Alle Jahre wieder - Weihnachten mit den Coopers

Alle Jahre wieder - Weihnachten mit den Coopers





Klebrige Weihnachten

In Jessie Nelsons starbesetzter Komödie "Alle Jahre wieder - Weihnachten mit den Coopers" steht fast jedes Familienmitglied vor einem Trümmerhaufen: Die Kinder sind längst aus dem Haus, doch Sam (John Goodman) und Charlotte Cooper (Diane Keaton) stecken in der Beziehungskrise. Ihre Tochter findet keinen Typen, ihr Sohn ist pleite, geschieden und arbeitslos. Keiner weiß von den Pechsträhnen der anderen. Während der Feiertage jedoch lassen sie sich auch durch all die kleinen und großen Notlügen nicht mehr verbergen.

Ein heimlicher Blick hinter die Weihnachtskulissen: Irgendein Santa Claus torkelt erschöpft nach Hause und kratzt sich am Hintern. Zwischen Christbäumen rennen Kinder, die nicht glücklich in die Kamera grinsen, sondern ungelenk auf die Nase fallen. Ein kreischendes Baby sitzt auf dem Schoß eines hilflosen Weihnachtsmanns und vermasselt einen Fototermin. Und über Fließbänder rollen tonnenweise Süßigkeiten, die von Speckröllchen und Überfluss der amerikanischen Wohlstandsgesellschaft künden. Weihnachten ist Kommerz, Stress und zu allem Übel ein Familienfest. Keiner braucht es, und dennoch muss es gefeiert werden. Auch bei den Coopers.

Von nah und fern reisen die Mitglieder der Vier-Generationen-Familie an, um die Feiertage unter dem Dach von Sam und Charlotte hinter sich zu bringen. Das Vorzeigehepaar hat den Entschluss gefasst, sich scheiden zu lassen, es allerdings bis nach den Feiertagen zu verschweigen. Das letzte gemeinsame Familienfest soll schließlich unvergesslich werden.

Mit ihren Problemen sind Sam und Charlotte nicht allein. Auf dem Weg zum Fest schlägt sich jeder Cooper mit eigenen Sorgen und fremden Erwartungen herum: Tochter Eleanor (Olivia Wilde) ist hoffnungsloser Dauersingle. Sie lernt vor ihrem Abflug einen Army-Typen (Jake Lacy) kennen, den sie überredet, während der Weihnachtstage ihren Freund zu spielen. Sohn Hank (Ed Helms) ist geschieden. Er hat seinen Job verloren und Geldsorgen, wovon nur sein Großvater (Alan Arkin) weiß. Emma (Marisa Tomei) leidet schon immer unter ihrer tadellosen Schwester Charlotte. Der gönnt sie nur ein geklautes Weihnachtsgeschenk. Sie wird beim Stehlen erwischt und in einem Polizeiwagen festgehalten. Das Fest beginnt - wie immer ohne sie.

In "Alle Jahre wieder - Weihnachten mit den Coopers" bröckeln die Kulissen - die perfekte Ausgangslage für eine böse Satire. Doch Regisseurin Jessie Nelson will den Mythos Weihnachten gar nicht zerstören. Sie hebt nur zur Zerstörung an, um in diesem Bedrohungsszenario Familienharmonie und Weihnachtssehnsucht erst recht aufleben zu lassen. Plötzlich sitzen die Coopers vereint unterm Baum und trällern Weihnachtslieder. Das wird auch dadurch nicht weniger triefend, dass die Schwiegertochter schief und die demente Tante etwas völlig anderes singt oder manchmal kurze Wortgefechte ausgetragen werden.

Dabei hätte das Hollywood-Star-Ensemble die Qualitäten für eine schonungslos ehrliche Innenschau ins amerikanische Mittelstandsidyll. John Goodman und Diane Keaton sind mächtig in Spiellaune und geben ein skurriles Ehepaar aus dauerverspannter Hausfrau und sanftmütigem Kuschelbär, der gerne stichelt und die Dinge beim Namen nennt. Irgendwann werden sein angenehmer Zynismus und ihr neurotischer Anspruch, in allen familiären Angelegenheiten perfekt reagieren zu müssen, vom Zuckerguss der Story ertränkt.

Durchscheinend ist das Kalkül, dass im weihnachtlichen Familienkino für jeden eine Identifikationsfigur dabei sein muss. Das Personenpanorama aus allen Coopers samt amourösem Anhang ist so groß, dass die Geschichte schließlich stecken bleibt: Kaum sind alle samt ihrer brodelnden Konflikte an der Weihnachtstafel vereint, kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall. Schlagartig sind die privaten Krisen egal. Nur der Zusammenhalt der Familie zählt. Noch immer wartet man auf die Brüche, mit denen der Film begann. Vergebens.

Quelle: teleschau - der mediendienst