Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft

Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft





Klein mit großer Klappe

Ein Perspektivwechsel gehört zu den heilsamen und wichtigen Erfahrungen. Auch deshalb werden im Kino besonders gern Menschen in Winzlinge verwandelt. Als solche dürfen sie dann nachts im Museum Abenteuer erleben oder durch den Körper reisen. In der deutschen Komödie "Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft" lernt eine unausstehliche Schuldirektorin in einer witzigen und abenteuerlichen Geschichte etwas für ihr Leben als Pädagogin dazu. Der Ort Schule, an dem die Hierarchien klar verteilt sind und die "Großen" immer das Sagen haben, erweist sich ideal für einen amüsanten Kinderfilm mit leichten Gruselelementen.

Entgegen seines Nachnamens ist Felix Vorndran (Oskar Keymer) einer, der abgehängt wurde. Der Elfjährige ist bereits von mehreren Schulen geflogen und bekommt jetzt in einer etwas anderen Erziehungsanstalt seine letzte Chance. Die Otto-Leonhard-Schule wirkt schon von außen furchteinflößend, denn sie residiert in einem unheimlichen alten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert.

Mit seinem chaotischen Vater Peter (Axel Stein) kommt er schon am ersten Schultag zu spät zur Direktorin Dr. Schmitt-Gössenwein (Anja Kling). Diese gibt ihm eisig zu verstehen, dass sie nicht glaube, dass er die dreimonatige Probezeit überstehen werde. Auch im Unterricht erweist sich "Schmitti" als Mathematiklehrerin äußerst unangenehm und fies zu ihm.

Als neuer Schüler muss sich Felix beweisen, um "dazuzugehören", riskiert damit aber wieder einen Rausschmiss. Er lässt sich auf eine riskante nächtliche Aktion im Schulgebäude ein. Dabei geht alles schief, denn "Schmitti" ist auch noch da und frönt ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Korrigieren von Klassenarbeiten. Felix wird erwischt und der Ärger ist groß - oder dann doch nicht mehr ganz so groß, denn die wild Schimpfende misst plötzlich nur noch 15 Zentimeter.

Felix weiß selbst nicht genau, was passiert ist, muss sich aber um das jetzt eher konfuse kleine Wesen kümmern, das sich in seinem Rucksack versteckt. Der nächste Tag bringt neue Überraschungen, denn Felix erfährt, dass der Schulrat (Justus von Dohnányi) die Lehranstalt schließen will, um eine Eliteschule zu gründen. Das würde das Ende für Felix und "Schmitti" bedeuten, die jetzt zusammenhalten müssen. Unerwartete Hilfe bekommen sie vom Geist des Schulgründers Otto Leonhard (wunderbarer Auftritt von Otto Waalkes), der aber seine ganz eigene Vorstellung davon hat, wie es mit der Schule weitergehen soll.

Das Schrumpfen der Lehrerin sorgt für jede Menge Gags: Alltägliches wie der Toilettengang, Essen und Kleiderkauf werden zum Problem. Trotzdem rutscht der Film nicht allzu sehr in Slapstick ab, sondern behält die Emotionen im Blick. Aus der Verschiebung der Kräfte - eine vorher allmächtige Lehrerin benötigt jetzt die Hilfe eines Schülers und die beiden lernen sich so auf einer neuen Ebene kennen - entsteht eine interessante Geschichte.

Auch wenn "Schmitti" jetzt ganz klein ist, verändert sich ihr Charakter nicht. Doch sie bekommt die Chance, sich mit ihren Frustrationen und der negativen Einstellung zu Kindern auseinanderzusetzen. Lehrerin-Darstellerin Anja Kling erweist sich als echter Glückgriff. Sie hat die verschiedenen Facetten schauspielerisch gut im Griff, kann nerven, aber auch Sympathie wecken, wenn "Schmitti" von ihrer Leidenschaft für die Wissenschaft erzählt.

Um die Lehrerin wieder groß zu bekommen und die "Otto-Leonhard" zu retten, muss Felix mehr über den Schulgründer und seine Ideen herausfinden. Das führt ihn, aber auch seinen größten Widersacher aus der Klasse, in den Keller des Schulgebäudes. Mit diesen verschiedenen Erzählsträngen, die zwischen witzig, emotional, spannend und gruselig variieren, hält der Film seine jungen Zuschauer bis zum Ende sehr unterhaltsam bei der Stange. Ein kleiner Wermutstropfen der in den Hauptrollen gut besetzten Komödie sind die Kinderdarsteller in den Nebenrollen, die nicht alle überzeugen können. Die Zielgruppe wird das nicht allzu sehr stören. In Erinnerung bleibt eher die geschrumpfte Lehrerin als lebendiger Spickzettel für die Mathearbeit im Federmäppchen.

Quelle: teleschau - der mediendienst