Gut zu Vögeln

Gut zu Vögeln





Teenies in der Midlifecrisis

Der Plot erinnert an die Sitcom "New Girl": Barkeeper Jacob (Max von Thun) und der schwule Nuri (Samy Challah) nehmen widerwillig eine Frau in ihre WG auf, die gerade von ihrem Verlobten verlassen wurde. Die neue Mitbewohnerin bringt Chaos in Jacobs Junggesellenalltag. Mira Thiels Komödie "Gut zu Vögeln" zeigt den normalen Beziehungswahnsinn mit Anfang dreißig, irgendwo zwischen Wickelkommode, Neuanfang und Hochzeitswahn.

Boulevard-Journalistin Merlin (Anja Knauer) ist Anfang dreißig, als ihr Verlobter (Kai Wiesinger) per SMS die Hochzeit abbläst und sie vor die Tür setzt. Herausgerissen aus ihrem Prinzessinnentraum von Zweisamkeit und Kinderwunsch steht sie unter Schock. Ihr Bruder Simon (Max Giermann) nimmt für sie die Wohnungssuche in die Hand.

Er bittet seine Ex-Mitbewohner Jacob und Nuri, Merlin in seine alte WG einziehen zu lassen. Die zwei überzeugten Singles haben überhaupt keine Lust auf eine Mitbewohnerin mit nervigen Trennungsproblemen, können ihrem besten Freund aber keinen Wunsch abschlagen und nehmen Merlin auf. Als sie unter ihren Taschentuchbergen zu ersticken droht und ihr Heulen beinahe Jacobs Frauenbesuche in die Flucht schlägt, muss eine Lösung her: Jacob überredet sie, ihren Liebeskummer mit einem One-Night-Stand zu trösten. Was dazu führt, dass schließlich die beiden miteinander im Bett landen.

So geht es los im Film "Gut zu Vögeln", den die Macher als "anti-romantische" Komödie bezeichnen und der von der Bindungsunfähigkeit der 30-Jährigen erzählen will. Anti-romantisch heißt vermutlich, dass Regisseurin Mira Thiel etwas anders machen wollte als die gängigen Romantic Comedys. Tatsächlich kommen sich Merlin und Jacob beim Austausch über weibliche Verdauungsprobleme näher, was allerdings nicht anti-romantisch, sondern zotig ist. Der Rest bleibt altbekanntes Rom-Com-Muster: Merlin ist natürlich nicht nur die süße, etwas hoch geknöpfte Karrierefrau, sondern raubt im kurzen Kleidchen Jacob den Atem. Er, der jede Nacht eine Andere abschleppt, hat noch nie an die Liebe geglaubt. Aber urplötzlich wird aus dem verantwortungslosen Junggesellen ein treuer Partner. Seine Bindungsunfähigkeit ist grundlos vom Tisch.

Die Figuren tragen zusammengewürfelte Eigenschaften, wie man sie sich von Großstädtern Anfang dreißig vorstellt. Richtig unter die Lupe genommen und böse karikiert werden deren Lebensentwürfe nicht, nur unentschlossen ironisiert: Merlin muss natürlich den Mädchentraum der Nullerjahre leben, Yoga machen und Journalistin sein. Ihre Chefin schwebt mit zwei schweigenden Begleiterinnen durch die Redaktionsgänge und orakelt schwer erfüllbare Arbeitsaufträge, und Merlins Assistentin ist eine Transsexuelle namens Lilith (Ulrich Gebauer), die lustige Sprüche säuseln darf.

Merlins Freundin Clara (Katharina Schlothauer) hat einzig die Aufgabe, eifersüchtig und schwanger zu sein. Als das Männer-Trio beschließt, ein letztes Mal wie in alten Zeiten zum Ballermann zu fahren, platzt Clara vor Eifersucht und reist ihnen hinterher. Ihre Wehen setzten auf der Tanzfläche eines Clubs ein, wo sie unter dem Grölen der besoffenen Partygäste und im Disconebel ihr Kind zur Welt bringt. Auch dieser Moment ist nicht anti-romantisch, sondern verkündet allenfalls auf abstruse Weise die typische Rom-Com-Botschaft: Ausgelassen Feiern macht keinen Spaß mehr, Abhilfe schaffen Hochzeit und Familiengründung.

Überhaupt passen die Ballermann-Nostalgie und Quarterlife-Crisis, die Simon, Nuri und Jacob zu einem letzten Besuch der Partymeile ihrer Jugend treiben, so gar nicht zu ihnen. Es ist mehr ein wilder Mix aus 90er- und 2000er Jahre-Verhaltensweisen, die den Figuren wahllos angedichtet werden. Anja Knauer, Max von Thun und Max Giermann machen das Beste daraus. Ihnen zuzuschauen macht zumindest Spaß.

Quelle: teleschau - der mediendienst