By the Sea

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Das Glück der Anderen

Angelina Jolie und Brad Pitt, die verheirateten Megastars des Hollywoodkinos, spielen nach zehn Jahren wieder ein Paar. Zur Erinnerung: In der komischen, politisch inkorrekten Beziehungskomödie "Mr. und Mrs. Smith" knisterte es 2005 zwischen beiden gehörig. Das Traumpaar entwickelte vor der Kamera damals eine Chemie, die sich im echten Leben bekanntlich fortsetzte. In Angelina Jolies neuem Herzensprojekt steht ein Paar im Mittelpunkt, das in einem ästhetischen Setting im Frankreich der 70er-Jahre über einen epischen Leidensweg wieder zueinanderfinden will.

Sie sind ein schönes, aber seltsam trauriges Duo: Der amerikanische Schriftsteller Roland (Pitt) und seine Frau Vanessa (Jolie), eine ehemalige Tänzerin. Um auf andere Gedanken zu kommen, verbringen sie den Sommer des Jahres 1973 an der französischen Küste. Aber die malerische Kulisse kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Ehe in einer tiefen Krise steckt.

Anstatt miteinander den Sommer zu genießen, gehen sie sich konsequent aus dem Weg. Roland, eine Art Hemingway-Kopie, versucht zu schreiben, beziehungsweise seine anhaltende Schreibblockade im Bistro des Ortes mit Whiskey zu ertränken. Währenddessen gibt sich Vanessa im Hotel dekorativ ihrer Depression hin. Es sind triste Tage im gleißenden Sonnenlicht, die einer deprimierenden Monotonie folgen. Erst die Begegnung mit einem Paar (Mélanie Laurent und Melvil Poupaud) in den Flitterwochen, das im Nebenzimmer einzieht und das sie durch ein Loch in der Wand beobachten, bringt Vanessa und Roland wieder einander näher.

Angelina Jolie hat einen Hang zum Drama, die von ihr inszenierten Geschichten sind nicht gerade leicht zu verdauen. Es sind große menschliche Tragödien, die sie immer plakativ und mit pathetischer Redundanz in Szene setzt. An der Ästhetik ihrer Inszenierung ist gleichwohl nichts zu bemängeln, im Gegenteil. Der österreichische Kameramann Christian Berger ("Das weiße Band", 2009) findet flirrende, verführerische Bilder, deren Schönheit im höhnenden Kontrast zur tristen Geschichte steht, mit der wir uns konfrontiert sehen.

Angelina Jolie ist - das haben ihre letzten Filme wie das Kriegsgefangenendrama "Unbroken" (2014) gezeigt - eine sehr gewissenhafte Regisseurin. Eine, die sich konzentriert ihren Figuren und deren Charakterisierung widmet, dabei aber das allzu Offensichtliche überstrapaziert. Insofern schleppt sich der handlungsarme Plot schwerfällig dahin, wobei sich die Traumata der Figuren erst am Ende des Films offenbaren. Angelina Jolie gibt die tragische, gleichwohl immer perfekt zurechtgemachte Leidensfrau mit einem überschaubaren mimischen Spektrum. Brad Pitt offenbart da mehr Facetten und spielt seine Frau letztlich an die Wand.

So ist "By the Sea" ein neuer ambitionierter Versuch von Angelina Jolie, sich mit ernsthaften Dramen einen Platz im internationalen Kunstkino zu erarbeiten. Aber all der Ehrgeiz ist aus den erwähnten Gründen zum Scheitern verurteilt. Was bleibt, ist keine tiefgreifende Erkenntnis und keine überraschende Wendung. Sondern nur die Erleichterung darüber, dass dieser Film jetzt endlich, endlich zu Ende ist.

Quelle: teleschau - der mediendienst