Das Wetter in geschlossenen Räumen

Das Wetter in geschlossenen Räumen





Auf High Heels ins Kriegsgebiet

Das Thema Flüchtlinge beherrscht seit Monaten die Medien. Mit dem Drama "Das Wetter in geschlossenen Räumen" liefert Regisseurin Isabelle Stever einen ganz eigenen Beitrag zur Debatte über den Umgang mit Geflüchteten. Sie entführt den Zuschauer in ein nicht näher genanntes arabisches Land. Hier ist Dorothea Nagel (Maria Furtwängler) als PR-Managerin für die UNO-Flüchtlingshilfe UNHCR tätig. Ihre Aufgabe ist es, Geldgeber zu umwerben, um Spenden für Hilfsprojekte einzutreiben - dafür organisiert sie dekadente Galadinner in luxuriösen, von Panzern umstellten Hotels, während draußen Maschinengewehrsalven und Bombenexplosionen zu hören sind.

Der größte Teil der Handlung spielt sich allerdings in ihrer Hotelsuite ab: Hier lenkt sich Dorothea mit Alkohol und Drogen von ihrem Einsatz im Kriegsgebiet ab, feiert ausschweifende Partys, bei denen so manches Möbelstück zu Bruch geht, und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit dem wesentlich jüngeren Halbaraber Alec (Mehmet Sözer).

Gesprochen wird nicht viel, der Zuschauer beobachtet wie durch ein Schlüsselloch die dekadente Parallelwelt vor dem Hintergrund des Elends. Bemerkenswert ist beispielsweise die Szene, in der Dorothea ihre Hühnersuppe von einem Blauhelmsoldaten serviert bekommt, da das Hotelpersonal wegen einer Bombendrohung streikt.

"Das Wetter in geschlossenen Räumen" besticht vor allem durch die Umkehrung des Erwartbaren und zeigt die Abhängigkeit der Helfer von der Not. Denn aufgrund des Krieges sind die Grenzen dicht, die Zeltstädte des UNHCR leer. Dadurch hat Dorothea große Probleme, geeignete Kandidaten für die Stipendien zu finden, die ihre Organisation finanziert - was ihre Karriere stark gefährdet. Und auch ihre Beziehung zu Alec ist letztendlich eine Zweckgemeinschaft, deren Kräfteverhältnis sich im Laufe des Films mehrmals ändert.

Für ihre Geschichte greift Regisseurin und Drehbuchautorin Isabelle Stever auf die Erzählungen einer Entwicklungshelferin zurück, die 2003 im Irakkrieg tätig war. Herausgekommen ist ein eindringliches Porträt einer Gruppe von Menschen, deren Reichtum auf der Not anderer basiert. Maria Furtwängler glänzt als souveräne PR-Managerin im Abendkleid, die einerseits lässig zwischen Deutsch, Englisch und Französisch wechselt, und andererseits im Drogenrausch jammert: "Ich weiß nicht, ob ich erwachsen werden will!" Lediglich die Figur des Alec, Dorotheas schwarzlockigem, glutäugigem Don Juan mit aufgeknöpftem Hemd, ist arg klischeehaft geraten.

Letztlich ist "Das Wetter in geschlossenen Räumen" kein gefälliger Film und von leichter Unterhaltung weit entfernt. Doch der Kinobesuch lohnt sich. Denn das Drama bietet einen völlig neuen Blick auf das Geschäft mit dem Elend, der sich grundlegend von allem unterscheidet, was wir täglich in der Tagesschau zu sehen bekommen.

Quelle: teleschau - der mediendienst