Die 5. Welle

Die 5. Welle





Wenn Cassie killen muss

Cassie Sullivan dringt in eine verwüstete Tankstelle ein. Das Gesicht des jungen Mädchens ist dreckverschmiert, auf dem Rücken trägt sie einen blauen Rucksack mit dem Notwendigsten - und im Anschlag ein Schnellfeuergewehr. "Lass die Waffe fallen", sagt ein halb liegender Mann mit Revolver zu ihr. "Du zuerst!" fordert Cassie. Als ihr Finger sich um den Abzug krümmt, verrät ihre Miene ebenso viel Entschlossenheit wie Furcht. Doch für Chloë Grace Moretz, bekannt aus dem Superhelden-Franchise "Kick Ass", geht ein Traum in Erfüllung: Mit Cassie Sullivan spielt sie die Hauptrolle in dem apokalpytischen Action-Drama "Die 5. Welle". Nicht weniger als dreimal hat Moretz den zugrunde liegenden Bestseller von Rick Yancey begeistert gelesen.

Außerirdische, "die Anderen" genannt, thronen mit ihrem Raumschiff über einer Stadt in Ohio. Aber ihr Vernichtungswerk erstreckt sich auf die ganze Erde. Sie legen global die Elektronik und Kommunikation lahm, Erdbeben und Überschwemmungen machen die großen Metropolen platt, und eine heimtückische Vogelgrippenvariante dezimiert die Weltbevölkerung - das sind die ersten drei Angriffswellen. Army-Colonel Vosch (Liev Schreiber) warnt eine Schar Überlebender vor der vierten Welle: Außerirdische übernehmen wie Parasiten die innere Kontrolle über die Menschen.

Zu seinen Zuhörern gehört die 16-jährige Cassie Sullivan. Noch vor Kurzem eine ganz normale High-School-Schülerin mit nettem Elternhaus, ausgiebigen Partys und stressigen Lehrern, streift sie nun mit ihrem kleinen Bruder Sammy (Zackary Arthur) auf der Suche nach Essbarem durch die Wälder. Schießend wehrt sie sich nicht nur gegen Aliens. Nach einem gefährlichen Zwischenfall trifft sie auf den attraktiven Farmersohn Evan (Alex Roe). Ihre heimliche Liebe Ben (Nick Robinson) findet sich indes zwangsrekrutiert im Krieg gegen die Außerirdischen wieder. Die fünfte Welle des Angriffs steht bevor.

Die Welt geht mal wieder unter, die Erwachsenen versagen, eine militärische Elite ergreift die Macht und missbraucht Kinder und Jugendliche für ihre dubiosen Zwecke, wogegen sich einige von ihnen wehren: Buchmarkt und Kino quellen gegenwärtig über von solchen Themen. Doch "Die 5. Welle" hebt sich mit neuen Akzentuierungen von inhaltlich verwandten Stoffen wie dem reichlich beliebig dahererzählten "Maze"- Franchise oder den untergründig gewaltverherrlichenden "Tributen von Panem" deutlich ab.

Trotz Pyrotechnik und Zerstörungsbildern ist die Endzeit in "Die 5. Welle" nicht in erster Linie Spektakel, sondern vor allem ein quälender moralischer Konflikt. Denn unter extremen Bedingungen zu überleben verlangt nicht selten, jemand anderen zu töten. Darin liegt die eigentliche, immer neue Katastrophe, daraus bezieht der Film seine große Spannung.

Mit ihrer Lektürevorliebe für "Die 5. Welle" beweist Chloë Grace Moretz guten Geschmack, mit ihrer Performance in der Leinwand-Adaption Hingabe an das Drama des Tötens und der tödlichen Bedrohung. Als Cassie Sullivan zittert sie vorm Sterben genauso wie vor dem Verlust der Menschlichkeit noch in der Selbstverteidigung. Die sensible Inszenierung von J Blakeson und die Kameraführung von Enrique Chediak unterstützen sie dabei hervorragend. "Die 5. Welle" kommt fast ein Jahr später ins Kino als geplant. Möglicherweise fürchtete der Verleih, im Vergleich zur Konkurrenz einen zu klugen Film im Portfolio zu haben.

Quelle: teleschau - der mediendienst