aus dem Euro geflogen, und jetzt ist es eines der Haupttore der Flüchtlingsströme. Einen größeren Spannungsbogen und Schmelztiegel für spannende Geschichten gibt es eigentlich nicht.

teleschau: Besuch aus Deutschland, gerade von Politikern, war in der jüngeren Vergangenheit in Griechenland nicht unbedingt gerne gesehen. Haben Sie bei Ihren Dreharbeiten in Athen und Umgebung etwas von einer möglichen Abneigung gemerkt?

Fulton-Smith: Als wir im Juni 2015 in Athen gedreht haben, stand ein möglicher "Grexit" tatsächlich unmittelbar bevor. Beinahe jeden Tag zeichneten die Nachrichten in Deutschland ein neues Horrorszenario. Es waren viele Menschen auf der Straße, überall gab es Demonstrationen. Während der Dreharbeiten haben wir von Spannungen unmittelbar nichts gemerkt. Für ihre schwierige Lage machen die Griechen die Politiker verantwortlich. Die Griechen unterscheiden sehr genau. Wir als deutsche Produktion haben tatsächlich nur herzliche Gastfreundschaft erlebt.

teleschau: Wie wichtig sind Athen oder Piräus, wo Sie ebenfalls gedreht haben, für die Krimigeschichte?

Fulton-Smith: Wir wollten ganz bewusst eine Melange aus Subkultur und Postkartenidylle. Athen hat nicht nur die Akropolis. Die Stadt besticht auch durch eine vielfältige Underground-Szene. So gibt es beispielsweise Wahnsinns-Graffiti. Auch dieses Spannungsverhältnis zwischen Erinnerungen an einen Urlaub, die manche Zuschauer möglicherweise haben, und einem völlig unbekannten Bild Athens wollen wir zeigen.

teleschau: Vordergründig geht es in Ihrem Film um Korruption.

Fulton-Smith: Griechenland, jetzt auch durch die Flüchtlingsthematik im Fokus, bietet durch seinen Multikulti-Schmelztiegel die unterschiedlichsten Themenbereiche an, um sie zu adaptieren oder zu untersuchen. Im Vordergrund aber bleibt die menschliche Ebene mit den Kommissaren Max Richter und seinem griechischen, zunächst der Korruption verdächtigen Kollegen. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein. Wie diese in einem Umfeld aufeinanderprallender Kulturen zueinander finden - und das auch noch in einem Krimiformat -, ist extrem spannend.

teleschau: Ein Spiel der Gegensätze also?

Fulton-Smith: Richtig. Gegenseitige Vorurteile wurden ebenso in die Handlung eingebunden wie die Perspektiven einer Zusammenarbeit zwischen Menschen aus zwei unterschiedlichen europäischen Gesellschaften. Wir bohren ganz bewusst Vorurteile auf und spielen mit ihnen. Im Grunde aber sind sie sich näher, als es die öffentliche Diskussion oftmals erscheinen lassen will. Sowieso steht die menschliche Ebene im Vordergrund. Mit all ihren Emotionen. Gerade die Griechen sollen davon sehr viel mehr haben, könnte man meinen ...

teleschau: Und der deutsche Ermittler nimmt alles bierernst?

Fulton-Smith: Unser erster "Athen-Krimi" soll sich über deutsch-griechische Denkhürden hinwegsetzen. Wir bieten Völkerverständigung mit einem Augenzwinkern an. Vor allem aber: Wir unterhalten. Wichtig ist, dass der Humor seine Berechtigung hat - bei aller Ernsthaftigkeit eines Kriminalfalles, bei dem es auch um ein hartes Thema wie Waffenschmuggel geht. Kurzum: Es darf gelegentlich auch geschmunzelt werden.

teleschau: Eine Drehgenehmigung im Ausland bekommt man nicht umsonst. Wie lief die Zusammenarbeit mit den griechischen Behörden?

Fulton-Smith: Die Zusammenarbeit war hervorragend, auch weil wir einen griechischen Produktionspartner vor Ort haben mit den richtigen Kontakten zu den offiziellen Stellen. Wenn unser Format funktioniert, der Zuschauer Lust auf die deutschen griechischen Kommissare und weitere Filme bekommt, werden wir vor Ort mit den Offiziellen noch über weitere Drehgenehmigungen und bislang ungenutzte Möglichkeiten sprechen können. Darauf freuen wir uns sehr.

teleschau: Eine geplante TV-Reihe als möglicher Brückenschlag in einem angespannten griechisch-deutschen Verhältnis?

Fulton-Smith: Warum nicht? Ich habe tatsächlich einen Ansprechpartner in der griechischen Botschaft kennengelernt. Unser "Athen"-Film hat sich bis dorthin herumgesprochen. Man hat mir gesagt, dass man es sehr spannend findet, wenn auch von deutscher Seite das Interesse besteht, einen Dialog neu zu entdecken.

teleschau: Ihr "Athen-Krimi" ist die erste Arbeit, bei der Sie auch als Produzent fungieren. Warum dieser Schritt?

Fulton-Smith: Das war ein ganz natürlicher Prozess, da ich ein sehr neugieriger Mensch bin. Im Laufe der Zeit, in der man von allen Bereichen mehr Einblicke in die Entstehung eines Films bekommt, entwickelte sich bei mir der Wunsch, selbst mehr Verantwortung übernehmen zu wollen. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, neue Stoffe, neue Entwürfe, neue Konzept vorzustellen und zu erarbeiten.

teleschau: Sind Sie nun mehr ein Produzent denn ein Schauspieler?

Fulton-Smith: Mein Kerngeschäft bleibt immer die Schauspielerei. Die Produzenten-Tätigkeit ist neu und spannend. Das Entscheidende als Produzent ist, neue Stoffe zu finden mit guten Schauspielern und Regisseuren. Meine Devise dabei ist: Ich muss nicht alles können, aber ich muss von allen die Besten haben.

teleschau: Wie ändert sich der Blick auf einen Film, wenn man als Hauptdarsteller und Produzent zugleich zwei Aufgaben übernimmt?

Fulton-Smith: Bei Dreharbeiten gibt es immer auch lange Wartezeiten. Ich selbst war immer jemand, der beobachtet hat. So habe ich mir stets Gedanken gemacht, wie man beispielsweise Produktionsabläufe optimieren könnte. Diese Erfahrungen möchte ich gerne einbringen.

teleschau: Es heißt, Produzenten geben an einem Set gerne auch mal den Choleriker. Gab es während der Dreharbeiten zu Ihrem "Athen-Krimi" einen dementsprechenden Ausraster?

Fulton-Smith: Persönlich habe ich das noch nie erlebt. Das ist, glaube ich, ein Hollywood-Klischee.

Quelle: teleschau - der mediendienst