The Danish Girl

The Danish Girl





Im falschen Körper

Dass es wieder Saison für die Oscars ist, merkt man an Kino-Filmen, in denen sich zumeist versierte Arthaus-Regisseure und sehr methodisch vorgehende Charakterdarsteller wichtiger und in gewisser Weise auch schwieriger Themen annehmen, bevorzugterweise im historischen Kontext. So wie "The Danish Girl". Regisseur Tom Hooper erzählt mit einem exquisiten Cast um Hauptdarsteller Eddie Redmayne von der Dänin Lili Elbe, die als Mann geboren wurde und sich in den 1930er-Jahren in Dresden einer Geschlechtsumwandlung unterzog. In einer Zeit, in der Homosexualität als Krankheit behandelt wurde und das Wort Transgender noch seiner Ersterwähnung harrte.

Transgender ist längst kein Tabu-Thema mehr. Und das ist gut so. Man kann darüber reden, manchmal muss man es auch, weil es prominente Fälle wie Caitlyn Jenner, gibt, die als Bruce Jenner Zehnkampf-Olympiasieger wurde und mittlerweile im Reality-Universum der Kardashians lebt. Ein Film wie "The Danish Girl" passt in die Zeit und ist auch wichtig, weil er Transgender bei einem breiten Publikum auf die Agenda hebt.

Tom Hooper nähert sich dem Thema historisch und macht Lili Elbe zu seiner Protagonistin - eine Frau, die heute als Pionierin der Bewegung gilt, aber eigentlich nur ihre persönliche Erfüllung finden wollte. In den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts lebte sie als Einar Wegener in Kopenhagen und war als anerkannter Maler ein geschätztes Mitglied der Künstlerszene. Einar und seine ebenfalls malende Frau Gerda (Alicia Vikander) galten als Traumpaar, so suggeriert es der Film. Sie lebten ein Leben für die Kunst und ihre Liebe.

Nichts konnte dazwischen kommen. Bis Einar eines Tages für Gerda Model sitzen sollte - in Frauenkleidern. Fortan fühlte sich Einar eigentlich als Lili, eine Tatsache, die damals in Medizin, Politik und Gesellschaft schwer zu akzeptieren war. Dennoch ging diese tapfere Frau unbeirrt ihren Weg, der sie über Paris nach Dresden in die Klinik von Dr. Warnerkros (Sebastian Koch) führte.

So weit, so gediegen und ambitioniert ist "The Danish Girl" ein gefälliger Mainstream-Film: Alles, wirklich alles zielt auf die Award-Season ab. Tom Hooper, der mit seinem angeschmalzten königlichen Stotterer-Epos "The King's Speech" schon zu Oscar-Ehre kam, hat den Film so sorgsam wie geschmackvoll inszeniert und schwelgt in erlesenen Jugendstil-Dekors, umrahmt von Alexandre Desplats orchestraler Gefühligkeit. Leider erfährt man bei all den schönen Bildern kaum, wie es den Menschen geht, die darin platziert wurden.

Hauptdarsteller Eddie Redmayne, der vor Jahresfrist den Academy Award für seine Verwandlung zu Physikergenie Stephen Hawking ("Die Entdeckung der Unendlichkeit") gewann, spielt einmal mehr eine Rolle, für die er sich einer enormen körperlichen Herausforderung stellen musste. So kokett wie der Engländer schlägt aber in Wirklichkeit keine Frau die Augen auf, im Gegenteil, es wirkt ziemlich manieriert, wie Redmayne durch den Film stöckelt.

Das Herz des Werks, die Seele, ist dann auch Einars Frau Gerda, die vom bezaubernden Shooting-Star Alicia Vikander mit unprätentiöser Hingabe gespielt wird. Gerdas Liebe ist bedingungslos genug, um Lili überhaupt erst zum Leben zu erwecken: Sie steht auch dann noch dazu, als ihr längst klar geworden ist, dass es keine gemeinsame Zukunft gibt. Wahre Liebe lässt sich eben nicht von Geschlechtergrenzen aufhalten.

Als Exkurs in die Anfänge der Transgender-Bewegung ist "The Danish Girl" nicht geeignet, weil sich Tom Hooper zu wenig für die inneren und äußeren Kämpfe der Figuren interessiert. Immerhin aber ist der konventionell erzählte Film eine rührende Geschichte über die Kraft der Liebe. Wenngleich der historische Kontext aus dramaturgischen Gründen recht frei interpretiert wurde. Denn in Wirklichkeit musste Lili ihren Weg allein gehen. Gerda lebte nach der Scheidung von Lili mit einem neuen Mann im Ausland.

Quelle: teleschau - der mediendienst