Peter Haber

Peter Haber





Der blinde Macher und das Mädel

Um die 30-mal hat er in der schwedischen Krimi-Serie "Kommissar Beck" Mörder überführt und Opfer gesühnt. Kaum ein Lächeln gönnte er sich dabei, nur manchmal war es hinter der steinernen Miene und den wachen runden Augen zu ahnen. Diesmal, im ARD-Film "Sturköpfe" (Freitag, 04.12., 20.15 Uhr), ist Peter Haber, der berühmte Kommissar aus dem Schwedenkrimi, selbst das Opfer. Der 62-Jährige spielt den plötzlich erblindeten Inhaber eines Stahlwerks, der sich einem mühsamen Lernprozess unterziehen muss. Die junge Reha-Trainerin Sissi (Alwara Höfels) soll ihm helfen, sich in der Dunkelheit zurechtzufinden, aber Theo Olsson geht das alles nicht schnell genug. Alles ist machbar, auch in kurzer Zeit, denkt sich der in Deutschland erfolgreiche Stahlwerkschef aus Schweden. Bis er endlich, ganz zuletzt, die eigene Blindheit zu akzeptieren beginnt.

Wenn der Schauspieler Peter Haber seine Sicht der Rolle im Film erklärt, macht er lange Pausen, dann zwingt er sein Gegenüber geradezu, den eigenen Denkprozess und die Schwierigkeiten mit der Rolle mit dem gegebenen Ernst nachzuvollziehen. Als würde er die ruhigen, von der inneren Spannung lebenden Momente des Films noch einmal erleben, spricht der in Stockholm lebende Sohn eines Deutschen und einer Schwedin dann in einem leicht gebrochenen, manchmal etwas drolligen Deutsch, das auch im Film zu Momenten von leiser Komik führt.

Es sei ja im neuen Leben eines plötzlich Erblindeten die Aufgabe des Trainers, jene Hilfe anzubieten, die vom Erblindeten auch selbst gewollt werden müsse. Befehle oder gar Handgreiflichkeiten seien daher tabu. So käme es, dass die Rolle der Reha-Trainerin im Film viel wichtiger als die eigene sei, erklärt Haber. Er selbst habe sich daher im Vorfeld viele Gedanken darüber gemacht, ob er denn das alles mit der ihm noch unbekannten Partnerin schaffe. Angst habe er davor gehabt, "die Katze im Sack" zu kaufen.

Das Ergebnis zeigt aber: Es hat ganz gut geklappt mit seiner Filmpartnerin Alwara Höfels. Mit innerer Stärke federt die Trainerin, die sich als Anfängerin erst noch beweisen muss, alle Bösartigkeiten des vom Schicksal so schwer Getroffenen ab, auch dass er immer so despektierlich einfach "Mädel" zu ihr sagt und obendrein noch Kritik an ihrem grässlich süßlichen Vornamen "Sissi" übt.

Bei den Dreharbeiten hat aber auch Pia Strietmann, die Regisseurin, geholfen: "Jetzt siehst du!", habe die Regisseurin immer warnend zu ihm gesagt, wenn er die zu spielende Blindheit wieder mal vergessen hatte, wenn die Augen irgendwo hängen blieben. "Alle Menschen suchen ja Blickkontakt, besonders wir Schauspieler: Ich lese dein Gesicht, und daraus folgt meine Reaktion. Das musste man hier vergessen. Dass das geklappt hat, bestätigte eine echte Reha-Trainerin bei den Dreharbeiten. Sie sagte: Ich glaube dir das!"

Hatte er Zweifel, als er das Drehbuch las? "Immer" habe er Zweifel, "immer", sagt Haber bestimmt. Begeistert habe ihn jedoch am Buch, "dass hier zwei so verschiedene Menschen einander etwas geben können: Sie verändert ihn, aber Theo verändert auch Sissi. Sie ist ja sozusagen auch blind, weil sie ihre eigenen Probleme, vor allem die Abhängigkeit von ihrer unselbstständigen Mutter, nicht sieht. Theo versteht sie, aber er kann seine eigene Blindheit lange nicht akzeptieren."

Man hört es schon heraus: "Sturköpfe" ist jenseits aller einfachen Läuterungsklischees vom Wahrheitsgehalt geprägt. Am Ende ist es nur ein erster Schritt, den Theo in die neue Zukunft geht. Kein Happyend im üblichen Sinne.

Haber will aber zwischen den "Beck"-Krimis nach Sjöwall / Wahlöö und Dramen wie diesem nicht unbedingt trennen. Als Schwede will er deutsche Krimis nicht beurteilen. Doch er betont, man habe versucht, bei "Kommissar Beck" vor allem realistisch zu sein. "Jede Szene ist wichtig. Jede Szene muss man ganz, ganz ernst nehmen."

Neben "Kommissar Beck" hat Haber in anderen Filmen gespielt, aber auch viel Theater gemacht. Shakespeare und Pinter ("Niemandsland") standen zuletzt auf dem Spielplan am Stockholmer Stadttheater ("nicht das Nationaltheater Dramaten!"). Den Pinter hat seine Frau, gleichfalls Schauspielerin, inszeniert. Er fühlt sich wohl unter ihrer Regie: "Wir verstehen es sehr gut, das Private vom Beruflichen zu trennen", sagt der Künstler, der den Blues-Rock liebt, aber auch klassische Musik. Die Lexikon-Meldung, er sei ausgebildeter Tenor, wird im Interview mit einem Lächeln ausgeräumt.

Stattdessen kehrt Peter Haber noch ein gut gehütetes Geheimnis hervor. "Ich liebe Fußball", sagt der 62-Jährige. "Das ist Kunst, das ist wie Theater auf einer Bühne, und man weiß nie, wie es ausgehen wird." An der schwedischen Nationalmannschaft lässt er aber nichts Gutes. "Gegen Dänemark!", rümpft er die Nase, spricht man ihn auf die kürzliche Euro-Qualifikation der Schweden an. Und er fügt streng hinzu: "Ich weiß nicht, was die da wollen." Noch einmal spricht da der so plötzlich erblindete hartgesottene Stahlwerker des Films aus ihm.

Quelle: teleschau - der mediendienst