Die Wahlkämpferin

Die Wahlkämpferin





Wer betrügt, gewinnt

Es heißt über sie, sie könne selbst ein totes Pferd wieder zurück ins Rennen bringen. Dennoch hatte Jane Bodine (Sandra Bullock) vom amerikanischen Wahlkampf nach einem erschütternden Skandal erst einmal genug. Doch bei dem Angebot, den persönlichen Zwist mit einem männlichen Berater in einen endgültigen Sieg verwandeln zu können, kann sie nicht Nein sagen. "Die Wahlkämpferin" zieht - diesmal in Bolivien - alle Register, und zumindest Sandra Bullock lässt den Zuschauer angesichts einer umwerfenden Performance staunen.

Die Plattitüden kommen gleich am Anfang. Sandra Bullock alias Jane Bodine legt einem nicht sichtbaren Interviewpartner mit ausdrucksloser Miene und knappen Sätzen die Verkommenheit des Politgeschäfts und deren Vertreter dar. Nichts Neues - da haben Produktionen wie "House of Cards" schon gut vorgelegt und gezeigt, wie man mit Rhetorik und Rücksichtslosigkeit seine Ziele erreicht. Und dass in Amerika der die Nase vorn hat, der am meisten Geld für den Wahlkampf ausgeben kann, gehört zu beliebten Themen in den Medien.

Doch wer lässt die Kandidaten im rechten Licht erscheinen und bereitet ihnen die richtigen Botschaften ans Wahlvolk vor? Die Wahlkampfstrategen, das sind gute Menschen- und Systemkenner, die ohne Idealismus einen guten Job für den machen, der am besten bezahlt. Und ihre Wahlkampf-Marketing-Taktik scheint auch zu funktionierten, wenn man ohne Sprach- und Landeskenntnisse in Bolivien agiert.

Jane Bodine soll dort einen in den Umfragen schlecht abschneidenden Kandidaten im Ranking nach oben katapultieren. Beim ersten Anblick von Castillo (Joaquim de Almeida) schockiert sie vor allem seine Frisur. Beim Kennenlernen dann seine Arroganz und auch gegen das Land selbst scheint sie allergisch zu sein, die Höhenluft sorgt bei ihr für eine langanhaltende Übelkeit. Es gehört zum Grundton dieses eigentlich bitter-humorigen Films von David Gordon Green, Möglichkeiten zum Slapstick nicht auszulassen. So küsst Jane beim ersten Meeting mit dem Kunden erst einmal die Kloschlüssel und den Papierkorb im Nebenraum.

Der Regisseur gibt seiner Figur ein bisschen Zeit zum Akklimatisieren, was bei Castillo zu der Frage führt, wo eigentlich die Geheimwaffe sei, die er angeheuert hat. Diese kommt erst nach einem Zusammentreffen mit Pat Candy (grandios enigmatisch gespielt von Billy Bob Thornton) so wirklich in Fahrt. Denn, richtig, hier geht es ja nicht um den nächsten Präsidenten Boliviens, sondern um "etwas Persönliches" zwischen ihr und ihm. Jane baut ihre Strategie auf, redet eine "Krise" herbei - schließlich konnte ihr Kunde auf der emotionalen Ebene nie überzeugen und markiert besser den starken Mann, den es braucht in schweren Zeiten. Aber auch Candy zieht einen Joker nach dem anderen aus der Trickkiste und es kommt zu einem Zweikampf, bei dem sich die beiden an Hinterhältigkeit überbieten.

Das hat Witz und funktioniert gut auf der Rivalitätsebene. Wie moralisch oder unmoralisch Bodine wirklich ist, diese Frage lässt der Film lange offen. Doch gerade in der Spekulation darüber liegt der Reiz. Ihr respektloser Charme, ihre Kunst, immer das richtige Zitat parat zu haben, und die irritierende, sprühende negative Energie, wenn es ums Gewinnen um jeden Preis geht, faszinieren durchaus. Sandra Bullock bewegt sich mit markigen Sprüchen dabei weit entfernt von jeder Nettigkeit und zeigt erstaunlich exzessiv-kindische Seiten, die manchem vielleicht lächerlich und übertrieben erscheinen mögen, aber dramaturgisch gut zur Untermalung der gezeigten Persönlichkeit passen.

Der Film wurde übrigens inspiriert von einem Dokumentarfilm über den Einsatz von US-Wahlkampfprofis in Bolivien, der im Original "Our Brand Is Crisis" heißt. Dort macht ein Mann den dreckigen Job, bei dem es um alles geht - nur nicht um das beste Oberhaupt für das Land (aktuelle Vergleiche mit den USA heute bieten sich an). Sandra Bullocks Rolle war zunächst für George Clooney eingeplant gewesen, der den Film mitproduzierte. Als Frauenrolle umgeschrieben, ergibt sich ein nicht alltäglicher Part für eine Schauspielerin, den Bullock bravourös meistert. "Die Wahlkämpferin" unterhält clever alle, die nicht zu viel dramatischen Tiefgang erwarten und mit einem allzu versöhnlichen Ende zurechtkommen.

Quelle: teleschau - der mediendienst