Dope

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Die lieben Drei aus dem bösen Ghetto

Sympathische, aufregende und/oder einnehmende Hauptcharaktere sind im Kino wichtig. Für einen guten Film unumgänglich. "Dope" punktet mit der Liebenswürdigkeit seiner drei Protagonisten. Auch wenn der Plot etwas wirr ist, erst spät ein klares Ziel verfolgt und am Ende kaum greifbar scheint: Jib (Tony Revolori), Diggy (Kiersey Clemons) und allen voran Malcolm (Shameik Moore) sind herzensgute Sympathieträger. Der etwas andere Ghetto-Film will aber ohnehin ein etwas anderes Bild zeigen, welches "Menace II Society" (1993) oder erst kürzlich "Straight Outta Compton" vermittelten. Ohne die Albernheiten der "Friday"-Reihe. "Dope" erzählt von Vielfalten und Diversitäten in amerikanischen Sozialbau-Siedlungen. Denn: Jib, Diggy und Malcolm sind Nerds.

Einen schwarzen Nerd gab es bereits in der US-Unterhaltungshistorie. Allerdings zu einer Zeit, in der Nerds weder cool noch sexy waren. Sondern Streber, die weder alltagstauglich sind noch gute Witze erzählen können. Wer erinnert sich noch an Steve Urkel aus "Alle unter einem Dach" (1989-1998)? Der Sitcom-Sidekick, gespielt von Jaleel White, hätte auch nur bedingt in den Freundeskreis der "Dope"-Helden gepasst. Eine herausstechende Intelligenz ist den Figuren vielleicht gemein, Tollpatschigkeit und andere nervtötende Eigenheiten spielen in der Hood-Comedy aber (zum Glück) keine Rolle.

Vielmehr definieren sich die selbsternannten Nerds über ihre bunten 90er-Rap-Klamotten und die Vorliebe zum harmlosen Oldschool-Sound. Insgesamt machen sie vor allem Dinge, die normalerweise nur "White Kids" tun: Skateboardfahren etwa. Und gute Noten schreiben. Damit ist man in Inglewood, Kalifornien natürlich ein bunter Hund, was die drei aber gar nicht sein wollen. Nicht auffallen ist die Devise, was bei den knallbunten Jacken und Hosen wie ein Kunststück scheint. Der Film, inszeniert und verfasst vom nigerianisch-amerikanischen Filmemacher Rick Famuyiwa, verbringt viel Zeit damit, Malcolm diese Besonderheiten erklären und vorzeigen zu lassen.

So kommt "Dope" lange nicht voran. Zwar stellen alle kleinen Episoden, durch die die drei geführt werden, mal mehr mal weniger wichtige Grundbausteine für das später enthüllte Gesamtkonstrukt um einen geschickt eingefädelten Drogendeal dar. Ihre Länge wirkt im Nachhinein betrachtet gemessen an ihrer Wichtigkeit allerdings stets wie Willkür. Was nicht schlimm ist, sind die drei doch liebenswerte Charaktere, denen man gerne beim Freunde-sein zuschaut.

Natürlich lässt es "Dope" nicht aus, aufzuzeigen, dass wirtschaftlich und gesellschaftlich auch über 50 Jahren nach dem Marsch auf Washington längst keine Gleichstellung zwischen Schwarz und Weiß in den USA herrscht. Malcolm will nach Harvard und wird für diesen Traum nur müde belächelt. Ein Ghettokind aus Inglewood, Schüler einer staatlichen High School - da sind auch gute Noten längst nicht die Eintrittskarte für die amerikanische Welt der Eliten. Doch Malcolm hat die guten Zensuren nicht umsonst. Er weiß sogar den äußerst unfreiwilligen Besitz von kiloweise MDMA für sich zu nutzen. Die Partydroge wird zum Türöffner für Harvard. Wie, das erzählt "Dope" etwas zäh, aber dann doch stimmungsvoll.

Quelle: teleschau - der mediendienst