Saint Jacques - Pilgern auf Französisch

Saint Jacques - Pilgern auf Französisch





Wir sind dann mal weg

Der Jahrhunderte alte Jakobsweg erlebt seit Jahren geradezu eine Renaissance. Viele hoffen, mit den Schritten in Richtung Grab des Apostels Jakobus auch ein Stück zu sich selbst zu finden. Nicht so bei den Teilnehmern an der Wanderung, die "Saint Jacques ... Pilgern auf Französisch" begleitet. Die Autorenfilmerin Coline Serreau schickt ein bunt gemischtes Ensemble, mit dem sie die heutige Gesellschaft abbilden möchte, auf den Weg, der wie immer das Ziel ist. Da Hape Kerkeling fast zehn Jahre nach seiner Buchvorlage nun auch im Kino "dann mal weg" ist (Start ebenfalls an Heiligabend), läuft die fast gleichzeitig gedrehte und 2007 erstmals im Kino angelaufene französische Komödie erneut in deutschen Lichtspielhäusern an.

Die größten Quertreiber in der Reisegruppe sind die drei Hauptpersonen des Films: zerstrittene Geschwister, die das millionenschwere Erbe ihrer verstorbenen Mutter nur antreten können, wenn sie ein Stück des Jakobswegs zurücklegen. Christliche Nächstenliebe ist nicht unbedingt das Erste, das dem Zuschauer angesichts der Zankereien zwischen der übellaunigen Lehrerin Clara (Muriel Robin), dem Workaholic Pierre (Artus de Penguern) und dem bekennenden Alkoholiker Claude (Jean-Pierre Darroussin), der auf Staatskosten lebt, in den Sinn kommt. Aber das Geld könnten alle drei gut gebrauchen.

Auch die anderen Pilger treiben nicht unbedingt religiöse Motive an, sich mit viel zu schwerem Gepäck auf dem Rücken Blasen zu laufen, eiskalt zu duschen und dünne Suppe zu schlürfen. Nur der naive Analphabet Ramzi (Aymen Saïdi) ist der festen Überzeugung, nach Mekka unterwegs zu sein (auf Französisch: "La Mecque", wie der Untertitel im Original lautet). Er begleitet seinen Cousin (Nicolas Cazalé), der nur mitläuft, um ein Mädchen zu beeindrucken. Viele Kilometer, heiße Diskussionen, Handgreiflichkeiten und auch diverse Traumsequenzen im Film später löst sich - wie sollte es anders sein - so ziemlich alles in Wohlbehagen auf.

"Saint Jacques" gehört zu diesen gelungenen Feel-Good-Movies, aus denen der Kinobesucher mit entrücktem Lächeln heraustaumelt. "Humor macht den Zuschauern bewusst, dass es sich auch um ihr eigenes Leben handelt. Ohne Humor kann man in dieser Welt nicht überleben", sagt Regisseurin Coline Serreau. Es ist in Ordnung, dass die Handlung in "Saint Jacques" wenig Überraschung in sich birgt: Neben den schönen Landschaftsaufnahmen sind es vor allem die überzeugenden Charaktere, ihre feinen Dialoge und Emotionen, um die sich dieser Film dreht und wegen der sich am Ende auch das Publikum ein wenig erleuchtet wähnen möchte.

Quelle: teleschau - der mediendienst