Jane Got A Gun

Jane Got A Gun





Eine Liebe im Westen

Es ist ein ambitioniertes Projekt, das Oscargewinnerin Natalie Portman mit "Jane Got A Gun" auf den Weg bringen wollte. Ein femininer Western sollte der Film werden, eine Hommage an all die starken Frauen, die sowohl in der Literatur über die Besiedlung des Westens als auch in den Filmen meistens Randnotizen blieben. Lynne Ramsey sollte Regie führen, eine Frau, die mit "We Need To Talk About Kevin" (2011) ein schmerzhaft-dichtes Porträt über eine traumatisierte Frau in einer Krisensituation vorlegte. Nach Querelen mit dem Studio stieg Ramsey jedoch aus, auch die geplanten Darsteller Jude Law, Bradley Cooper und Michael Fassbender sprangen ab. Überhaupt war die Vorbereitung des Films von allerlei Streitigkeiten geprägt. Schließlich hat Gavin O'Connor ("Das Gesetz der Ehre") die Regie übernommen, was immerhin bedeutete, dass "Jane Got A Gun" halbwegs pünktlich fertig wurde.

Ob Natalie Portman, die in der Titelrolle zu sehen ist und den Film mitproduzierte, mit dem Ergebnis zufrieden ist, wollte sie nicht verraten. Sicher ist aber, dass "Jane Got A Gun" die Versprechungen, die er im Vorfeld machte, nicht erfüllt. Der Film ist ein Western mit schönen Bildern und einer anmutigen Hauptdarstellerin. Immerhin. Aber er ist weder kunstvoll, noch interessant, eher geprägt von einer schmerzhaften Belanglosigkeit.

Portman spielt eine Frau, die irgendwo in der Abgeschiedenheit des New Mexico Territory mit ihrem Mann Bill Hammond (Noah Emmerich) und ihrer Tochter das Leben von Pionieren führt. Ein hartes Dasein. In einem kargen Haus, dem der Film in der Eröffnungssequenz eine etwas einfältige Poesie abzugewinnen versucht. Als Janes Gatte eines Tages schwer verletzt nach Hause kommt, bringt er die Vergangenheit mit. Und mit der hat Jane noch eine Rechnung offen.

Sie nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand, will es auf keinen Fall John Bishop (Ewan McGregor) und seinen Banditen überlassen. Hilfe sucht und bekommt Jane nach einigem Widerstand von ihrem Ex-Lover: Dan Frost (Joel Edgerton) ist ein Guter, außerdem anständig und Jane trotz schwieriger Vergangenheit noch immer in Liebe zugetan. Zusammen bereiten sie sich auf einen Showdown vor, bei dem es eigentlich keine Überlebenden geben dürfte.

Dass eine Frau im Mittelpunkt eines Westerns steht, ist durchaus löblich. Nur hat Jane keineswegs die Hosen an, sondern sie ziemlich voll. Anstatt sich zu emanzipieren, legt sie ihr Schicksal doch wieder in die Hände eines Mannes: Dan hat die titelgebenden "Guns", mit denen Jane dann doch nicht umzugehen weiß. Hätte das Drehbuch von Brian Duffield, Anthony Tambakis und Joel Edgerton und Regisseur Gavin O'Connor etwas mehr Wert auf die Beweggründe der Figuren gelegt und sich ernsthaft mit ihren biografischen Brüchen und inneren Verletzungen auseinandergesetzt, dann wäre "Jane Got A Gun" vielleicht ein spannender Film geworden. Aber statt sich ernsthaft mit den Konflikten zu beschäftigen, werden sie in rührseligen Rückblenden banalisiert.

"Jane Got A Gun"ist ein ziemlich konventioneller Film, der nur so tut, als wäre er ein Western. Auch wenn es hart klingt, aber der Film hat zu viele Rosamunde-Pilcher-Momente, inklusive sehr adretter Hauptdarsteller, die so gar nicht in die harte Wirklichkeit eines Vergewaltigungs- und Rachedramas im Jahr 1871 passen. Was vom Film am Ende übrig bleibt, sind schöne Landschaftsbilder, die sich bemühen, den Kontrast zwischen dem Versprechen von unendlicher Freiheit und Weite auf der einen Seite und dem bedrückenden Umgang zwischen den verrohten Menschen auf der anderen Seite zu zeigen.

Was außerdem bleibt, ist das glückliche Ende, das natürlich niemandem verwehrt sein soll, erst recht nicht Natalie Portman. Nur dass es hier so unpassend scheint. Weil "Jane Got A Gun"-Geschichten im Leben eben nicht immer gut ausgehen. Das Kino jedoch, insbesondere der Western, ist immer dann am stärksten, wenn es sich den Realitäten stellt, ohne den Schwanz einzuziehen.

Quelle: teleschau - der mediendienst