Alexander Bommes

Alexander Bommes





"Eine unfassbare Ausnahmesituation"

Alexander Bommes kennt den sportlichen Ruhm: Für Dormagen und Gummersbach war er erfolgreicher Spieler der Handball-Bundesliga. Seit 2007 ist der Hamburger für den NDR als TV-Journalist tätig, tritt also längst auf der anderen Seite des Sportmikrofons auf. Am kommenden Samstag, 28. November, 18 Uhr, moderiert Bommes in der ARD seine erste "Sportschau". Im Gespräch mit dem 39-Jährigen geht es aber nicht nur um dessen steile Fernsehkarriere, sondern auch um die Begebenheiten rund um ein Fußballspiel, das niemand jemals vergessen wird: Frankreich gegen Deutschland, Paris, 13. November 2015, dem Tag der terroristischen Anschläge.

teleschau: Alexander Bommes, am kommenden Samstag ist es soweit: Sie moderieren Ihre erste Samstags-"Sportschau". Auf einer Nervositätsskala von eins bis zehn möchte man Sie allerdings Richtung null verorten.

Alexander Bommes: (lacht) Das sehe ich mal als Kompliment. Und es stimmt schon: Ich freue mich sehr, das wird ein schöner Moment werden, und ich habe ein gewisses Kribbeln im Bauch. Aber von Nervosität spüre ich bisher eher wenig.

teleschau: Waren Sie schon immer frei von Lampenfieber?

Bommes: Nicht am Anfang. Als ich zum ersten Mal für das "NDR Hamburg Journal" vor der Kamera stand, bin ich fast gestorben. Was aber vor allem daran lag, dass ich zwei Monate vor meinem eigentlichen Dienstbeginn starten sollte. Ich war noch Volontär und bin kurzfristig für Judith Rakers eingesprungen. In alle weiteren Aufgaben bin ich aber schnell reingewachsen.

teleschau: Woher kommt Ihre allgemeine Unaufgeregtheit?

Bommes: Ich hatte das große Glück, von einer Legende des Sportfernsehen, nämlich Ernst Huberty, ein Coaching zu bekommen.

teleschau: Wie sah das genau aus?

Bommes: Nachdem ich meine erste Fußballsendung fürs Fernsehen gemacht hatte, hat sich Huberty mit mir hingesetzt und das Ganze ordentlich auseinandergepflückt. Huberty konnte dabei schnell erahnen, wie ich mich während der Sendung gefühlt hatte. Zum Beispiel hat er zu mir gesagt: "Wenn ich Ihnen zusehe, höre ich das Papier knistern - und zwar das hinter Ihrer Stirn." Was er damit meinte: Ich hatte sehr viel von dem, was ich in der Sendung gesagt habe, vorher auswendig gelernt. Das habe ich seitdem anders gemacht.

teleschau: Denkt man heute an Sie als Moderator, denkt man an eine gewisse Coolness. Täuscht der Eindruck, oder fühlen sie sich auch dementsprechend während einer Moderation?

Bommes: Ich habe vor allem Spaß an meinem Job, und ich denke, dass dieser Spaß der Schlüssel zu vielem ist, wenn nicht zu allem. Und ich habe einen Trick: Ich stelle mir immer vor, ich stehe nicht vor einem Publikum, sondern zu Hause vor meinem Vater und erzähle dem alles. Das klappt ganz gut.

teleschau: Hat Ihre eigene Sportkarriere Ihnen vielleicht auch die Anspannung vor Auftritten ausgetrieben?

Bommes: Das kann gut sein! Und wobei mir meine Sportkarriere natürlich auch immer hilft, sind Sendungen mit Gesprächssituationen. Wenn Sportler oder Ex-Sportler unter sich über bestimmte Dinge sprechen, die etwa in einem Wettkampf passiert sind, herrscht immer eine gewisse Intimität zwischen ihnen. Beide wissen, wie sich der andere hier und da gefühlt hat.

teleschau: Gibt es Ihrer Ansicht nach noch Verbesserungsmöglichkeiten in Ihrem Auftreten vor der Kamera?

Bommes: Jeder kann sich immer verbessern. Wer meint, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden. Ein konkretes Beispiel: Letztes Jahr, beim "WM-Club" auf dem Berliner Badeschiff, habe ich mich in einer Sendung mal ein bisschen verloren. Ich wusste nicht mehr genau, wie wir alles aufziehen wollten, ob jetzt locker oder ernst. Da habe ich dann plötzlich irgendwelche Gags gemacht und war gar nicht mehr ich selbst - eine gute Lehre zum richtigen Zeitpunkt.

teleschau: Matthias Opdenhövel hat die Samstags-"Sportschau" mal "den heiligen Gral" genannt. Ist das für Sie auch so etwas wie der Karrierezenit?

Bommes: Es ist zwar ein sehr schöner Begriff für diese Sendung, und es ist auch ein Traum, der da für mich in Erfüllung geht. Aber in dem Moment, in dem ich denke würde, höher geht es nicht, hätte ich verloren. Ich habe auch in den vergangenen Jahren trotz all der schönen Dinge, die passiert sind, nie die Korken knallen lassen. Und was die kommende 18-Uhr-"Sportschau" betrifft: Mir ist es sehr recht, wenn vor allem super Spiele mit mindestens 28 Toren davon in Erinnerung bleiben und nicht meine Moderation, die ja sowieso in den Hintergrund treten wird. Denn sind wir mal ehrlich: Man könnte zwischen den Partien auch Einspieler zeigen wie "und jetzt: Werder gegen den HSV" - und trotzdem würde niemand meckern. Eine Moderation ist immer schön und gut, aber die Leute wollen ja vor allem die Spiele sehen und nicht mich. Ich bin nicht die Hauptperson.

teleschau: Gibt es bei Ihnen die Angst, dass Ihnen irgendwann mal etwas passieren könnte wie den Kollegen Opdenhövel und Mehmet Scholl in Paris, und Sie am Mikrofon stehen müssen?

Bommes: Ganz ehrlich: Ich weiß noch nicht genau, wie ich mit dieser neu aufgetretenen Bedrohung umgehen werde. Was Paris angeht, da habe ich immer wieder gehofft, dass Matthias und Mehmet nach dem nächsten Einspieler noch im Bild sein werden.

teleschau: Opdenhövel hatte den Zuschauern zwischenzeitlich versprochen, dass Fußball während der Sendung nicht mehr Thema sein würde. Dann aber brauchten die Sendungsmacher Zeit, um Infos zu den Anschlägen zu sammeln, und es wurden doch noch Spiele gezeigt.

Bommes: Es war eben eine unfassbare Ausnahmesituation, und es wurde entschieden, nicht das Grauen durch die Handykamera zu beobachten, stattdessen sich zu ordnen und zu warten, bis die wirklich richtigen, wichtigen Informationen da waren. Hoffentlich, hoffentlich wird so etwas nie wieder passieren.

Quelle: teleschau - der mediendienst