Katy Nina Karrenbauer

Katy Nina Karrenbauer





"Hey, das ist Unterhaltungsfernsehen!"

Die 1962 an Silvester geborene Schauspielerin, Sängerin und Autorin Katy Nina Karrenbauer wuchs in Kiel auf. Ein breites Publikum und geradezu Kultstatus erreichte Karrenbauer als "Walter" in der RTL-Serie "Hinter Gittern - Der Frauenknast". Nach mittlerweile über 30 Jahren in der Unterhaltungsbranche blickt Karrenbauer auf ein breites Werk zurück, das im letzten Jahr mit dem beim Deutschen Filmpreis prämierten Streifen "Härte" einen Höhepunkt erfuhr. In "Die Spezialisten - Im Namen der Opfer" spielt Katy Karrenbauer nun die Chefin einer "Interdisziplinäre Ermittlungs-Kommission" (IEK). Die neue Serie läuft ab dem 3. Februar immer mittwochs, ab 19.25 Uhr, im ZDF.

teleschau: Frau Karrenbauer, worauf darf sich das Publikum bei der neuen ZDF-Serie "Die Spezialisten - Im Namen der Opfer" freuen?

Katy Karrenbauer: "Die Spezialisten" - das trifft genau das, was dieses Team des IEK ist. Es sind Spezialisten, die interdisziplinär zusammengestellt wurden, und es sind die Besten aus den jeweiligen Bereichen, in denen sie arbeiten. 

teleschau: Die Figuren kommen als große Individualisten mit teilweise autistischen Zügen rüber. Wie beurteilen Sie Ihre Figur?

Karrenbauer: Frau Dr. Dorothea Lehberger ist eine wirkliche Chefin. Sie ist ein besonnener Mensch, bewahrt immer einen kühlen Kopf und lässt sich nicht gern in die Karten schauen. Sie weiß, sie hat die Besten um sich versammelt für dieses IEK. Die Besten sind allerdings nicht immer unbedingt diejenigen, die menschlich am umgänglichsten sind. Aber sie sind eben die Besten in ihrem Fach. Darauf legt sie großen Wert. Dieses Team führt sie, für dieses Team steht sie jederzeit ein.  

teleschau: Wie sieht die Biografie der Figur aus?

Karrenbauer: Sie kommt aus einem sehr strengen Elternhaus, der Vater war beim Militär, die Mutter Hausfrau. Sie selbst wollte allerdings nie so werden wie ihre Mutter und hat dem Vater nachgeeifert. Diese Regimestränge spürt man, sie führt ihr kleines Regiment und versucht selbst ebenfalls, immer eine der Besten zu sein.

teleschau: Die Fälle liegen alle weit in der Vergangenheit, womit man den Folgen immer eine historische Tiefe geben kann ...

Karrenbauer: Ja, das ist das Format. Mit Fällen aus den 70er- und 80er-Jahren kann man sich diese Zeit wieder vor Augen führen, man erinnert sich. Dadurch entsteht eine extreme Spannung. Du siehst, wie das damals aussah, von Frisuren bis hin zu den damaligen Umgangsformen. Die Recherche war eine große Herausforderung für die Autoren.

teleschau: Wie nähern Sie sich Ihren Rollen? Über die Biografie?

Karrenbauer: Das ist immer anders gelagert. Wenn ich einen Film wie zum Beispiel "Härte" von Rosa von Praunheim drehe, in dem ich eine ihren Sohn missbrauchende Mutter spiele, bereite ich mich darauf natürlich anders vor, als auf diese Rolle. Frau Doktor Lehberger arbeitet nicht an "der Front", dafür hat sie ihr Team. David Rott, der in "Die Spezialisten" den sehr eigenen Kommissar Mirko Kiefer spielt, ist aktiv auf der Suche nach den Tätern und führt die wichtigen Verhöre. Frau Dr. Stoll, wunderbar gespielt von meiner zauberhaften Kollegin Valerie Niehaus, kümmert sich um den rechtsmedizinischen Bereich und manchmal auch um die Angehörigen. Und so hat jeder im Team seine eigene Aufgabe, die er mit Bravour erledigt. Ich selbst, als Frau Dr. Dorothea Lehberger, leite dieses Team und aus eigener Erfahrung weiß ich, was es bedeutet, Verantwortung für Menschen oder Dinge zu übernehmen.

teleschau: Inwiefern?

Karrenbauer: Ich habe bereits als Geschäftsführerin gearbeitet, darum war mir das Thema nicht fremd. Ich selbst bin sehr organisiert, sicherlich, weil ich ein One-Woman-Betrieb bin. Ich bin selbstständig, führe meine Vertrags-Gespräche selbst, organisiere meine Termine, habe einen guten Überblick über meine zu erledigenden Aufgaben und in meinem Kopf einen großen Kalender, auf den ich zu jeder Tages- und Nachtzeit zugreifen kann. Genau das kann die Lehberger ebenfalls.

teleschau: Sie dürften eine von ganz wenigen Schauspielerinnen sein, die das alles selbst managen.

Karrenbauer: Ich habe festgestellt, dass Agenturen in den meisten Bereichen nicht mehr für mich tun könnten, als ich es selbst kann. Ich komme vom Theater, habe Dramaturgie und Regieassistenz zusätzlich zu meinem Beruf als Schauspielerin gelernt, habe als Geschäftsführerin gearbeitet, und ich bin es gewohnt, Verträge zu machen, zu lesen und gegenzulesen. Insofern sind das für mich keine Böhmischen Dörfer. Ich lese im Übrigen auch das Kleingedruckte.

teleschau: Sie sprachen "Härte" schon an. Wieso ist ein solcher Film eine andere Nummer? 

Karrenbauer: Dieser Film ist so verdammt wichtig! Missbrauch an Kindern ist furchtbar und Kinder, unsere Schutzbefohlenen, müssen um jeden Preis vor Übergriffen geschützt werden. Vor allem auch vor denen in der eigenen Familie. Andi Marquardt, dessen wahre Geschichte in "Härte" erzählt wird, hat sein Leben damit verbracht, diesem Leid zu entfliehen. Er selbst hasste Frauen, nachdem seine Mutter ihn jahrelang zu sexuellen Handlungen gezwungen hatte. Er wurde einer der härtesten Zuhälter Berlins, hat darum viele Jahre im Gefängnis verbracht. Die Strafen müssen für Kindesmissbrauch grundsätzlich einfach härter werden. Es darf und kann nicht sein, dass diese Taten nach zehn Jahren verjähren, denn die Opfer brauchen oft viele Jahre, um ihre Peiniger überhaupt anzuzeigen. Wenn diese dann straffrei davonkommen, ist das ein furchtbarer Schlag ins Gesicht eines Menschen, dessen Leben komplett zerstört wurde. 

teleschau: Wie kamen Sie zu der Rolle?

Karrenbauer: Rosa von Praunheim hat mich auf der Straße angesprochen, vor einem Café. Er erzählte mir von einem Drehbuch, das er gerade schreibe und lud mich für den nächsten Tag zum Tee ein. Am nächsten Tag erzählte er mir von der Geschichte und dem Buch "Härte" von Andi Marquardt, meinte, dass ich der Mutter sehr ähnlich sähe und dass er mich gern mit dieser Rolle besetzen würde. Ich fand das Thema wichtig und spannend. Allerdings wies er mich direkt darauf hin, dass ich auch nackt spielen müsse.

teleschau: Wie beeinflusste das Ihre Entscheidung?

Karrenbauer: Wir Schauspieler entscheiden meist erst, wenn wir wissen, was genau die Anforderung sein wird. Gerade, wenn es um Nacktheit geht. Ist es wichtig für den Film, spielen wir auch nackt. Wenn es allerdings nur um einen Effekt gegangen wäre, hätte ich wohl abgelehnt. Ich wollte zunächst auf das Drehbuch warten. Als Rosa von Praunheim mir das fertige Drehbuch dann schickte, besprachen wir die Szenen und uns war klar, dass die Szenen mit der Mutter keinesfalls unästhetisch oder gar eklig sein durften. Beim Dreh hat die wunderbare Kamerafrau Elfie Miekesch auf mich geachtet, und es war, obwohl es für mich eine große Herausforderung war, nackt zu spielen, viel einfacher, als ich es gedacht hatte. Im Nachhinein sprachen mich Kolleginnen auf den Film an und sagten, dass sie sich das nicht getraut hätten. Wunderbarerweise habe ich für diese Rolle den "Jaeger LeCoultre Preis - Hommage an den deutschen Film" von der Deutschen Filmakademie im Rahmen der Lola-Verleihung erhalten. Eine ganz große Ehre.

teleschau: Die Wahrnehmung ist für Schauspielende immer so eine Sache. Für viele sind Sie sicher immer noch hauptsächlich "Walter" aus "Hinter Gittern - Der Frauenknast". Dieses Bild bestimmt noch immer die Rollenangebote, oder?

Karrenbauer: Hier müsste man erst mal beleuchten, wofür die Figur "Christine Walter" stand und warum sie so in den Köpfen geblieben ist. Zu Anfang war Walter ein eher negativer Charakter, womit ich anfänglich ein Problem hatte. Über die Jahre wurde Walter zu einer Art "Robin Hood", die sich für die Schwächeren einsetzte, für die, die sich nicht selbst vertreten, wehren konnten. Wenn das in Erinnerung geblieben ist, ist das wirklich schön, denn es geht um Vertrauen, Hilfe in der Not, Geradlinigkeit. Da erkenne ich mich gut wieder. Wenn ich etwas verspreche, kann man davon ausgehen, dass ich es halte - sonst verspreche ich es einfach nicht. Genau so hat die Figur "Walter" die Herzen erobert, und das über 400 Folgen lang, fast zehn Jahre im deutschen Fernsehen.

teleschau: Und doch schränkt einen eine solch prägende Figur auch ein, oder?

Karrenbauer: Darum war ich in den letzten Jahren sehr dankbar, wenn man mir Rollen anbot, in denen ich zeigen konnte, dass ich nicht nur auf "Walter" abonniert bin. Ich bin als Schauspielerin angetreten, als ich 18 Jahre alt war, um Menschen zum Lachen und zum Weinen zu bringen, Geschichten zu erzählen, sie da abzuholen, wo sie gerade sind oder sie in eine Welt zu entführen, die sie vielleicht noch nicht kennen. Vielleicht bietet mir die Rolle der Dr. Dorothea Lehberger jetzt die Chance, zumindest im internen Kreis als seriöse Schauspielerin wahrgenommen zu werden, die ich im Übrigen immer war.

teleschau: Es gibt zahlreiche Beispiele für solche Karrieren, Pierre Brice war immer Winnetou, Mark Hamill immer Luke Skywalker ... 

Karrenbauer: Vielleicht ist das alles wirklich "Segen und Fluch". Wer weiß? Wahrscheinlich wird auf meinem Grabstein stehen: "Hier liegt Walter. Den Abgang macht ihr keiner nach!" Nein, im Ernst, ich habe diese Figur geliebt und schäme mich nicht dafür, auch wenn sie mir ab und zu in den letzten Jahren irgendwie im Wege stand. Ich hatte tolle Jahre mit wunderbaren Kollegen und einem tollen Team, tollen Produzenten, wunderbaren Autoren! Christoph Darnstädt, der die Hammer "Tatort"-Drehbücher für Til Schweiger geschrieben hat, war einer meiner liebsten "Hinter Gittern"-Autoren. Ich habe mit vielen guten Regisseuren gearbeitet, die heute nur noch "Tatorte" und große Filme drehen. Manch einer lässt in seiner Vita auch mal fallen, dass er bei "Hinter Gittern" war. Zeit ist geduldig. Wofür also sollte ich den Kopf senken?

teleschau: Wie gehen Sie mit dem Boulevard um? Spielten Sie zum Beispiel im "Dschungelcamp" manchmal eine Rolle für die Öffentlichkeit?

Karrenbauer: Ich war im Dschungel genau so, wie ich bin: Katy Karrenbauer. Ob das für andere genauso gilt, kann und will ich nicht beurteilen. Es gab natürlich keine Vorgaben und keine Rolle, die ich übernehmen sollte! Was für ein Unsinn. Wie sollte das gehen? Aber: Natürlich wird geschnitten! Der Tag hat 24 Stunden, gezeigt werden eineinhalb Stunden. Da kannst du dich 23 Stunden gut benehmen, aber benimmst du dich eine halbe Stunde daneben, kannst du davon ausgehen, dass das im deutschen Fernsehen gesendet werden wird. Hey, das ist Unterhaltungsfernsehen. Alles andere - wie man eine Angel baut, Schmuck bastelt, sich mit allen gut versteht und gut umgeht - ist völlig unspannend! Langweilig!

teleschau: Also, wie fällt Ihr Dschungelfazit aus?

Karrenbauer: Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich war 16 Tage im Dschungel, hatte eine großartige Zeit und mir stellte sich nie die Frage, wie andere das sehen könnten. Ich muss morgens in den Spiegel schauen können, und das kann ich!

Quelle: teleschau - der mediendienst