Bülent Ceylan

Bülent Ceylan





"Ich lasse mir von Terroristen meine Gags nicht kaputt machen"

Bülent Ceylan kennen viele als pfälzische Frohnatur. Der 39-jährige Mannheimer steht in der deutschsprachigen Comedy-Szene für ungenierten Witz und Rock'n'Roll - nicht nur wegen seiner wilden schwarzen Mähne. Kurz vor der Ausstrahlung von "Bülents große Überraschungsshow" am Freitag, 18.12., 20.15 Uhr, bei RTL, in der der Komiker zusammen mit prominenten Gästen für reichlich Lacher sorgen wird, schlägt er ein paar ernste Töne an: Im Interview spricht Ceylan über die Folgen der Anschläge von Paris für sich persönlich und seine Arbeit.

teleschau: Bülent Ceylan, denken Sie, in der momentanen Situation brauchen wir mehr denn je Auftritte von Komikern wie Ihnen?

Bülent Ceylan: Genau so ist es. Als die Anschläge in Paris passierten, habe ich in Berlin gespielt und bin mit den Worten vor die Leute getreten: "Wir dürfen uns das Lachen nicht verbieten lassen!" Niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn er sich seitdem amüsiert. Alles andere wäre eine Genugtuung für die Terroristen - und das darf auf keinen Fall passieren. Terroristen wollen Angst verbreiten, und das haben sie zuletzt auch geschafft. Wir müssen es nun schaffen, diese Angst zu kontrollieren. Wir müssen unser Selbstbewusstsein wiederfinden, und dabei kann ein Komiker natürlich auf gewisse Weise helfen.

teleschau: Sehen Sie da eine Art Auftrag, den Sie zu erfüllen haben - so nach dem Motto: Ich halte Euch bei Laune?

Ceylan: Absolut. Wir Komiker haben den Auftrag, den Leuten dabei zu helfen, ihr Leben weiterzuleben, zu feiern und Spaß zu haben. Wir müssen sagen:"Jetzt erst recht! Ich persönlich bin zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und kann alleine nicht die Welt retten. Aber die Leute, die zu mir kommen, kann ich unterhalten.

teleschau: Wie haben Sie das seit Paris gemacht?

Ceylan: Neulich bin ich in Offenburg aufgetreten und habe dem Publikum gesagt: "Sollten genau in diesem Moment Terroristen die Halle stürmen, müssen wir sie auslachen! Dann verrecken wir zumindest im Lachen." Das klingt krass und makaber, aber es ist meine Message, und die Leute haben applaudiert. Es ist wichtig, dass Unterhaltung in Theatern, Konzerthallen und im Fernsehen weiter geht. Sonst haben wir verloren.

teleschau: Geht es jetzt auch um Ablenkung?

Ceylan: Ja, schon. Ich meine: Ich habe in meiner Kindheit auch schlimme Dinge erlebt, und meine Eltern und meine Geschwister haben mir damit geholfen, in dem sie mich irgendwie ablenkten, und zwar mit schönen Dingen. Sicher, der Terrorismus heute bedeutet: Es kann jeden treffen! Aber wir müssen trotzdem leben, wie wir leben wollen.

teleschau: Werden Sie während kommender Auftritte auch Witze über Terroristen machen?

Ceylan: Ich lasse mir von den Terroristen meine Gags nicht kaputt machen. Auch nicht die über Ali, einen Betreuer von mir, den ich fest im Programm habe. Ali ist Libanese, und ich sage immer: "Wenn hier keine Stimmung ist, dann macht Ali gleich Bombenstimmung!" Ich merke zwar, dass die Leute bei Witzen mit "Bombe" nun etwas zusammenzucken, aber sie lachen. Sie lachen sich frei.

teleschau: Haben Sie manche Gags seit Paris auch aus dem Repertoire gestrichen?

Ceylan: Ich versuche schon, genug Feingefühl aufzubringen, und muss deshalb auch darüber nachdenken, ob ich in bestimmten Zeiten einige Sachen wirklich sagen will. Es gibt zum Beispiel einen Programmpunkt, in dem Ali mir eine Hose zuwerfen muss. Macht er aber nicht, und ich sage: "Ihr Libanesen! Bomben könnt ihr werfen, aber keine Hosen." Das habe ich nach Paris eine Zeitlang nicht gebracht. Mittlerweile habe ich ihn aber wieder eingebaut. Ich will nicht mehr auf jedes Wort aufpassen, und ich hoffe, das tun andere auch nicht.

teleschau: Haben Sie überhaupt schon mal einen Gag bereut?

Ceylan: Nein! Ich bin gegen Nazis und Fanatiker allgemein. Wer das nicht versteht, ist bei mir falsch.

telechau: Nun sind Sie mit einer vor allem lieb gemeinten Show in der Primetime bei RTL zu sehen: "Bülents große Überraschungsshow". Woran haben Sie sich dabei orientiert?

Ceylan: Ich habe früher immer Rudi Carrell geschaut und ihn sehr bewundert - aber ich werde jetzt nicht rauskommen und mit holländischem Akzent "Lass dich überraschen!" singen. Ich wollte es anders machen, einfach neu. Und ich wollte auf alles, was es in diesem Bereich bisher im Fernsehen gab, noch einen draufsetzen. Mein Glück: Ich habe prominente Gäste wie Xavier Naidoo und Guido Maria Kretschmer in der Show, die mir beim Überraschen helfen. Meine Mama ist auch dabei und wird von mir überrascht.

teleschau: Werden Sie denn selbst gerne überrascht?

Ceylan: Auf jeden Fall! Es war auch meine Idee, solch eine Show zu machen. Dieses Format passt einfach zu mir und ist in meinen Augen auch die beste Show, die ich bisher gemacht habe.

teleschau: Wann wurden Sie denn zuletzt überrascht?

Ceylan: Ach, ich werde ständig überrascht, auch weil es gar nicht so schwer ist, mich zu überraschen.

teleschau: Was braucht es dazu?

Ceylan: Es reicht eigentlich schon eine kleine Blume. Oder ein Nutellabrot! Neulich, vor einer Pressekonferenz, lagen in der Garderobe schon fertig geschmierte Nutellabrote. Fand ich total super, damit hatte ich nicht gerechnet (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst