Anuk Steffen und Qurin Agrippi

Anuk Steffen und Qurin Agrippi





Die Rollen ihres Lebens

Die bezaubernde kleine Heidi ist zurück! Und mit ihr der grummelige Geißenpeter. Original Schweizer Kinder sind sie, die beiden Hauptdarsteller Anuk Steffen und Quirin Agrippi. Beide kommen aus Graubünden und sprechen Hochdeutsch, wobei sie, wenn sie sich kabbeln, wieder in ihren Dialekt fallen. Man wählte die beiden Schüler aus über 500 Kindern aus, die für die Rollen gecastet wurden. Besonders die zehnjährige Anuk, deren Haare nun wieder weniger strubbelig und einige Nuancen heller sind, sprudelt über vor Energie. Und Quirin, der im echten Leben eine Brille trägt, muss sie hin und wieder einbremsen. Ruhig auf dem Stuhl sitzen? Fehlanzeige. Es ist nicht nur deshalb eine erfrischende Begegnung mit den bedeutendsten, Fleisch gewordenen Figuren der Schweizer Literaturgeschichte.

Wenn am 10. Dezember in Deutschland ihr Film startet, die x-te, gleichwohl sehr gelungene Verfilmung von Johanna Spyris weltberühmten Kinderbuch-Klassiker, dann wird sich Anuks und Quirins Welt verändern. Andererseits hat sie sich das auch jetzt schon, zumindest im Kleinen: "Es kommt vor, dass mich die Leute jetzt immer Geißenpeter nennen und ein Autogramm wollen", sagt Quirin. Und Anuk wird jetzt in der Schule gern mal Heidi genannt. "Das nervt so doll. Ich bin die Anuk und nicht die Heidi." Auch wenn Heidi und Peter ja eigentlich "ganz coole" Figuren sind und ein abenteuerliches Leben führen.

Dass sie nun dank "Heidi" so groß rauskommen und wahrscheinlich richtig berühmt werden, ist schon eine unglaubliche Geschichte. Damit hatte keiner der beiden gerechnet, vor allem nicht der inzwischen 14-jährige Quirin: "Ich machte eigentlich nur zum Spaß mit. Ich war ja eigentlich zu alt für die Rolle, bin aber für mein Alter eher klein. Und alle sagten: 'Mach' das doch, du passt perfekt auf die Beschreibung'. Als ich erfuhr, dass ich die Rolle kriege, bin ich erst einmal ums Haus gerannt, um mich abzuregen." Und Anuk Steffen boxte ins Kissen vor Freude: "Anfangs war's mir gar nicht so wichtig, die Rolle zu bekommen. Aber dann wollte ich unbedingt gewinnen!"

Für die beiden Kids ist es ihre erste Filmrolle, Kameraerfahrung hatte keiner von beiden. Aber das war bekanntlich kein Hindernis. Denn zum Schluss, als beim Heidi-Casting nur noch Anuk und ein zweites Mädchen im Rennen waren, da gelang es dieser kleinen Momo aus Graubünden sofort, den großen Bruno Ganz einzulullen. Und der gerät bei Anuk ins Schwärmen, auch weil sie "Emotionen egal welcher Art immer wieder und wieder abrufen" kann. Die Sympathie ist dabei eine gegenseitige: "Bruno Ganz war nur in seiner Rolle böse, sonst war er so nett. Es hat viel Spaß gemacht, mit ihm zu drehen. Ich hätte mir keinen anderen vorstellen können als Almöhi", betont Anuk.

Die Zusammenarbeit zwischen Anuk und Quirin verlief zunächst weniger glatt, wie beide zugeben: "Am Anfang verstanden wir uns nicht so gut und zankten viel. Wir waren beide eher selbstbewusste Menschen und wollten in eine verschiedene Richtung gehen", erklärt Quirin, während ihn Anuk einmal mehr in die Seite kneift. Keine Frage, die Chemie stimmt inzwischen. Eine weitere Herausforderung für Quirin war die Arbeit mit den Geißen, also mit den Ziegen. Mit solchen Tieren hatte der Engadiner Lehrersohn keinerlei Erfahrung. Aber vor dem Dreh hatten sie zwei, drei "Geißen-Meetings": "Wir sind mit ihnen auf die Alm, durften die füttern und melken."

Die Dreharbeiten zwischen Graubünden und Ostdeutschland machten beiden viel Spaß. Und den Text lernten die Newcomer geradezu spielend: "Ich habe mir das einfach zwei-, dreimal angeschaut. Dann weiß ich, wie ich es sagen soll: traurig, fröhlich oder glücklich. Man muss sich einfach überlegen, welche Situation passt da rein. Ganz einfach", sagt Anuk - offenbar ein Naturtalent.

Auch wenn ihr erster Film eine tolle Erfahrung war, hat Quirin zumindest schon eine Entscheidung getroffen: "Die Schauspielerei ist nichts für mich. Es ist ja nicht sicher, dass man eine guten Job kriegt. Das sind so wenige, die da wirklich reinkommen in diese Riesen-Filmbranche. Da gehe ich lieber auf die sichere Tour und werde Ingenieur oder Architekt." Und Anuk? Die liebäugelt gerade mit dem Journalismus: "Ich würde gern Radiomoderatorin werden!" Es sei denn, sie kriege wieder ein gutes Angebot, dann mache sie vielleicht wieder einen Film. Die nicht ernst gemeinte Frage, ob sie jetzt reich ist oder sich von der Gage was Schönes gekauft hat, mag Anuk, ganz Medienprofi, nicht beantworten. Dann kichert sie wieder und die braunen, aufgeweckten Augen strahlen. Ab 10. Dezember auch auf der Leinwand.

Quelle: teleschau - der mediendienst