Bastian Pastewka

Bastian Pastewka





Schmerzen überall ...

Bastian Pastewka spielt die Hauptrolle in einem ziemlich ernsten ZDF-Drama. Fünfteilig. Klingt zunächst überraschend. Pastewka ist Komiker und einer der besten des Landes dazu. Aber wie in jedem guten Komödianten steckt auch in ihm ein großer Schauspieler, wie sich nicht nur bei dem bemerkenswerten ZDF-Film "Mutter muss weg" (2012, mit Judy Winter) zeigte. Nun also ist er Jochen Lehmann in "Morgen hör' ich auf" (ab 02.01.2016, samstags, 21.45 Uhr) - ein überforderter Familienvater in finanziellen Schwierigkeiten, der zum Geldfälscher wird, um seine Probleme in den Griff zu bekommen. Komische Momente gibt es auch hier, aber es sind wenige. Vielmehr entwickelte Pastewka hier einen durchaus ernsten Charakter, der zum Schutz seiner Familie sogar zu außergewöhnlich rüden Methoden greift.

teleschau: Herr Pastewka, Interviews mit Ihnen haben ja in der Regel einen hohen Unterhaltungswert. Sprechen Sie jetzt auch im Stile manch anderer Schauspieler über Ihren neuen Film?

Bastian Pastewka: Helfen sie mir, was meinen Sie?

teleschau: Sie erklären mit ernstem Unterton, dass Sie einen klugen Fünfteiler gedreht haben, der außergewöhnliche Wege geht. Dass die Zusammenarbeit mit den Produzenten, Autoren und dem Regisseur höchstproduktiv war und dieser Dreh für Sie alles in allem zu einer bereichernden Erfahrung wurde, die Sie nicht missen möchten.

Pastewka: Was wäre denn, wenn das alles stimmen würde?

teleschau: Das wäre schön. Aber in einem Interview eben auch entsetzlich langweilig.

Pastewka: Gut. Wie Sie wollen. Dann sage ich: Die Zusammenarbeit speziell mit dem Regisseur Martin Eigler war sehr ärgerlich, denn er hat mich gebeten, für diesen Film Tennis-Unterricht zu nehmen.

teleschau: So schlimm?

Pastewka: Zum letzten Mal hatte ich 1985 bei einem Gartenfest in Bonn einen Tennisschläger in der Hand. Da war ich 13. Ich fing also bei Null an.

teleschau: Und das bedeutete ..?

Pastewka: Ich habe einen Tennislehrer engagiert. Innerhalb eines Dreivierteljahrs machte der mir klar, dass ich ein gottverdammter Tennisprofi bin. Wenn ich nur will ...

teleschau: Die peitschende Vorhand fällt im Film fraglos auf.

Pastewka: Und wenn Sie erst meinen Aufschlag sehen würden. Der wurde leider rausgeschnitten. Glauben Sie mir: Es hat Spaß gemacht.

teleschau: Sie haben stets betont, dass Ihnen Sport niemals Spaß macht. Hatten Sie womöglich nach dem Dreh auch noch einen Tennisschläger in der Hand?

Pastewka: Mehrfach. Aber keine Sorge: Ich kann den Spielverlauf bis heute nicht entscheidend bestimmen.

teleschau: Hat es Sie gestört, als früh die Mitteilung aufkam, "Morgen hör' ich auf" sei so etwas wie das "deutsche Breaking Bad"?

Pastewka: Keineswegs. Wobei: Dieser Stempel kam überraschend. Es waren damals gerade einmal die Drehbücher der ersten beiden Folgen fertig. Uns selbst war natürlich klar, dass wir kein deutsches "Breaking Bad" drehen. Das würde auch keinen Sinn machen. Aus gutem Grund gab es auch nie ein deutsches "Sex and the City" oder "Ally McBeal". Aber es hat die Aufmerksamkeit geweckt. Und Freunde schickten mir SMS, in denen sie zufrieden feststellten: "Mensch, Pastewka, endlich machst du mal was Vernünftiges."

teleschau: Haben Sie "Breaking Bad" gesehen?

Pastewka: Komplett!

teleschau: Inhaltliche Parallelen zwischen den Serien gibt es ...

Pastewka: Klar, auch Jochen Lehmann erlebt einen finanziellen Engpass. Er entscheidet sich, ungewöhnliche Methoden zu ergreifen und gerät in Gangsterkreise. Das erinnert natürlich an Walter White in "Breaking Bad". Doch unsere Geschichte verläuft einfach anders. Wichtig war mir aber, dass die Skurrilität des Ganzen erhalten bleibt. Wir wollten nicht zwanghaft morbide, schwarzhumorig oder böse sein, sondern das Ganze als in Deutschland verortetes Drama aufziehen. Es geht um die richtige Balance zwischen Skurrilem und Abgründigem. Und zwar zwar nicht nur innerhalb der Serie, sondern als Widerhall dessen, was man im Menschen finden kann.

teleschau: Womit wir dann doch beim seriösen Schauspielergespräch wären.

Pastewka: Ihre Schuld. Sie haben ja plötzlich wieder ganz normale Fragen gestellt ...

teleschau: Wenn Sie Ihren Beruf irgendwo eintragen müssten, was stünde dann da?

Pastewka: Ich habe immer "Schauspieler" geschrieben.

teleschau: Aber Sie haben sich auch schon als Komiker bezeichnet.

Pastewka: Beides stimmt wahrscheinlich, ich kann es nur schlecht erklären. Wichtig ist für mich, dass es eine Unterscheidung zum jeweiligen Vorgängerprojekt gibt. Dieser Tage etwa bringe ich mit vier Kollegen einen albernen Hörspielkrimi auf die Bühne. Und das ist ein toller Kontrast zu den Dreharbeiten zu "Morgen hör ich auf", die unmittelbar vorher stattfanden.

teleschau: In Deutschland ist viel die Rede vom Schubladendenken der Besetzungsbüros: dass die immergleichen Schauspieler in den immergleichen Rollen ausgesucht werden. Ist "Morgen hör' ich auf" der Beweis dafür, dass man hier mutiger ist, als man glaubt?

Pastewka: Ich glaube schon, dass es den notwendigen Mut gibt. Nur es gibt eben auch sehr viel Gebrauchsfernsehen. Also Serien, die auf sehr viele Folgen konzipiert sind und die ... irgendwie einfach stattfinden. Es fällt mir als Zuschauer schwer, für solche Sendungen Begeisterung zu empfinden. Ich mag Serien, die mit Bedacht gemacht werden, mit Liebe und deren Geschichte aufeinander aufbaut. Da braucht man nicht nur Mut, sondern auch das Können. Es ist einfacher, einen Kriminalfall in 45 Minuten zu erzählen, als ein Thema über viele Folgen oder gar Staffeln auszudehnen.

teleschau: Ist das anspruchsvolle serielle Fernsehen nicht doch noch ein Nischenprodukt?

Pastewka: Ich behaupte: Auch das große Publikum ist zu allem bereit. Im Übrigen ist die von uns gewählte Erzählform ja auch in Deutschland so neu nicht. Denken sie an "So weit die Füße tragen", "Das Halstuch", "Tadellöser und Wolf" und "Die Bertinis" - dazu die Mehrteiler von Dieter Wedel. Das sind allesamt Miniserien. Ich will kein Eigenlob ausschütten, aber ich sehe unsere Serie schon in dieser Tradition.

teleschau: Würden Sie es dem Zuschauer übelnehmen, dass er dennoch womöglich eine Weile braucht, sich an Sie in diesem ernsten Umfeld zu gewöhnen? Wie auch in Ihrer Sitcom "Pastewka" schlittert Ihre Figur in "Morgen hör ich auf" ein ums andere Mal ins Schlamassel hinein. Wer "Pastewka" kennt, wartet dann auf den erlösenden Witz. Doch der bleibt diesmal aus ...

Pastewka: Es gibt ja wirklich Parallelen zwischen beiden Rollen. Beide behaupten, alles hinzukriegen, schaffen es aber meistens nicht. Sie haben einfach Mühe, den Ansprüchen ihres Umfelds nachzukommen.

teleschau: Tragik allerorten ...

Pastewka: Meine Figuren werden immer von Schmerzen angetrieben. Das war schon bei den zweidimensionalen Charakteren früher so, wie zum Beispiel "Brisko Schneider" in der "Wochenshow" bei SAT.1. Auch der hatte das Bedürfnis, zu erfahren, wie man glücklich wird, wie man Befriedigung im Leben findet.

teleschau: Hatten Sie ein Mitspracherecht bei der neuen Rolle?

Pastewka: Die Autoren Sönke Lars Neuwöhner, Sven S. Poser und Martin Eigler hatten eine genaue Vision, wie der Film aussehen soll. Es gab ein erstes Treffen zwischen uns, und wir merkten, dass wir dieselbe Sicht auf den Charakter hatten. Aber natürlich folgten viele Gespräche.

teleschau: Ist es ein Bestreben von Ihnen, als Schauspieler ernster genommen zu werden?

Pastewka: Definitiv nicht. Weil ich fest daran glaube, dass auch meine komödiantischen Rollen echt waren und keine Abziehbilder. Das Genre Komik und auch das Genre Drama unterscheiden sich doch in erster Linie dadurch, dass man dem ernsten Film im Vorfeld immer mehr Bedeutung verleihen will als der Komödie. Dabei fällt eine schlechte Komödie viel schneller auf als ein schlechtes Drama. Ich bin gerne Komödiant, mit Leib und Seele. Und ich lege auf große Genauigkeit Wert. Wenn etwas nicht komisch ist, dann spüre ich das. Und genauso merke ich, wenn etwas im Drama schiefgeht.

teleschau: Wissen Sie schon, wie es mit der SAT.1-Comedy "Pastewka" weitergeht?

Pastewka: Da gibt es keine neuen Erkenntnisse.

teleschau: Täuscht der Eindruck, dass sich gerade im Bereich der Comedy derzeit einiges im Fernsehen tut?

Pastewka: Absolut nicht. "Eichwald MdB" - bitte dringend gucken. "Die Mockridges" im WDR - bitte dringend gucken. Dazu "Sketch History", das "Neo Magazin Royale". Das Unterhaltungsfernsehen ist immens politisch geworden. Denken Sie an "Mann, Sieber", "Die Anstalt", die "heute-show" - das ist klar positionierter Humor, der mir gefällt.

teleschau: Die letzte Frage ist Ihnen nicht zu ersparen. Vor wenigen Wochen machte Ihr Kollege Oliver Kalkofe öffentlich, dass es hinter den Kulissen bei den Vorbereitungen zu einem dritten "Wixxer"-Film zum Bruch zwischen Ihnen gekommen sei. Kalkofe bezeichnet Sie in seinem Facebook-Post als einen "ehemaligen Freund".

Pastewka: Es stimmt leider: Es wird keinen dritten Film geben. Die Gründe werde ich nach wie vor nicht kommentieren, sonst holt mich der "Wixxer".

Quelle: teleschau - der mediendienst