Star Wars: Das Erwachen der Macht

Star Wars: Das Erwachen der Macht





Star Wars: Die nächste Generation

Der Respekt ist diesem Film anzumerken. Der Respekt vor der Geschichte, vor dem Mythos und nicht zuletzt vor den Millionen Fans weltweit, die sich irgendwann in "Star Wars" verliebt haben. J.J. Abrams ist ein kluger Mann. Auf die Frage, ob "Star Wars: Das Erwachen der Macht" denn die Hoffnungen der Fans erfüllen werde, erklärte der 49-jährige Regisseur: "Nein. Wie kann etwas solchen Erwartungen gerecht werden?" Wohl wissend, dass das genau sein Ziel war. Er wollte einen Film drehen, der tief in der Tradition der Reihe verwurzelt ist. Der sie logisch fortschreibt und der das ältere wie das jüngere Publikum gleichermaßen zu begeistern versteht. Das ist ihm gelungen. Und schon das ist angesichts der Über-Macht dieses Imperiums eine geradezu sensationelle Leistung.

2012 hatte George Lucas, der kreative Kopf hinter dem Star-Wars-Imperium, seine Rechte für vier Milliarden Dollar an Disney verkauft. Und fortan ging die Angst um: Was würde die gigantischste Medienschmiede der Erde aus "Star Wars" machen? Wer Teil VII gesehen hat, wird zufrieden feststellen: Disney war brav, Disney war respektvoll, ja fast unterwürfig. Disney startet keine bedeutungslosen Podrennen mit Kindern und platziert keine lächerlichen Riesen-Hasen, um Achtjährige zu bespaßen. "Star Wars: Das Erwachen der Macht" ist - nicht nur, was seine Geschichte betrifft, sondern auch seinen Stil - eine Reminiszenz an die alten Episoden IV bis VI, die die Saat für den Mythos legten.

Viel mehr noch, und das ließe sich dem neuen Film durchaus vorwerfen: Die Autoren J. J. Abrams, Michael Arndt und Altmeister Lawrence Kasdan bedienen sich derart umfangreich an ihren Vorgängern, dass streckenweise der Eindruck entsteht, es hier mit einer Art teurem Remake zu tun zu haben. Viele klassische Elemente tauchen wieder auf, sogar die Grundstruktur der Story ist ähnlich, manchmal sogar gleich. Thema: Da ist ein Todesstern - und der muss weg. Aber: Es wird auch mit Teil VII so sein wie mit manchem der alten Filme. Seine Bedeutung, seine Größe und letzten Endes sogar seine Qualität wird sich erst völlig offenbaren, wenn alle drei neuen Teile im Kino gelaufen sind und sich zu einem großen Ganzen gefügt haben.

Eine gute halbe Stunde, erfreulich wenig bei 136 Minuten Spielzeit, wird investiert, um die wichtigsten neuen Charaktere vorzustellen. Der Film spielt rund 30 Jahre nach dem sechsten Teil, "Die Rückkehr der Jedi-Ritter". Eine Nachfolgeorganisation des Imperiums, die sich "First Order" nennt, arbeitet an einer Terrorherrschaft. Und wieder sollen es drei Helden sein, die den Kampf gegen das Böse aufnehmen.

Zum einen ist da Rey (Daisy Ridley), die sich auf dem Wüstenplaneten Jakku als Schrottsammlerin verdingt. Sie trifft auf Finn (John Boyega), einen ehemaligen Sturmtruppler, der zur guten Seite der Macht übergelaufen ist. Und schließlich geht es um den gefangenen Piloten Poe Dameron (Oscar Isaac), der befreit wird. Er spielt in Teil VII eine wesentlich kleinere Rolle als zunächst angenommen, hat jedoch mit Witz und Draufgängertum im Han-Solo-Stil das Zeug, zu einem echten Sympathieträger der Zukunft zu werden.

Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Luke Skywalker, der spurlos verschwunden ist. Dabei müssen sie sich dem neuen Schurken Kylo Ren (Adam Driver) stellen, der das gleiche Ziel verfolgt. Bald schon wird offenbart, um wen es sich hierbei tatsächlich handelt, was seiner Figur per se eine besondere Bedeutung verleiht. Driver indes tut sich spürbar schwer, diesem Charakter, der natürlich das Pendant zu Darth Vader ist, eine gewisse Größe, eine außergewöhnliche Bedrohlichkeit zu verleihen. Was auch daran liegen mag, dass ihn das Drehbuch früh dazu zwingt, den Helm abzunehmen.

Kylo Ren ist ein Mensch, sicher mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet, aber eben ein Mensch aus Fleisch und Blut. Vader wurde erst in seinen letzten Minuten dazu und erhielt so drei Filme lang die Gelegenheit, zum bedeutsamsten Schurken der Filmgeschichte zu werden. Hinter Kylo Ren jedoch verbirgt sich, so scheint es jedenfalls bisher, vor allem ein cholerisches Kind, das seine Emotionen nicht im Griff hat. Er dient dem so genannten Supreme Leader Snoke, einer gefühlt 50 Meter großen Hologramm-Figur, die eher an Voldemort denn an Palpatine erinnert.

Charmant vorangetrieben wird die Story jedoch von einem alten Bekannten: Han Solo ist zurück, spürbar gealtert, was sich gerade dann zeigt, wenn er es zu Fuß eilig hat. Aber Harrison Ford stellt diesen Charakter mit einer eindrucksvollen Leichtigkeit ein weiteres Mal hin. Er steht bald schon an der Seite der neuen Aufständler, steuert seinen Falken traumhaft sicher durch opulenten Bilder und überzeugt auch dann, als er ins Zentrum der Geschichte gerät.

Deutlich weniger Raum erhält Carrie Fisher als Leia. Charmant stellt Han Solo fest, dass sie nach Jahrzehnten die Frisur gewechselt hat. Aber auch sonst erinnert hier wenig an die junge Prinzessin von einst. Deren Pendant ist nun die blutjunge Daisy Ridley als Rey, die fraglos eine positive Überraschung des Films ist: Die bis dahin unbekannte und auch unerfahrene Schauspielerin verleiht dieser Schlüsselfigur der neuen Trilogie vor allem in der zweiten Hälfte des Films eine grandiose Tiefe.

Viele Fragen wurden immer wieder gestellt: Wer ist wer? Wie sind die neuen Personen mit den alten familiär verbunden? Und wo ist eigentlich Luke Skywalker? "Star Wars: Das Erwachen der Macht" beantwortet erstaunlich viele dieser Fragen. Manches kommt überraschend, manches nicht. Aber auch wenn "Star Wars" am Ende sicher das bleiben wird, was es immer im Kern war - eine große Familiensaga -, erfüllt der Film auch darüber hinaus die hoch gesteckten Erwartungen: Er legt ein ungeheures Tempo vor. Die Actionszenen reihen sich atemlos vor einer schlicht brillanten Soundkulisse aneinander. Die Portion und auch auch die Qualität des Humors stimmt. "Das Erwachen der Macht" besitzt den Charme der Episoden IV bis VI und fügt sich wie selbstverständlich in diese Parallelwelt ein.

"Star Wars VII" ist demnach ganz und gar keine Enttäuschung, sondern bedient genau das, was sich die Mehrheit von diesem Film erwartete. Das hier ist ohne Frage echtes "Star Wars", vielleicht nicht mit der epochalen Größe, die aus der Vergangenheit in der Erinnerung blieb. Gerade Schlüsselszenen wirken vergleichsweise unspektakulär inszeniert. Dennoch schafft der Film eine vielversprechende Grundlage für die beiden Fortsetzungen, die für 2017 und 2019 vorgesehen sind. "Manche werden den neuen Film mögen, manche werden ihn hassen", ließ sich Kasdan zu Teil VII zitieren. Letztere dürften in der Minderheit sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst