Alicia Vikander

Alicia Vikander





"Privatleben? Das habe ich nicht mehr."

Berlin, im nass-grauen Dezember. Und doch scheint die Sonne: Der Grund ist Alicia Vikander, eine Schauspielerin, die für ihre Rolle im Transsexuellen-Drama "The Danish Girl" (Kinostart: 7. Januar 2016) bereits eine Golden-Globe-Nominierung einheimste und nun für den Oscar gehandelt wird. Zum Interview bringt Hollywoods Shooting-Star (Codename U.N.C.L.E.", "Ex Machina" "Im Rausch der Sterne") ein strahlendes Lächeln mit und eine Unbekümmertheit, die selten ist im Filmbusiness. Natürlich hat auch die 27-jährige Schwedin die professionellen Lobpreisungen für ihren "fantastischen" Regisseur und die "äußerst talentierten" Co-Stars Eddie Redmayne und Michael Schoenarts parat. Aber eigentlich will Alicia Vikander, im Übrigen wie ein Wasserfall, viel lieber mit kindlicher Freude über das große Abenteuer Kino reden, bei dem sie nun mitmachen darf.

teleschau: Machen Sie eigentlich auch mal etwas anderes, als immer nur zu arbeiten? 2015 sind acht Filme mit Ihnen ins Kino gekommen, ein paar mehr starten demnächst ...

Alicia Vikander: Für mich sind das drei Jahre Arbeit: Über diesem Zeitraum habe ich die Filme gemacht. Sehen Sie: Als ich das erste Mal in Berlin war, bei der Berlinale vor fünf Jahren, wagte ich nicht zu hoffen, dass ich mal als Hauptdarstellerin eines großen internationalen Films wiederkommen würde. Damals war ich ziemlich beeindruckt vom ganzen Business. Ich löcherte zum Beispiel Domhnall Gleeson, der damals Shooting Star wurde, mit Fragen: Er spielte schließlich in den "Harry Potter"-Filmen mit. Seitdem habe ich einfach die Möglichkeiten, die sich mir boten, genutzt.

teleschau: Also haben Sie keine Gelegenheit ausgelassen, um ins Filmgeschäft zu kommen?

Vikander: Es geht weniger darum, alles mitzunehmen! Für einen Schauspieler, vor allem am Anfang der Karriere, ist die Realität ziemlich hart: Man fragt sich immer, ob es einen nächsten Film gibt. Als ich das erste Mal hier war, jobbte ich als Jeansverkäuferin und in einem Blumenladen. Als Schauspielerin arbeiten zu können, war damals ein Privileg.

teleschau: Und jetzt gelten Sie als heiße Favoritin für eine Oscar-Nominierung ...

Vikander: "The Danish Girl" ist doch noch nicht mal im Kino! Das Aufregendste an einem Film ist es doch, ihn dem Publikum zu übergeben. Alles andere ist Nebensache.

teleschau: Was hat Sie denn an der Geschichte von Lili Elbe, dem "Danish Girl" so fasziniert?

Vikander: Es war vor allem die Liebe, die ihr Gerda gibt: Meine Figur liebt ihren Mann auch dann noch bedingungslos, als er beschließt, sich zur Frau umoperieren zu lassen. Ich fragte mich ständig, was ich getan hätte. Dabei bin ich im Herzen eine Romantikerin und wünsche mir, dass ich auch jemanden so uneingeschränkt lieben kann.

teleschau: Würden Sie selber gerne mal einen Mann spielen?

Vikander: Wissen Sie, ich habe nie gesagt, dass ich unbedingt mal einen Roboter spielen will (wie in "Ex Machina", Anm. d. Red.) oder eine andere bestimmte Figur. Mir geht es um das Erzählen von Geschichten: Es ist mir egal, welche Rolle ich spiele.

teleschau: Sie spielen im Film eine Malerin: Haben Sie die Bilder selbst gemalt?

Vikander: Ich hatte Unterricht bei der wunderbaren Künstlerin, die all die Bilder im Film malte. Sie zeigte mir, wie ich den Pinsel halten und bewegen muss, damit es immer so aussieht, als sei er in Bewegung. Aber ich mich deswegen selbst als Malerin zu bezeichnen, wäre vermessen. Ich bewundere vielmehr Menschen, die wirklich malen können.

teleschau: Jetzt wo Sie die Grundlagen kennen: Haben Sie selbst Ambitionen, eine Malerin zu werden?

Vikander: Vor dem Film hatte ich ziemliche Panik, ein Stück Kohle nehmen zu müssen, und auf einer leeren Leinwand etwas zu schaffen. Ich halte mich einfach nicht für sehr talentiert. Vielleicht liegt das daran, weil ich eine große Schwester habe, die sehr talentiert war. Jetzt habe ich jedenfalls mehr Selbstvertrauen und nehme hin und wieder auch mal einen Stift zur Hand ...

teleschau: Ist das mit Ihren ersten Schritten als Schauspielerin zu vergleichen?

Vikander: Es ist schwer zu sagen, wann ich mit der Schauspielerei überhaupt anfing. Ich habe Glück, dass ich mein Beruf auch meine große Leidenschaft ist, aber ich weiß nicht mehr, wann ich die Entscheidung traf, Schauspielerin zu werden. Ich erinnere mich, dass es Videos von mir als vierjähriges Mädchen gibt, in denen ich mich vor Publikum produzierte. Ich habe es scheinbar irgendwie immer in mehr gehabt.

teleschau: Was fasziniert Sie denn so daran?

Vikander: Ich liebe es einfach, Geschichten zu erzählen. Und das Kino ist das perfekte Medium dafür, hier machen die verschiedenen Kunstformen gemeinsame Sache. Ich liebe das Kino. Dabei war ich nie auf einer Schauspielschule, sondern besuchte eine Ballettschule. In den vergangenen Jahren konnte ich meine Kunst sozusagen am Set lernen.

teleschau: Mittlerweile scheinen sich die Regisseure um Sie reißen ...

Vikander: Auch das ist ein Privileg. Ich meine, ich bin immer noch derselbe Mensch. Aber um mich herum scheint sich so viel verändert zu haben. Zum Glück habe ich Freunde und Familie, die mir das alles ermöglichen - und mich vor allem emotional unterstützen.

teleschau: Wie sehr hat sich Ihr Privatleben durch den Erfolg verändert?

Vikander: Privatleben? Das habe ich nicht mehr. Ich bin kaum noch zu Hause und freue mich immer, wenn ich paar Tage zu meiner Familie nach Göteborg kann. Aber ich werde auch nicht auf der Straße angesprochen, mich erkennt niemand, wenn es das ist, was Sie meinen.

teleschau: Was steht bei Ihnen als Nächstes an? Man hört, dass Quentin Tarantino an Ihre Tür klopft.

Vikander: Das habe ich persönlich noch nicht mitbekommen, aber er ist jederzeit willkommen. Zurzeit drehe ich mit Paul Greengrass den nächsten "Bourne"-Film, und gestern traf ich mich mit Wim Wenders, mit dem ich demnächst zusammenarbeite.

teleschau: Klopfen Sie selbst eigentlich auch mal bei den Regisseuren an, wenn Sie eine Rolle interessiert?

Vikander: Nein, wegen Rollen melde ich mich nicht. Aber manchmal nehme ich Kontakt mit Filmemachern auf, um mich für ihre Arbeit zu bedanken. Ich habe eine Menge Kinohelden. Für mich wäre es zum Beispiel ein absoluter Traum, mit Michael Haneke arbeiten zu dürfen. Das sage ich aber schon seit dem ich 13 bin.

teleschau: Sie spielen in den unterschiedlichsten Genres mit: Science Fiction, Fantasy, Historiendrama. Wählen Sie die Rollen gezielt aus?

Vikander: Ganz ehrlich: Das hängt von den Angeboten ab. Natürlich bin auch daran interessiert, unterschiedliche Figuren zu spielen und mit verschiedenen Filmemachern zu arbeiten - weil ich nie weiß, was mich erwartet. Aber um es nochmal zu sagen: Die Karriere als Schauspielerin lässt sich nicht planen. Ich weiß jetzt zum ersten Mal, was ich in den nächsten sechs Monaten machen werde: Eine so große Zukunftssicherheit hatte ich noch nie.

Quelle: teleschau - der mediendienst