Point Break

Point Break





Alles ist extrem

"Point Break" lässt einen sprachlos zurück. Das einzige Wort, was einem immer wieder in den Sinn kommt ist "extrem". Das Remake von Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelows "Gefährliche Brandung", in dem vor 25 Jahren Keanu Reeves als Undercover-Agent in der Surferszene gegen Patrick Swayze ermittelte, feiert die Extreme. Da sind zum einen extrem coole Bilder von Extremsportlern in Aktion. Da ist zum anderen aber ein Drehbuch, das die Protagonisten ansonsten zu extremem Nichtstun verurteilt und sich dem Zeitgeist anbiedert.

Von "Gefährliche Brandung" hat "Point Break" das Grundgerüst übernommen: Ein junger Cop namens Utah (Luke Bracey) wird in eine Gangstertruppe eingeschleust. Vor 25 Jahren waren das Surfer, und sie raubten Banken aus. Heute muss es für die Generation Energydrinks etwas extremer sein. Also ist Gangsterchef Bodhi (Édgar Ramírez) ein Allround-Extremsportler. Natürlich kann er surfen, aber auch mit dem Wingsuit durch enge Alpenschluchten rasen, Fallschirmsprünge punktgenau in einer Höhle landen, ohne Hilfsmittel an steilen Wänden hochklettern und sich Wasserfälle hinabstürzen. Und er hat eine Agenda zur Weltverbesserung.

Es trifft sich ganz gut, dass FBI-Frischling Utah selbst eine Extremsportvergangenheit hat, die er nach dem tödlichen Unfall eines Freundes allerdings vergessen möchte. Das hilft ihm, Zugang zum charismatischen Bodhi zu bekommen, stürzt ihn aber auch in ein Dilemma: Will Utah brav seine Pflicht erfüllen und die Gangster dingfest machen? Oder will er doch lieber das Leben eines coolen Outlaws führen, der sich keinen gesellschaftlichen Regeln unterwirft, dafür aber immer neuen Extremsport-Herausforderungen stellt? Und was soll er außerhalb der Laken mit der hübschen Samsara (Teresa Walker) machen, dem obligatorischen "love interest"?

Dass mit Ericson Core ein gelernter Kameramann die Regie übernahm, sieht man "Point Break" an. Core war unter anderem für die Bildgestaltung von "The Fast And The Furious" verantwortlich, auch "Point Break" kommt als rasanter Actionstreifen daher. Die Optik erinnert an die spektakulären Filme, mit denen ein österreichischer Brausehersteller cleveres Actionmarketing betreibt. Für die atemberaubenden Aufnahmen in Wasser, Schnee und Luft wurde laut Verleih in zwölf Ländern auf vier Kontinenten gedreht - mit vielen echten Extremsportlern. Der Schein ist schön, beim Sein aber wurde gespart.

Bodhi und seine Kollegen sind Gangster mit Mission - eine Art Robin-Hood-Gang mit Adrenalinabhängigkeit. Ihre Verbrechen zielen auf die Zerstörung des globalen Finanzsystems, ihre Mission ist der Einklang von Mensch und Umwelt. Sie sind Öko-Krieger, die der Natur zurückgeben, was sie ihr nehmen. Utah kommt schnell dahinter und erkennt, dass Bondhi und seine Mannen die "Ozaki Acht" absolvieren wollen - eine Reihe von Prüfungen, mit denen sie das innere Gleichgewicht und damit Erleuchtung finden wollen.

Wenn die aus coolen Stereotypen bestehende Bodhi-Gang nicht gerade die Welt verbessert, macht sie Party und lässt sich teure Reisen an exotische Orte sponsern. Das macht optisch Eindruck und will ein cooles Lebensgefühl vermitteln. Allerdings holen Phrasen wie "Die Natur findet immer einen Weg, dich klein aussehen zu lassen" den Film von seinen visuellen Höhenflügen immer wieder auf den Boden der Tatsachen.

Übrigens: Die "Ozaki Acht" gibt es nicht außerhalb des Kinos, womit sich der Film selbst als esoterischer Humbug entlarvt. Zumindest beraubt er sich einer feinen Pointe. Man fragt sich schon, was das alles soll, wenn die ökologische Mission und der Weg zur Erleuchtung nur eine Erfindung von Drehbuchautor Kurt Wimmer sind. Die Einheit des Menschen mit seiner Umwelt ist auch hier nur Fiktion - und dient der Unterhaltung.

Quelle: teleschau - der mediendienst