Daddy's Home

Daddy's Home





Wagnis von gestern

Der Lexikoneintrag zu "Amerikanische Durchschnittskomödie" kann gelöscht werden. An seiner Stelle ließe sich ohne Zögern der Film "Daddy's Home" einsetzen. Denn der hat mit Mark Wahlberg und Will Ferrell nicht nur die beiden mittelmäßigsten Idealtypen des mittelmäßigen Hollywood-Mainstreams an Bord. Obendrauf liefert die Neo-Familienkomödie um Stief- und leibliche Väter ungefähr die exakte Definition eines Humors, der nirgendwo anecken mag und sanft moralisiert - dabei aber dennoch nicht völlig langweilt.

Bereits thematisch versucht "Daddy's Home" auf müdeste Art, irgendwie moderne Familienkonstrukte aufzugreifen - selbstredend ohne dabei auch nur ein einziges Wagnis einzugehen. Eine Familie mit Stiefvater entlockte schließlich schon in den 70-ern kaum mehr ein egales Achselzucken und sorgt heute nicht einmal mehr in ZDF-Vorabendserien für Aufreger. Wie dem auch sei, in Sean Anders' und John Morris' Komödie dient der (natürlich) recht biedere, korrekte, dauernette Stief-Daddy Brad, gespielt vom dafür wie gegossenen Will Ferrell, als Aufhänger für eine Geschichte, die man eben klischeehaft vorabendreif nennen würde, wenn der Vorabend sich nicht längst davon weitgehend emanzipiert hätte.

Brad wird von seiner Frau Sarah (Linda Cardellini) zwar sehr geliebt, von deren Kindern Megan (Scarlett Estevez) und Dylan (Owen Vaccaro) allerdings noch immer skeptisch beäugt. So ist es bereits ein Riesenerfolg für den Radio-Direktor, als seine Stiefkinder ihn auf ihren Familienzeichnungen nicht mehr gemeuchelt und ermordet darstellen. Die Freude über die Annäherung währt nicht lang, denn: Daddy kommt nach Hause. Dusty heißt er, ist Sarahs Ex-Mann und Vater der Kinder - und gerade erst aus dem Knast entlassen. Vor allem aber erscheint der ebenfalls passend von Mark Wahlberg verkörperte Draufgänger mit Lederjacke, Motorrad und Rocker-Attitüde so unwahrscheinlich viel cooler als Brad es je sein kann.

In dieser Konstellation harmonieren Wahlberg und Ferrell überraschend gut miteinander, und auch die vor Jahrzehnten bereits überholte Gegenüberstellung von hartem Biker-Typen und spießigem Büro-Arbeiter besitzt in ihrer hoffnungslos altbackenen Konstruktion schon unfreiwilliges Komik-Potenzial. Die meisten Gags leider eher nicht: Auf die Dad-Konkurrenz reagiert Brad selbstverständlich zunächst damit, Dustys Lässigkeit zu imitieren und schnappt sich dessen Motorrad, mit dem er - unsäglich schlecht animiert - die Treppe im Haus hochfährt und letztlich in einer Wand feststecken bleibt. Umrahmt von derlei Slapstik-Lächerlichkeiten hangelt sich "Daddy's Home" ächzend von einer - meist gähnenden - Pointe zur nächsten.

Bisweilen zeitigt der chaotische Wettbewerb um die Gunst der Kinder zwischen deren Erzeuger und Wahl-Papa aber auch herrliche Situationen - etwa wenn jeder der beiden Streithähne das Gute-Nacht-Märchen jeweils zu seinen Gunsten zu drehen versucht: einmal gewinnt der gutmütige neue König, dann wieder der starke und tapfere alte König. Insgesamt fehlt "Daddy's Home" aber neben einem weniger konventionellen Drehbuch vor allem der Mut, wirklich zuzuspitzen, auch mal über kleine Seitenhiebe hinaus zu provozieren und Familienklischees nicht nur in Witzform zu reproduzieren. Vor allem vielen Patchwork-Family-Serien ("Transparent", "Modern Family") gelingt das derzeit um unzählige Längen besser.

Quelle: teleschau - der mediendienst