Bruder vor Luder

Bruder vor Luder





Nichts für Erwachsene

Eins vornweg: Wenn sich ein junger Mann in einem Film Viagra und ein Abführmittel besorgt, um sie einem anderen jungen Mann heimlich unterzujubeln, dann weiß man wo das hinführt. Hinterher jammern nützt nichts. Oder, um es in aller Deutlichkeit zu sagen: "Bruder vor Luder" ist ein Film, der nur einen Lebenszweck hat - die Generation YouTube mit genau den Pointen zu versorgen, die sie sich wünscht. Zwei, die genau wissen, was ankommt, sind Heiko und Roman Lochmann: Die Zwillingsbrüder sind als Die Lochis Stars der YouTube-Szene und betreiben einen ungemein erfolgreichen Kanal auf der Google-Plattform. Dass sie das Geld für eine Kinoproduktion bekommen haben, mag man als Verrat an der Filmkunst betrachten. Dahinter steckt aber vor allem cleveres Kalkül: Man muss die Zuschauer dort abholen, wo sie sich in ihrer Freizeit rumtreiben.

Für die Generation Zwölfplus ist das Internet die wichtigste Unterhaltungsplattform, dort himmeln sie ihre Stars an. Die machen millionenfach geklickte YouTube-Clips, in denen sie Kosmetikprodukte vorstellen, Songparodien zum Besten geben, einfach nur auf der Couch abhängen und von ihrem geilen Tag erzählen oder sinnfreie Spaßvideos veröffentlichen. Für die Produktionsfirmen Constantin und Rat Pack ist "Bruder vor Luder" schlicht und einfach Business: Wenn nur zehn Prozent der Leute ins Kino gehen, die den YouTube-Kanal von Die Lochis abonniert haben, sind das knapp 200.000 Besucher. "Kartoffelsalat - Nicht fragen!", halboffiziell zum schlechtesten Film aller Zeiten gekürt, sahen übrigens 370.000 Zuschauer - und Freshtorge hatte weit weniger Abonnenten.

"Bruder vor Luder" ist ein Film für die Generation YouTube und will auch gar nicht mehr sein. Die Zielgruppe bekommt, was sie erwartet. Das sind zunächst einmal die Lochmann-Zwillinge: Heiko und Roman sind gerade einmal süße 16 und spielen sich selbst: Die Lochis sind erfolgreiche YouTube-Stars und planen ihr erstes großes Konzert. In der heißen Phase der Vorbereitung lässt sich Heiko von Jessy (Mila Tscharntke) den Kopf verdrehen, einer unausstehlichen Blondine, die ihre kleine Schwester Bella (Tara Fischer) tyrannisiert. Mit Heiko bandelt sie nur an, um selbst berühmt zu werden.

Das passt Roman natürlich nicht, der die junge Liebe mit allen Mitteln (siehe Viagra, Abführmittel) boykottiert. Nebenbei muss er sich um Bella kümmern, die heimlich in ihn verliebt ist, aber nichts sagen darf, weil sie sonst von Jessy eine gescheuert bekommt. Außerdem sitzt Bella gezwungenermaßen im Rollstuhl und muss eine Behinderte spielen, damit sich Jessy als bescheidene und hilfsbereite Schwester inszenieren kann.

Apropos inszenieren: Die Regie durften die Lochmanns, unterstützt von Tomas Erhart, selbst übernehmen. Dass "Bruder vor Luder" aussieht wie ein Schülerfilm, liegt daran, dass Heiko und Roman Schüler sind. Genau wie der Großteil anderer YouTube-Stars in Neben- und Gastrollen, etwa Dagi Bee, Hichäääm sowie Freshtorge. Große Schauspielkunst sollte man von ihnen genauso wenig erwarten, wie von den erwachsenen Darstellern (Oliver Pocher, Petra Nadolny, Ludger Pistor).

Ja: Erwachsene brauchen eine Menge Stehvermögen und Schmerz-Unempfindlichkeit, um "Bruder vor Luder" bis zum Ende durchzustehen. Kopfschütteln ob des Humorverständnisses mag ein natürlicher Reflex all jener sein, die ihre Volljährigkeit schon erreicht haben. Die zugegeben unglaublich krude Liebeskomödie einfach nur zu verteufeln, wäre aber arrogant. Jede Generation hat sich ihren Humor verdient und sich ihre Stars gemacht. Über Fips Asmussen, Otto Waalkes und Mario Barth können Kids (und viele Erwachsene) heutzutage auch nicht lachen. Und: In "Bruder vor Luder" lernt man immerhin, was eine "Fame Bitch" ist. Vielleicht ein erster Schritt, um die Generation YouTube zu verstehen.

Quelle: teleschau - der mediendienst