Daisy Ridley und John Boyega

Daisy Ridley und John Boyega





Die neuen Nachbarn der Macht

Größere Erwartungen haben wohl selten zuvor auf den Schultern zweier Hollywood-Newcomer gelastet. Denn Daisy Ridley und John Boyega wird keine geringere Aufgabe zuteil, als Millionen hysterisch gespannter "Star Wars"-Fans zu befriedigen. Mit den beiden Hauptrollen im heiß ersehnten neuen Teil der Weltraumsaga "Episode VII - Das Erwachen der Macht" (Start: 17. Dezember) erzielten die beiden nicht nur den Karrierejackpot. Zugleich handelten sich die Jungschauspieler damit neugierige Blicke, skeptische Kommentare und die Aufmerksamkeit einer ganz besonders kritischen Fangemeinde ein. Zeit herauszufinden, wer diese Neuen eigentlich sind, die da mit Lichtschwert, Macht und Co. im "Star Wars"-Universum ihren Einstand feiern.

Das "Star Wars"-Universum, 30 Jahre nach der "Rückkehr der Jedi-Ritter": Eine neue Generation macht sich bereit. In "Das Erwachen der Macht" lernen wir vielversprechende junge Hauptcharaktere kennen. Einen Stormtrooper namens Finn beispielsweise, der von seiner Truppe desertiert ist. "Ich habe nichts, wofür ich kämpfen kann", raunt der ehemalige Soldat im Trailer geheimnisvoll. In der riesigen Einöde des ebenfalls neu eingeführten Planeten Jakku trifft er auf Rey, eine taffe Wüstenbewohnerin, die abgestürzte Raumschiffe plündert und sich als Schrottsammlerin durchschlägt.

Es muss unvorstellbar aufregend gewesen sein, als Regisseur J.J. Abrams der zukünftigen Rey von jener abenteuerlichen Geschichte erzählte; als der Filmemacher, der "Das Erwachen der Macht" wie George Lucas anno 1977 mit eher unbekannten Schauspielern besetzen wollte, der jungen Daisy Ridley eröffnete, er wolle sie in dieser Rolle sehen. Mit gerade einmal 23 Jahren hat die in London geborene Tochter eines Fotografen und einer Managerin einen Job ergattert, für den andere alles geben würden. Und das fünf Jahre nachdem die junge Britin mit dem verschmitzten Lächeln ihren Abschluss an der Schauspielschule in Hertfordshire machte.

Vor "Star Wars" hatte Daisy Riley so wenige Rollen inne, dass man von einem "steilen Aufstieg" überhaupt nicht sprechen kann. Für so einen Fall hat man eher Vokabeln parat, die sonst Castingshow-Kandidaten zugestanden werden: "Blitzkarriere" beispielsweise. Ihre Auftritte in britischen TV-Serien, darunter "Youngers" und "Mr. Selfridge", lassen sich an einer Hand abzählen, ebenso die in einigen Kurzfilmen für Spezialpublikum. Ridleys Rollen in tatsächlichen Spielfilmen vor "Star Wars" gar an einem einzigen Finger: Im britischen Horrorfilm "Scrawl" übernahm sie die Rolle eines mysteriösen Mädchens. That's it, wie der Brite sagt. Ironischerweise wurde ihr Auftritt im etwas bekannteren "The Inbetweeners 2" von 2014 komplett herausgeschnitten.

Mit "Star Wars" erlebte Ridley also ihren "ersten richtigen Dreh", wie sie es selbst beschreibt, ihre "Feuertaufe". Sollte die coole Brünette ihren Part als Rey - auch im wörtlichen Sinne - nicht völlig in den Sand setzen, dürften noch so einige folgen. Mit den zahlreichen Auftritten vor Medien und Fans im Rahmen der "Star Wars"-Promo konnte die humorvolle Quasi-Leia-Nachfolgerin jedenfalls schon viele Sympathien sammeln. So stellte sie in einem Interview mit "Entertainment Weekly" klar: "Jemand fragte, ob ich mit John Boyega deshalb gut klarkomme, weil wir am selben Ort aufgewachsen sind. Sind wir nicht: Er stammt aus Süd-London, ich aus West-London".

Während Ridley also im wohlhabenden Part der britischen Hauptstadt behütete Erziehung genoss, verbrachte ihr gleichaltriger "Star Wars"-Kollege Boyega seine Jugend als Kind nigerianischer Eltern im rauen Süden der Metropole. Von dort zog es den Priester-Sohn, der zunächst in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte, hinaus in die Welt des Schauspiels. Entdeckt wurde er von einem Theaterdirektor bei einem Grundschul-Stück, fortan sah man den jungen John zwischen Schauspielschulen und dem National Theater laufend auf der Bühne.

Und alsbald auf der Leinwand: Mit "Attack the Block" (2011) war sein allererster Film ein Publikumskracher. Für den er sogleich jede Menge Nominierungen erhielt, unter anderem für den "Black Reel Award" und den "British Independent Film Award". Im selben Jahr wurde er von Filmkritikern zu einem der "UK Stars of Tomorrow" gewählt - eine Vorhersehung, die sich erfüllen sollte. 2012 spielte der Migranten-Sohn in der Umsetzung des Erfolgsbuches "Half of a Yellow Sun", zwei Jahre später in "Imperial Dreams". Letzterer Titel wirkt rückblickend wie eine anspielungsreiche Vorhersehung. Schließlich träumt Boyega als Finn in "Episode VII" davon, den Zwängen der imperialen Sturmtruppe zu entfliehen.

"Dream and work towards the reality" - "Träume und arbeite der Realität entgegen" lautet passenderweise dann auch das Motto, unter das Boyega sein Twitter-Profil stellt. Der stilsichere Anzug- und Lederjackenliebhaber hält seine Fans über die sozialen Medien auf dem Laufenden, eine Angewohnheit, die ihm wie allen Schauspielern seiner Generation völlig selbstverständlich ist. Dass ihn rassistische "Star Wars"-"Fans" nach Bekanntwerden seiner Rolle über Facebook und Co. beschimpften, weil sie eine schwarze Hauptfigur nicht ertragen, überrascht Boyega: "Es ist unglaublich, dass die Leute noch immer sagen: 'Oh mein Gott, das ist ein schwarzer Typ!' Wir sind schon sehr lange hier, gewöhnt euch dran", konterte er im "Interview Magazine".

Auch sonst stellt der Newcomer eine charmante Mixtur aus Selbstbewusstsein und ironischem Humor zur Schau: "Die Drehbücher, die ich bekomme, haben epische Ausmaße. Man will, dass ich große Armeen anführe", sagt er süffisant über die Rollenangebote, die er ebenso wie Ridley nach der "Star Wars"-Nominierung anscheinend in Massen erhält. Zu schätzen weiß John Boyega die gigantische Chance, die er bekommt, natürlich ebenfalls: "Hollywood gab mir eine große, warme Umarmung", wie er es ausdrückt.

Eine Umarmung, aus der sich er und seine Kollegin Daisy Ridley so schnell nicht befreien werden. Für Jahre in der Versenkung verschwinden, so wie Mark Hamill und Carrie Fisher, die Newcomer des ersten "Star Wars"-Films von 1977, kann ein Darsteller des Weltraum-Märchens heute dank Franchise-Vermarktung und Social Media jedenfalls kaum mehr. Außer vielleicht, "die Neuen" ernten nach der Premiere von "Das Erwachen der Macht" einen galaktischen Shitstorm von Todesstern-Ausmaßen. Bislang sieht es aber eher danach aus, als fügten sie sich auch dank Mentor J.J. Abrams als Finn und Rey tatsächlich perfekt in das bestehende Universum ein.

Quelle: teleschau - der mediendienst