Gunter Gabriel

Gunter Gabriel





"Was bleibt übrig, wenn ich mal abkratze?"

"Schön! Du hast es geschafft!" Das waren - vielleicht - die ersten Gedanken, die Gunter Gabriel (73) durch den Kopf gingen, als er nach seinem freiwilligen Ausstieg aus der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" in die luxuriöse Zivilisation Australiens zurückkehrte. Ganz sicher waren die Worte Bestandteile seines genialen Textes zum Song "Nick Nack Man", den Gabriel 1973 für Frank Zander schrieb. Ein Kult-Song unter Fans des skurrilen Musik-Humors. Kult ist wohl auch Gunter Gabriel. Deshalb hatte man seitens RTL, wie Gabriel schildert, ja auch "lange gebaggert", dass er fürs Dschungelcamp 2016 zusagte. Und am Kultstatus wird wohl auch sein frühzeitiger freiwilliger Abschied am fünften Dschungeltag nichts ändern.

Schon im Camp sprach der Mann, der eigentlich Gunter Caspelherr heißt und mit souveräner, aber letztlich begrenzter Weitsicht und Selbstüberzeugung in Australien landete ("Die Nummer eins bin ich, und dann kommt mal ne ganze Weile nichts!"), dass morgens die "dunklen Gedanken" kämen. Am letzten Tag war es vor allem einer: die Angst davor, die nächste Nacht nicht zu überleben. Da hörte der Spaß für Gabriel, der in seinem Leben eine Menge einstecken musste, auf. Denn mit dem Tod war er schon einmal in Berührung gekommen: Im Herbst 2014 erlitt er einen Schlaganfall. "Das war eine Warnung vom lieben Gott", sagte er damals. Deshalb sprach er den legendären Satz "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!", vor Millionenpublikum und voller Inbrunst, und es war vollbracht.

teleschau: Herr Gabriel, was war das Erste, das Sie nach der Rückkehr in die "Zivilisation" genossen haben?

Gunter Gabriel: Das Hotelzimmer! Das klimatisierte Hotelzimmer! Dann das wunderbare weiche Hollywood-Bett. Hier hat nur noch Marilyn Monroe gefehlt. Ich habe mich mit ausgestreckten Armen aufs Bett gelegt und erst mal die Ruhe genossen.

teleschau: Was hat Sie im Dschungelcamp am meisten genervt?

Gabriel: Am meisten habe ich mich selbst genervt. Das ist ganz klar. Erst die Psyche, dann der Körper.

teleschau: Haben Sie das Leben im Dschungelcamp unterschätzt?

Gabriel: Das Dschungelcamp habe ich wirklich unterschätzt, weil ich die Belastungen, die dazu geführt haben, dass ich letztendlich gegangen bin, nicht vorhergesehen habe. Die Belastungen waren nicht die Wärme, nicht das fehlende Essen, es war der ständige nächtliche Lärm der Vögel, der Grillen. Und diese ewige, durchgehende Quatscherei am Lagerfeuer. Ich kenne Lagerfeuer nur mit einer Gitarre.

teleschau: Schmerzt das frühe Ausscheiden nicht auch finanziell? In den Medien wird eine knapp sechsstellige Summe kolportiert, die Ihnen jetzt durch die Lappen gehe.

Gabriel: Finanziell sehe ich das überhaupt nicht. Deshalb bin ich ohnehin nicht da reingegangen, das war mir ganz egal. Mein Körper und meine Gesundheit stehen immer an erster Stelle.

teleschau: Sie haben in Ihrem Leben einiges erlebt, nicht nur Erfolg und Glück, sondern auch Negatives. Wo ordnen Sie die Dschungelcamp-Erfahrung ein?

Gabriel: Unter ferner liefen. Weil die Zeit nur kurz war.

teleschau: Nehmen sie trotzdem etwas Positives mit? Entstanden Freundschaften?

Gabriel: Daran mache ich das nicht fest. Es bleiben immer Freundschaften oder Bekanntschaften, egal wo man wen trifft. Was ich als Quintessenz für mein eigenes zukünftiges Leben mitnehmen kann, ist, dass man in der Stille in sich reinhören kann. Das habe ich bisher nicht hingekriegt. Man telefoniert, man hat den Fernseher an, man wird ständig abgelenkt. Im Camp musste ich ganz tief in mich reingehen, und plötzlich fragte ich mich "Was war der Sinn deines Lebens, was hast du falsch, was richtig gemacht? Was bleibt übrig, wenn ich mal abkratze?" So weit habe ich bisher nie gedacht.

teleschau: Haben Sie Pläne oder Ideen, wie Sie die Publicity durch das Dschungelcamp nutzen wollen?

Gabriel: Dieser Besuch im Dschungelcamp wird sich vielleicht später mal ausschlachten lassen, aber nicht bewusst. Ich bin ja immer kreativ gewesen. Es werden sich vielleicht Türen öffnen zu neuen Dingen ...

teleschau: Mit Stinkefinger machomäßig rein, mit Peace-Zeichen versöhnlich raus. Ist der "Macho weich" geworden?

Gabriel: Ach, ob und wie sich mein Image bei anderen Leuten ändert, habe ich nicht in der Hand. Der Stinkefinger ist ja gar kein Machofinger. Ich bin gar kein Macho. Der Mittelfinger war, wie bei meinem Vorbild Johnny Cash auch, das Zeichen, gegen etwas zu sein. Dagegen, dass man sich verbiegen muss, dass man so sein muss, wie alle sind. Dass man die Obrigkeiten konsequent anerkennen muss. Deswegen bin ich auch ein paarmal vorbestraft, weil ich mich gegen die Polizei wehrte, als ich mich ungerecht behandelt fühlte. Der Mittelfinger bleibt grundsätzlich immer.

Quelle: teleschau - der mediendienst