Hansi Hinterseer

Hansi Hinterseer





Kuschelfernsehen auf 1.600 Metern Höhe

Großes TV-Comeback für Hansi Hinterseer: Der 61-jährige Entertainer bekommt bei ServusTV eine neue Sendung. Unter dem Titel "Hansi Hinterseer - Einfach Weihnachten" will der Kitzbüheler ab 4. Dezember, immer freitags, 21.15 Uhr, dreimal in Folge auf die "stade Zeit" einstimmen. Das Besondere: Der blonde Schlagersänger und Ex-Skistar versucht sich dabei erstmals auch als Talk-Gastgeber, denn die auf der Wirtshochalm auf 1.600 Metern Höhe aufgezeichnete Sendung besteht zu einem guten Teil aus Gesprächen "mit prominenten Wegbegleitern aus Sport und Showgeschäft", wie es vom Sender angekündigt wird. Hansi Hinterseer selbst freut sich im Interview auf eine "kleine, feine Sendung", spricht über sein ganz persönliches Weihnachtsgefühl und macht sich Gedanken über die Bedeutung von Werten und Glauben in diesen schwierigen Zeiten.

teleschau: Hansi Hinterseer hat eine neue Sendung - überall wurde Anfang November über diese Nachricht berichtet. Hat Sie das enorme öffentliche Interesse überrascht?

Hansi Hinterseer: Ja, schon ein bisschen. Denn es ist keine große Show, wie sie bei ARD, ZDF oder ORF statfand, sondern eine kleine, feine Unterhaltungssendung bei ServusTV. Für mich ist die Resonanz einfach ein Riesenkompliment, nachdem meine ARD-Sendereihe vor drei Jahren von ARD und ORF eingestellt wurde. Ich weiß, viele Menschen haben gemocht, was ich mache, und sie mögen es anscheinend immer noch.

teleschau: Hadern Sie noch?

Hinterseer: Überhaupt nicht. Ich war mit meinen Shows fast zwei Jahrzehnte in ARD, ZDF und ORF zur besten Sendezeit sehr erfolgreich im Programm, hatte über 60 Sendungen - dafür bin ich sehr dankbar, das war ein Geschenk. Man gab mir eine Chance, und ich habe was daraus gemacht. Dass das Format dann eingestellt wurde, ist natürlich schade. Aber das Leben geht weiter. Jetzt habe ich eine auf mich zugeschnittene Sendung, mit der ich den Leuten hoffentlich viel Freude aufs Weihnachtsfest ins Haus bringen kann.

teleschau: Was halten Sie von der neuen "Stadlshow"?

Hinterseer: Ich war zur Zeit der Ausstrahlung im Ausland, hab' also nichts gesehen, daher halte ich mich mit Kritik zurück. Aber ich hätte mir die Sendung wohl sowieso nicht angeschaut. Ich muss sagen, dass ich nur schwer nachvollziehen kann, dass man sich bei der Programmgestaltung von unserem Publikum entfernt. Ich finde, das ist nicht der richtige Weg. Der "Musikantenstadl" mit Andy Borg hat so vielen Menschen eine Freude gemacht. Die Zahlen waren ja nicht schlecht. Es ist jedenfalls schade um jede Musikshow, die aus dem Programm genommen wird ...

teleschau: Werden wir Sie eigentlich noch einmal als Schauspieler erleben? - Seit "Ruf der Pferde" von 2012 gab es keinen Fernsehfilm mehr mit Ihnen in der ARD.

Hinterseer: Fragen Sie mich etwas Leichteres! Das gleiche Thema: Es liegt beim Sender, bei den Produzenten und bei den Redakteuren. Für mich ist das Kapitel noch nicht abgeschlossen. Meine Fans sprechen mich auch immer wieder darauf an. Ich würde das sehr gerne wieder machen, ich hatte immer eine Riesengaudi beim Drehen.

teleschau: Wie kam es jetzt zur Zusammenarbeit mit Servus TV?

Hinterseer: Das hat sich beim letzten Hahnenkammrennen im Jänner ergeben: Da gab es auf Servus TV eine begleitende Sendung mit Gesprächen und etwas Unterhaltung, bei der ich als Gast dabei sein durfte, um über meine persönliche Beziehung zur legendären Streif zu reden. Das Publikum war wohl recht angetan von dem Beitrag, jedenfalls kam der Sender gleich danach auf mich zu und bot mir eine eigene Sendung an. Jetzt darf ich eben mein TV-Comeback auf 1.600 Metern Höhe geben!

teleschau: "Hansi Hinterseer - Einfach Weihnachten" ist ein kuscheliges Format: Die drei Folgen werden auf einer Berghütte in den Kitzbüheler Alpen aufgezeichnet ...

Hinterseer: Ja, "kuschelig", das gefällt mir. Das Konzept kommt mir total entgegen: Heimat, die Berge, Weihnachten, gute Gespräche am Kamin, eine stimmungsvolle Stubenmusik - einfach eine gemütliche Sache, dabei fühle ich mich wohl. Aber, wie gesagt, es ist keine Riesenshow, aber meine kleine, feine Sendung auf einer wunderschönen Almhütte.

teleschau: Worüber reden Sie mit Ihren prominenten Gästen?

Hinterseer: Da werde ich vorher kein großes Konzept machen. Ich bin ja kein Talkmeister. Das heißt: Ich verstell' mich net, sondern ich bin einfach der Hansi, und das wird auch immer so bleiben. Ich bin mit den Leuten ja seit vielen Jahren bekannt, das sind alles Freunde. Gleich in die erste Sendung kommen die Monika Gruber und der Klammer Franz - ich schätze, da werde ich nimmer viel sagen müssen (lacht). Also, wir plaudern über gemeinsame Erinnerungen, über dies und das, und natürlich über Weihnachten. Es soll halt recht stimmungsvoll und besinnlich werden und gut in unsere Zeit passen.

teleschau: Alles etwas kleiner, intensiver, regionaler ... - Das klingt doch nach einem tragfähigen Zukunftskonzept für Unterhaltungsformate!

Hinterseer: Ja, vielleicht ist das ein Weg, der eingeschlagen werden könnte. Aber am Markt passiert gerade so viel, alle probieren etwas aus und präsentieren neue Shows - und alle fragen sich, was am Ende beim Publikum ankommt. Keiner kennt den Weg. Ich auch nicht. Aber damit sollen sich andere beschäftigen, das geht mich wenig an. Tatsache ist, dass ich sehr glücklich bin, dass ich nun diese Sendung machen darf.

teleschau: Was bedeutet Weihnachten für Sie?

Hinterseer: Es ist in erster Linie ein bestimmtes Gefühl, das ich mit der Bergweihnacht verbinde. Ich bin sehr bescheiden aufgewachsen auf der Seidlalm, die Geschichte ist ja bekannt. Damals war Weihnachten vor allem eines: eine stille Zeit, die stade Zeit, wie wir sagen. Es gab nicht viel, aber es herrschte bei uns daheim immer eine ganz eigene Stimmung, an die ich mich jedes Jahr an Weihnachten noch sehr gerne zurückerinnere. So habe ich es auch versucht, meinen Kindern zu vermitteln: dass es die einfachen Dinge sind, die zählen.

teleschau: Wie sieht Weihnachten bei den Hinterseers aus?

Hinterseer: Wir sind alle zu Hause, essen zusammen, machen Spiele, schauen vielleicht ein bisschen fern, hören der Musik zu. Es geht darum, runterzukommen, die Schnelllebigkeit, das ganze Tam-Tam, hinter sich zu lassen. Daran zu denken, was eigentlich wirklich zählt im Leben. Wir sind nicht mehr als ein Sandkorn im Universum - da braucht man sich nicht zu wichtig zu nehmen. Irgendwann zeigt einem das Leben, die Gesundheit, doch sowieso, dass es Grenzen gibt. Dann macht es Patsch - und dir hilft das ganze Geld und Wissen, das du angehäuft hast, nichts mehr! Weihnachten ist, finde ich, kein schlechter Zeitpunkt, um sich so etwas wieder ein bisschen mehr bewusst zu machen. Das Ganze hat für uns Christen ja auch einen religiösen Hintergrund. Das darf nicht vor lauter Kommerz in Vergessenheit geraten.

teleschau: Was also ist letztlich wichtig im Leben?

Hinterseer: Dass man sich seiner Werte bewusst ist und versucht, diese zu leben: anständig sein, ehrlich sein, nicht auf Kosten anderer leben, Respekt voreinander haben, sich einfach gut benehmen. Es sind nur ganz einfache Sachen - aber für manche Leute sind sie anscheinend schon zu kompliziert. Es wird ja immer schlimmer auf der Welt, scheint's.

teleschau: Werden die Anschläge von Paris das Gefühl, das Sie mit der Vorweihnachtszeit verbinden, verändern? Wird es ein traurigeres Fest?

Hinterseer: Nein, das hoffe ich nicht. Vielleicht denken die Menschen diesmal noch ein bisschen intensiver über ihre Werte nach und erinnern sich daran, worauf es im Leben ankommt. Aber dankbar und demütig sein, das sollte man nicht nur an den drei Tagen an Weihnachten, sondern jeden Tag. Es ist traurig, dass das bei Vielen verloren gegangen ist. Am schlimmsten finde ich, dass der Mensch nicht in der Lage zu sein scheint, aus seiner Vergangenheit zu lernen. Wir alle vergessen zu schnell. Weil wir uns wie selbstverständlich in Sicherheit wiegen und im Alltag verfangen. Der Terror von Paris ist ein Ereignis, das uns vor Augen führt, wie schnell es gehen kann, dass sich das Blatt auf einmal wendet.

Quelle: teleschau - der mediendienst