Dominic Thorburn

Dominic Thorburn





An Englishman im ZDF

Die Präsentation der Ken-Follett-Verfilmung "Die Pfeiler der Macht" (Montag, 25. Januar, und Mittwoch, 27. Januar, jeweils 20.15 Uhr, ZDF) muss ein wenig seltsam für Dominic Thorburn gewesen sein. Während Regisseur Christian Schwochow neben Schauspielerinnen wie Yvonne Catterfeld oder Stephanie Stumph sein exaltiertes Historienstück der Presse in Hamburg erklärt, nuschelt eine Dolmetscherin dem englischen Hauptdarsteller des im viktorianischen Britannien angesiedelten TV-Stücks Übersetzungen ins Ohr. Für Thorburn, der im Film als Einziger Englisch spricht, ist es die erste Erfahrung mit Deutschland und dessen Fernsehgeschäft. Natürlich ist der smarte 26-Jährige ein zu guter Schauspieler, als dass man ihm beim folgenden Zwiegespräch ein aufrichtiges Urteil über "Die Pfeiler der Macht" entlocken könnte. Dafür ist der Film nach Ken Folletts gleichnamigem Welt-Bestseller eine zu große Chance für den jungen, unbekannten Mann aus einer "theaterbesessenen Familie". Ob der Shakespeare-Darsteller und Schauspielschulen-Kollege von Michael Fassbender, Tom Hardy und Emilia Clarke den Ruhm aus Germany allerdings für eine Karriere im englischsprachigen Raum nutzen kann, steht in den Sternen.

Am Anfang steht eine Entschuldigung. Auf die Frage, ob es nicht seltsam sei, der einzige Engländer in diesem Film über einen britischen Stoff zu sein, sagt Dominic Thorburn erst einmal, er wäre nicht gekommen, um deutschen Schauspielern die Arbeit wegzunehmen. Da hat wohl jemand etwas falsch verstanden. Denn ein unverbrauchtes, zudem irgendwie sehr englisches Gesicht in einem solchen Film zu sehen, ist direkt eine Wohltat. Thorburn spielt Hugh Pilaster, der nach dem Selbstmord seines Vaters als geduldete, aber ungeliebte Waise bei der Familie seines Onkels aufwächst. Die Pilasters sind eines der einflussreichsten Bankhäuser im England der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der junge Hugh verliebt sich über die Standesgrenzen hinweg in die bettelarme Maisie (Laura de Boer). Im Bankhaus der steinreichen Familie wird er trotz seines großen Talents nur als kleinerer Angestellter geduldet.

"Das arme Kind auf dem Spielplatz der Reichen zu sein", diese Gefühlswelt kennt Dominic Thorburn gut. Weshalb er emotional keine Schwierigkeiten hatte, an diese Rolle anzuknüpfen. Thorburn ist in der schicken und elitären Universitätsstadt Cambridge aufgewachsen. Seine Familie war jedoch alles andere als gut betucht. Dafür aber in ihren Interessen kreativ orientiert: Die Mutter war Malerin, der Vater unterrichtete Schauspiel und Theaterwissenschaften. Dennoch ist Dominic das einzige von vier Geschwistern, das sich im Schauspielberuf versuchen wollte. Seine Brüder studieren Dokumentarfilm und Design, die Schwester arbeitet als Journalistin.

"Nachdem sie gesehen haben, was ich alles machen muss, hatte der Beruf für sie seine Faszination verloren", lacht Thorburn. Dabei verlief der Weg des jungen Schauspielers in den umkämpften Job bisher recht gerade. Von einem College in Cambridge, das bekannt für seine exzellente Theaterarbeit ist, wechselte er mit 18 Jahren an die berühmte Schauspielschule Drama Centre in London. Hier studierten Leute wie Michael Fassbender, Tom Hardy oder auch Pierce Brosnan. Nach seiner Ausbildung ging Thorburn ans Theater. Er spielte im Londoner Westend und anderswo. Kenneth Branagh wollte ihn als Angus in seiner Version von Shakespeares "Macbeth". In diesem Stück spielte Dominic Thorburn noch vor seinem 25. Geburtstag auf dem Broadway in New York.

In jener Zeit suchte Regisseur Christian Schwochow in London nach einem Hauptdarsteller für "Die Pfeiler der Macht". "Mein Agent", so Thorburn, "erzählte mir von diesem Casting. Aber ich konnte nicht weg aus New York. Also schickte ich eine Videobewerbung und sah darauf aus, als würde ich seit Jahren auf der Straße leben." Tatsächlich trug der Jungschauspieler sein "Macbeth"-Outfit - also langer "Braveheart"-Bart und mittelalterliche Rüstung. "Christian muss auf Drogen gewesen sein, dass er auf diesem Tape den Hugh aus diesem viktorianischen Stück gesehen hat", lacht der Gecastete.

Es folgte eine Einladung nach Berlin, wo Thorburn mit seiner von der Niederländerin Laura de Boer ("Du hast es versprochen") gespielten Partnerin einige Szenen probieren sollte. Was Christian Schwochow, einer der talentiertesten jüngeren deutschen Regisseure, in ihm sah, ist eine Frage, die kein Schauspieler gerne beantwortet. Vielleicht deshalb, weil das Thema oft keines ist zwischen Filmemachern und ihren Darstellern - ein wenig Geheimnis in der Kunst muss es ja auch geben. Was der junge Engländer - ein durchtrainierter Typ, der auf der Bühne auch "oben ohne" eine exzellente Figur abgibt - jedoch mitbringt: Er hat das Aussehen eines klassischen Helden, versteht sich aber auch auf jene urenglische Distinguiertheit und Zurückhaltung, die den Boom britischer Schauspieler in Amerika seit Bestehen des Kinos niemals abreißen ließ.

Thorburn ist auch in seinem Heimatland immer noch ein Geheimtipp. In der BBC-Miniserie "Our World War" spielte er einen heldenhaften Offizier aus dem Ersten Weltkrieg, momentan sondiert er weitere Angebote. Für den 26-Jährigen, der mit seiner Freundin, der Schauspielerin Sophie Robinson, in Nord-London lebt, ist sein deutsches Engagement nun eine "seltsame" Chance. Es könnte durchaus sein, dass fünf oder acht Millionen Menschen seine Entwicklungsgeschichte im ZDF-Event "Die Pfeiler der Macht" über zweimal 90 Minuten verfolgen.

Ob der synchronisierte Hugh neben deutschen Schauspielern wie Axel Milberg, Jeanette Hain oder Thorsten Merten jedoch einen englischen oder amerikanischen Caster beziehungsweise Filmemacher erreicht, ist zweifelhaft. Vielleicht also doch bald wieder in Germany drehen? "Ich würde es lieben", sagt Dominic Thorburn pflichtbewusst. Und muss sich beeilen, denn sein Flugzeug zurück nach London wartet nicht auf ihn.

Quelle: teleschau - der mediendienst