Knock Knock

Knock Knock





Besuch der süßen Monster

Über die Hügel mit dem Hollywood-Schild fliegt die Kamera in die Täler dahinter, folgt der Küstenlinie, wendet sich wieder ins Inland und gleitet durch ein Haus der oberen Mittelklasse, eine kostspielige, stilvoll eingerichtete Familienidylle. Spätestens wenn der Name des Horror-Regisseurs Eli Roth ("Hostel") im Vorspann auftaucht, liegt die Vermutung nahe, dass da ein luftiger böser Geist sich ein neues Heim sucht. Wenigstens ein ganz klein bisschen schlummert er auch in dem Opfer, das er sich auspickt. Darin liegt so ziemlich der einzige subtile Zug des eher schmuddeligen als erotischen Thrillers "Knock Knock", in dem zwei fiese Nymphen Keanu Reeves als Familienvater allein zu Haus verführen und foltern.

Die Blonde heißt Bel (Ana Celia de Armas), die Dunkelhaarige Genesis (Lorenza Izzo). Regendurchnässt und knapp bekleidet stehen die beiden attraktiven Damen von ungefähr zwanzig am Vatertag-Abend vor der Tür des Architekten Evan Webber (Keanu Reeves). Der Taxifahrer hätte sie an der falschen Adresse abgeliefert, behaupten sie. Ob er ihnen helfen könnte, die richtige herauszufinden? Evans Frau und Kinder verbringen dieses Wochenende in einem Haus am Strand. Evan wollte eigentlich einen Auftrag zu Ende bearbeiten. Er zögert, Bel und Genesis hereinzulassen.

Natürlich geben sie sich nicht mit der Adresssuche zufrieden. Sie legen die nassen Sachen ab, räkeln sich in geliehenen Bademänteln auf dem Sofa und machen Evan schöne Augen. Sie geben vor, die spanische Musik zu mögen, die auf seinem Plattenspieler läuft. Er erzählt, er sei einmal DJ gewesen, großes "Ohhho" und Mädchengiggeln. Als das von Evan gerufene Taxi vorfährt, verlässt niemand das Haus.

Denn Bel und Genesis machen sich gerade an Evans bestem Stück zu schaffen, und er lässt es geschehen. Nicht widerstehen zu können, bringt Evan nicht nur mit den beiden ins Bett, sondern auch gefesselt auf einen Folterstuhl, auf dem er Fragen nach perversen sexuellen Praktiken beantworten muss. Liegt er falsch, wird ihm ein trommelfellzerreißender Sound über die Kopfhörer in die Ohren geblasen.

Die Musik, das Quiz, Evans frühere Tätigkeit als DJ - in den besseren Momenten von "Knock Knock" wirken die süßen Monster Bel und Genesis wie Sendbotinnen aus Evans Vergangenheit. Die könnte einmal etwas wilder gewesen sein als sein jetziges bürgerliches Leben, ist er doch gerade dabei, sich ein Haschischpfeifchen anzuzünden, als der überraschende Besuch anklopft. Aber die Verwüstung des Hauses, Evans Vergewaltigung bei einem Inzest-Rollenspiel vor laufender Handykamera und die Graffiti-Schändung der Kunstwerke seiner Frau sind danach nur noch Exzesse um der Exzesse willen, eine Selbstfeier der Zerstörungskraft.

Den Darstellerinnen selbst scheint die hysterische Destruktivität peinlich zu sein, die sie gegenüber einem unmarkant passiven Keanu Reeves zur Schau tragen. Echte Wildheit erstreben sie eher als dass sie sie erreichen. Die Eskalation lässt auch deshalb abstumpfen, weil sie immer nach dem gleichen Muster verläuft: Erschrecken über den neuen Tabubruch, kurze Stille, dann in Lachen ausbrechen - und fröhlich weiterdemolieren. Heuchlerische Wohlanständigkeit und die Bereitschaft zum Seitensprung scheinbar braver Familienväter zu entlarven, reicht dafür als Sinn nicht aus. "Knock Knock" beharrt darauf, ein derber, blutiger, vulgärer Scherz ohne Motive zu sein. Dass er allen Erwartungen zum Trotz kein konventionelles Ende nimmt, rettet die Qualität ein wenig.

Quelle: teleschau - der mediendienst