Leonhard Lansink

Leonhard Lansink





"Ich muss mich nicht an Regeln halten"

Leonard Lansink gilt als knurrig, trocken, immer echt und ehrlich, eben typisch westfälisch. Genauso ist auch seine Rolle als Münsteraner TV-Detektiv "Wilsberg" angelegt (50. Folge "Tod im Supermarkt", Samstag, 2. Januar, 20.15 Uhr, ZDF), die Lansink seit 1997 spielt. Im Gespräch zum Serienjubiläum spricht der Schauspieler, der am 7. Januar sein 60. Lebensjahr vollendet, über Vorteile gegenüber seinen Münsteraner "Tatort"-Kollegen, möglichen Zusammenlegungsplänen der beiden Formate, Arbeit als Ruhepol - und über Whiskey und James Dean als Stimmungsmacher zur Weihnachtszeit.

teleschau: Herr Lansink, draußen hängen die Lichterketten, die Leute backen Kekse, Weihnachten steht vor der Tür. Schon in Stimmung?

Leonard Lansink: Noch nicht so richtig, was aber weniger an mir, als vielmehr am momentan ja noch fast frühlingshaften Wetter liegt. Und dann drehen wir aktuell auch noch, was mich ein bisschen davon abhält, an Weihnachten zu denken.

teleschau: Sind Sie denn ein allgemein Weihnachtsmensch?

Lansink: Man kann sich Weihnachten ja an sich gar nicht entziehen. Sie sagten es bereits: Überall hängen diese Lichter, in jedem Aufzug schallt einem Blockflötenmusik entgegen - Weihnachten ist omnipräsent und macht natürlich mit jedem irgendetwas.

teleschau: Finden Sie also Weihnachten gut oder nicht?

Lansink: Zumindest freue ich mich über das Licht. Wird ja aktuell sehr früh dunkel. Ach, aber ich bin jetzt auch kein kompletter Weihnachtsmuffel.

teleschau: Wie muss man sich denn Sie in Weihnachtsstimmung vorstellen?

Lansink: Ich sitze ab und an schon gerne im Sessel, lege die Füße hoch und höre die Weihnachtslieder von Dean Martin, Frank Sinatra oder Elvis Presley.

teleschau: Dazu eine Tasse Glühwein?

Lansink: Ja, oder Whiskey.

teleschau: Rotwein und Zigaretten, hieß es immer, wären Ihnen besonders heilig.

Lansink: Ich rauche mittlerweile nicht mehr, aber mit Rotwein hatte ich tatsächlich noch nie ein Problem (lacht).

teleschau: Sie haben vor einigen Jahren schon festgehalten: "Ich bin ein Leben-Leber." Ist das immer noch so - und was bedeutet das genau im Hier und Jetzt?

Lansink: Körperlich bin zwar ich fast 60, gefühlt sogar schon über 80 (lacht). Aber im Kopf bleibe ich jung und schleppe mein Alter nicht dauernd mit mir herum. Was ich dennoch einsehen muss: Die Schere zwischen dem, was ich will, und dem, was ich noch kann, geht langsam weiter auf.

teleschau: Was konnten Sie vor, sagen wir, zehn Jahren noch und heute nicht mehr?

Lansink: Mein Sprunggelenk ist sogar schon seit 15 Jahren hinüber, das heißt, dem Bus konnte ich damals nicht hinterherrennen und kann es heute nach wie vor nicht.

teleschau: Was machen Sie aktuell, um Kopf und Körper neben der Arbeit zu entspannen?

Lansink: Ich bin verheiratet, und wir haben einen Hund, einen großen Labrador namens Arthur, der viel raus muss. Das reicht. Darüber freue ich mich ungemein.

teleschau: Wohnen Sie noch in Berlin-Schöneberg?

Lansink: Mittlerweile in Berlin-Friedrichshain, mitten im Kiez. Wir finden das ganz prima.

teleschau: Vielleicht ist Ihr Ruhepol ja auch die Arbeit, schließlich haben Sie mal gesagt: "Ich bin ein bodenständiger, solider Arbeiter mit allen dazugehörigen Vorlieben."

Lansink: Ein guter Gedanke. Auf jeden Fall vermittelt mir die regelmäßige Arbeit so eine gewisse Sicherheit.

teleschau: Aber Arbeit ist für Sie kein Luxus, wie es viele Ihrer Schauspielkollegen angeben, oder?

Lansink: Nein, das nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen, definiere ich mich nicht durch meine Arbeit. Dadurch laufe ich auch nicht Gefahr, verrückt zu werden (lacht).

teleschau: Im neuen "Wilsberg" kümmern Sie sich nun um einen schlicht gestrickten Mann, der wegen angeblich zu hohen Alkoholkonsums auf einer Joghurtpfütze im Supermarkt ausgerutscht sein soll. Man möchte meinen, so einem würden Sie auch im wahren Leben unter die Arme greifen.

Lansink: Natürlich, ich bin ja ein hilfsbereiter Mensch!

teleschau: Womit sympathisieren Sie ansonsten beim Charakter Wilsberg?

Lansink: Was ich sehr mag, ist dass Wilsberg nicht so viel redet, sondern eher etwas tut. Das kommt dem Westfalen in mir sehr entgegen.

teleschau: Was unterschiedet Sie beide dennoch?

Lansink: Ich bin doch mehr eine öffentliche Figur, während Wilsberg gerne ein Privatmensch bleibt. Außerdem bin ich ja verheiratet, und Wilsberg ist Single - was er auch bleiben wird, so viel kann ich verraten (lacht).

teleschau: Und wenn nicht, würde er sicher nicht wie Sie der Liebe wegen nach Berlin ziehen.

Lansink: Nein, garantiert nicht. Er würde von seiner Frau vielmehr verlangen, dass sie ihm zu Hause seine Bücher aufräumt. Und dann stirbt sie auch bald - das gehört sich schließlich so in einem guten Krimi (lacht).

teleschau: Sie haben mal erwähnt, Sie würden nicht die Rolle des Münster-Schnüfflers Wilsberg gegen die des Kommissars Thiel im "Tatort" tauschen wollen. Bleiben Sie dabei?

Lansink: Ja, ich sehe das nach wie vor so. Als Privatdetektiv habe ich riesige Vorteile gegenüber den Polizisten, denn: Ich muss mich nicht an Regeln halten. Mehr noch: Ich darf sogar meine eigenen Regeln machen. Das finde ich ganz angenehm.

teleschau: Und wenn Sie als Privatdetektiv in den "Tatort" gehen würden?

Lansink: Das würde ich hingegen gut finden! Es gibt auch die heimliche Idee, dass wir von "Wilsberg" mal etwas mit dem Münsteraner "Tatort" zusammen machen. Das müssen nur alle Beteiligten auch wollen. Wir Schauspieler, auch die Kollegen Axel Prahl und Jan Josef Liefers, sehen darin überhaupt kein Problem. Nur: Wir können so etwas zwar anstoßen, aber am Ende müssen es die Sender durchsetzen.

teleschau: Sehen Sie es als realistisch?

Lansink: Ich finde es wünschenswert, ist ja auch so naheliegend. Aber je berühmter die Kollegen werden, und je mehr "Wilsberg" wir drehen, umso schwieriger wird es, beide zusammenzukriegen.

teleschau: Gibt es denn noch eine Rolle, die Sie irgendwann unbedingt spielen möchten, und die Sie womöglich noch mehr ausfüllen könnte als Wilsberg?

Lansink: Im Moment habe ich da keine Idee - und auch keine offenen Wünsche. Ich habe auch keinen Ehrgeiz, karrieremäßig unbedingt darüber hinaus zu müssen. Es sei denn, Sascha Hehn hätte den Kapitän des "Traumschiffs" nicht gemacht. Dann hätte ich mich zur Verfügung gestellt.

teleschau: Warum gerade das "Traumschiff"?

Lansink: Das liegt an meiner Vorliebe für Reisen und warmes Wetter. Und die Drehzeit ist begrenzt. Die drehen im Winter, also dann, wenn man aus Berlin auch mal gerne weg geht.

Quelle: teleschau - der mediendienst