Sarah Winkhaus

Sarah Winkhaus





Wenn der Asphalt zu vibrieren beginnt ...

Es war eine, dezent ausgedrückt, pikante Situation damals in der S-Bahn aus der Münchner Innenstadt Richtung Flughafen. An eben diesem Morgen hatte eine große Boulevardzeitung erstmals jene "Playboy"-Bilder veröffentlicht, über die Sarah Winkhaus so lange nachgedacht hatte. Nun saß sie da, Männer mit der besagten Tageszeitung und mit Smartphones um sich herum. Ihre eigenen Gedanken drehten sich um das bevorstehende Moto-GP-Finale in Valencia, zu dem sie als Berichterstatterin unterwegs war. "Und plötzlich merkte ich, dass ich erkannt wurde. Mit einem Mal stehst du mehr als bisher in der Öffentlichkeit. Und in einem ganz besonderen Licht dazu." Aber, und das galt für diesen Moment ebenso wie für viele weitere danach an Tankstellen und in Kiosks: "Die Menschen sind sehr diskret."

"Meine erste Antwort war Nein." Ausziehen für den "Playboy" kam für die Moderatorin nicht infrage. Aber sie besprach sich, mit Freunden, Familie, Beratern. Und änderte ihre Meinung. In Italien, ihrer zweiten Heimat, ist die 36-Jährige durch ihr Engagement bei Sky Italia im Rahmen der Formel 1-Übertragungen längst bekannt. Vor kurzem wurde sie dort gar zur "bezauberndsten Sportmoderatorin des Landes" gewählt. Doch in ihrer Heimat Deutschland war sie bisher, etwa durch ihre Arbeit bei Sky Sport News HD, nur einem kleineren Publikum ein Begriff. Wie sich das ändern lässt? "Ich hätte auch einen Fußballer heiraten können", sagt sie augenzwinkernd.

Entstanden sind die Aufnahmen an der ältesten Rennstrecke Europas: der sizilianischen Targa Florio. "Das ganze Dorf war auf den Beinen", erinnert sich Sarah Winkhaus. Durchaus ungewöhnlich für den "Playboy": Es sind auch Männer auf den Bildern zu sehen. Doch deren Augen gehören ganz und gar dem Ferrari 458 GT3 und eben nicht der daneben stehenden blonden Schönheit. Der Lohn für so viel Disziplin: ein Selfie mit dem Model. Und ein eher unfreiwilliges Rendezvous mit den Carabinieri, die inmitten des aufsehenerregenden Tohuwabohus brav alle Personalien der Beteiligten aufnahmen, was freilich folgenlos blieb.

Autos und Sarah Winkhaus. So recht weiß die Rennsportexpertin gar nicht, woher diese Leidenschaft rührt. Vielleicht sind es die erkennbaren Gegensätze zu all den anderen Leidenschaften ihrer Kindheit: Seit ihrem vierten Lebensjahr spielt sie Cello, bis heute ein bewährtes Entspannungskonzept. Dazu eine Ballettausbildung. Mit ihrer deutschen Mutter, mit der sie in Düsseldorf groß wurde, durfte / musste sie unzählige Kirchen in ganz Deutschland besuchen. Doch eben jene Mutter war es, die großen Wert darauf legte, dass Tochter Sarah auch das italienische Lebensgefühl inhaliert. Viel Zeit verbrachte sie bei ihrem Vater, obwohl sich ihre Eltern früh trennten. Mit der Oma führte sie der Weg ins Stadion, zu den Fiorentina. Doch das Herz verliebte sich dort in den Rennsport.

"Es ist dieser Sound im Bauch. Das Vibrieren des Asphalts. Der süßliche Geruch des Benzins." Magisch zieht sie das an. "Und wer einmal in einem solchen Wagen saß, spürt diesen Kick, der entsteht, wenn er beschleunigt, wenn es dir deine Wangen durch die Fliehkraft verformt." Wenn Sarah Winkhaus über Motorsport redet, ist das Vollgas-Euphorie. Und die Fahrer? "Mit ihnen", sagt sie, jetzt mit etwas mehr Distanz, "ist es wie mit so vielen Leistungssportlern: Sie wirken, obwohl sie noch sehr jung sind, für ihr Alter unglaublich erwachsen. Wer immer an Grenzen gehen, ständig Selbstdisziplin an den Tag legen muss, der wird einfach ein anderer Mensch. Und auch wenn der Motorsport viel sicherer als früher geworden ist: Jeder von ihnen kennt die Gefahr, in die er sich begibt."

Jene Eigenschaft, die Selbstdisziplin, nimmt Sarah Winkhaus auch für sich selbst in Anspruch. Ihr Doppelstudium Kulturwirtschaft und BWL in Passau und Bologna habe schon früh dafür gesorgt, dass wenig Zeit zum Feiern blieb. "Ich habe einen hohen Anspruch an mich", sagt sie und fügt hinzu, dass dieser Hang zum Perfektionismus zugleich ihre größte Schwäche sei. "Jetzt, mit 36, müsste ich schon auch mal lernen, Fünfe gerade sein zu lassen. In Italien geht das, da lass ich das süße Nichtstun in meinem Leben zu. Aber in Deutschland klappt das irgendwie nicht", lächelt sie und verweist auf ihr dann doch turbulentes Leben.

Neben der Berichterstattung bei Sky News HD arbeitet sie bei Sky für die Kinosendung "Making Of", für die sie über Filme und immer wieder von roten Teppichen berichtet. Darüber hinaus moderiert sie gemeinsam mit Ex-"Glücksrad"-Mann Frederic Meisner beim Schlagersender GoldStar TV fünfmal im Jahr ein Wunschkonzert. Am Heiligabend, 24.12., 16.00 Uhr, steht die Weihnachtsausgabe an. Dem Sender verspricht sie ewige Treue. Geschäftsführer Gottfried Zmeck war es schließlich, der sie fürs Unterhaltungsfernsehen entdeckte, nachdem sie zuvor unter anderem für Phoenix, den MDR und das ZDF gearbeitet hatte.

Journalistin habe sie immer werden wollen. Schon früh schrieb sie für die "Rheinische Post", später arbeitete sie unter anderem für den Regionalsender Tele Regional Passau. Jene Schule, die sie nah an die "ganz normalen Menschen" führte, vergisst sie bis heute nicht, da sie von Sportstars, Schauspielern und Schlagersternchen umgeben ist. "Der Lokaljournalismus führt dich nah an die Leute heran. Und dort erspürt man, was sie wirklich interessiert."

Bleibt die letzte Frage, die freilich auch ihre Fans bei Facebook bewegt: Gibt's einen Mann in ihrem Leben? Ihr Lächeln sagt ja. "Ich habe jemanden im Herzen. Und gemeinsam schauen wir, wo unsere Reise hingeht." Klingt kitschig - wie ein Schlagertext! "Stimmt", sagt sie. "Aber passt ..!"

Quelle: teleschau - der mediendienst