David Rott

David Rott





Abends ein Träumer

Vielen Zuschauern ist David Rott als grandioser Udo-Jürgens-Darsteller in "Der Mann mit dem Fagott" (2011) in Erinnerung geblieben. Auf die Rolle des Sängers bereitete sich der Schauspieler, der für seine Präzision bekannt ist, intensiv vor und eignete sich beispielsweise das Klavierspielen an. In seinem aktuellen Film "Große kleine Stimme", den die ARD am Mittwoch, 30. Dezember, 20.15 Uhr, zeigt, mimt der den Kapellmeister der Wiener Sängerknaben. Warum der 38-Jährige Musikerrollen so dankbar findet, worum es in dem Melodram eigentlich geht, und wie der fünffache Vater sein Familienleben in der rheinland-pfälzischen Provinz managt, verrät der gebürtige Leverkusener im Interview.

teleschau: Ein kleiner Waisenjunge reißt in "Große kleine Stimme" alleine aus, um seinen Traum zu verwirklichen, ein Wiener Sängerknabe zu werden. Haben Sie auch schon mal nach den Sternen gegriffen, obwohl andere Leute Ihnen sagten: "Das ist unmöglich!"?

David Rott: Ja, es gab eine vergleichbare Situation, als ich nach der Schule auf das Max-Reinhardt-Seminar in Wien gehen wollte. Da kommen pro Jahr auf zehn Plätze um die 1.000 Bewerber. Die Chancen, genommen zu werden, sind also utopisch. Glücklicherweise hat es direkt geklappt.

teleschau: Wer den Titel "Kleine große Stimme" hört, denkt an einen musikalischen Film. Allerdings geht es auch um brandaktuelle Themen wie Fremdenhass und Integration ...

Rott: Das stimmt. Es geht auch um Musik, aber das Thema Rassismus hat momentan natürlich eine sehr große Brisanz. Die Problematik gibt es immer, aber darüber kann man gar nicht genug Filme machen.

teleschau: Sie haben fünf Kinder: Sprechen Sie mit ihnen über Flüchtlinge, Integration und Rassismus?

Rott: Ja, ich finde es wichtig, dass man sie begleitet. Denn Kinder kriegen mehr mit, als man vielleicht glaubt. Unser Film hilft bestimmt ein bisschen, mehr Verständnis aufzubringen und die Botschaft zu vermitteln: "Es ist keiner fremd, wenn wir das nicht wollen!" Es ist gut, dass "Kleine große Stimme" in der Weihnachtszeit läuft. So kann man sich noch mal ins Gedächtnis rufen, dass die Weihnachtsgeschichte, die Geschichte von Vertriebenen ist. Das ähnelt sehr der momentanen Situation, die die Flüchtlinge leider erleben: In der Kälte in Zelten oder ohne Unterschlupf draußen schlafen zu müssen.

teleschau: Für Ihre Rolle in der Udo-Jürgens-Verfilmung "Der Mann mit dem Fagott" haben Sie sich teilweise Klavierspielen angeeignet. Haben Sie sich für den Part als Kapellmeister ebenso umfassend vorbereiten müssen?

Rott: Einen Dirigenten zu verkörpern, hat mich gereizt. Ich habe mich intensiv darauf vorbereitet und zum Beispiel die adäquaten Handhaltungen gelernt. Einen Musiker zu spielen, ist immer sehr dankbar, weil man über die Rolle hinaus einen neuen Bereich für sich erschließen kann.

teleschau: Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Privatleben?

Rott: Ich kann Geige und Gitarre spielen, aber mache das nur privat. Ich bin kein Schauspieler, der die Welt mit einem Album belästigen wird.

teleschau: Haben Sie eine maximale Zeit, die Sie sich setzen, von Ihrer Familie getrennt zu sein?

Rott: Leider ist es nicht immer möglich, da ich nie in der Nähe meines Wohnortes drehe. Ich habe dieses Jahr sehr viel gearbeitet und war leider wenig zu Hause.

teleschau: Was haben Sie gedreht?

Rott: Ich habe gerade mehrere Monate zusammen mit Valerie Niehaus eine Serie fürs ZDF gedreht: halb Krimi, halb Gerichtsmedizin (Arbeitstitel: "Schnitt für Schnitt", d. Red.). Sie wird ab Februar ausgestrahlt, und wenn die Quoten stimmen, wird es hoffentlich eine zweite Staffel geben.

teleschau: Währenddessen hat Ihre Frau das Familienleben am Laufen gehalten?

Rott: Ja, ich war viel weg, versuche aber immer, das Familienleben nicht zu sehr zu strapazieren. Das Gute ist: Wenn ich nicht drehe, bin ich komplett zu Hause und kann mich kümmern. Meine Frau beendet gerade ihr Medizinstudium, was auch sehr zeitintensiv ist. Deshalb wechseln wir uns so gut es geht ab.

teleschau: Sie wohnen sehr abgelegen im rheinland-pfälzischen Wackernheim. Wie wichtig ist Ihnen der Abstand zum Business?

Rott: Es ist sehr schön, fernab vom Business zu sein, wenn ich nicht arbeite. Aber es ist mir auch wichtig, dort zu wohnen, damit meine Kinder draußen und in Ruhe aufwachsen können.

teleschau: Wie verbringen Sie am liebsten arbeitsfreie Zeiten?

Rott: Wir gehen gerne raus in die Natur. Wir wohnen inmitten von Weinbergen, da gibt es viele schöne Orte. Dort fotografiere ich auch sehr gerne und viel. Bis vor einigen Jahren sind wir immer mit unserem Hippie-Bus herumgefahren. Das habe ich geliebt. Wir waren zum Beispiel auf Korsika, in Südfrankreich oder Tessin. Meine Eltern waren Hippies und haben mir da ein bisschen was vererbt. (lacht) Als unsere Kinder in die Schule kamen und wir nur noch in den Sommerferien reisen konnten, haben wir den Bus schweren Herzens verkauft.

teleschau: Würde Sie so ein Aussteigerleben reizen?

Rott: Leben im Süden und am Strand ist schon toll. Das fände ich wunderbar!

teleschau: Sie können Arbeitspausen also positiv sehen und als Auszeit genießen oder überkommt Sie auch manchmal die Angst, dass die Arbeit ausbleiben könnte?

Rott: Wir Schauspieler haben einfach keine Arbeitssicherheit. Bei mir gab es auch schon längere Pausen. aber momentan läuft es bei mir beruflich so gut, dass ich keine Sorgen haben muss. Es ist das Beste, wenn man die Auszeiten positiv und progressiv sehen kann. Es hängt natürlich auch davon ab, wie man situiert ist und wie weit man sich über seinen Beruf definiert. Wenn man noch andere Pfeiler wie beispielsweise eine Familie hat, die das Leben ausfüllen, dann ist es sicherlich leichter, als wenn man alleine und mit seinem Beruf verheiratet ist.

teleschau: Gäbe es für Sie eine berufliche Alternative?

Rott: Ich bin sehr zufrieden mit meinem Beruf und habe auch keine Sorge, dass die Rollen ausbleiben und ich nichts mehr zu tun habe. Aber bestimmt würde ich eine andere Aufgabe finden. Ich denke, dass der Mensch nicht nur eine Berufung hat. Vielleicht würde ich eine Kneipe aufmachen oder noch mehr fotografieren.

teleschau: Sind Sie eher ein Träumer oder Realist?

Rott: Das kommt ganz auf die Tageszeit an! (lacht)

teleschau: Morgens um 8 Uhr eher ein Realist?

Rott: Genau! Und abends bin ich ein Träumer. Ich träume sehr gerne und viel. Der Realismus hingegen ist eine Art und Weise, das Leben sportlich zu nehmen. Realismus schützt einen davor, von möglichen Problemen übermannt zu werden.

Quelle: teleschau - der mediendienst