Im Rausch der Sterne

Im Rausch der Sterne





Die Auster knacken

Erst wenn die letzte Auster geknackt ist, so hat es sich Adam Jones (Bradley Cooper) geschworen, kehrt er aus seinem Exil zurück. Jones war einmal der Star unter den Sterneköchen - wild, exzessiv, kreativ. Eine Art Rock'n'Roller am Herd. Das ist vorbei, er hat es selbst verbockt. Jetzt tut er Buße in einer Muschelkantine in New Orleans. Aber, man weiß es nach ein paar Sekunden: Das wird schon wieder. Jeder hat eine zweite Chance verdient - und so wird auch dieser Widerspenstige gezähmt. Der Neuanfang soll in London gelingen - mit einer schönen Sous-Chefin (Sienna Miller) und einem von Daniel Brühl gespielten Maître d'hôtel: "Im Rausch der Sterne", dieser eine Küchenvergleich sei gestattet, ist ein ziemlich fades Süppchen von Film mit zu vielen Zutaten und zu wenig Würze.

Die Auster - es ist ein schönes Bild, das Regisseur John Wells an den Anfang seines Films stellt. So verschlossen wie die Schalentiere ist auch Adam Jones. Darüber täuscht auch seine joviale Arroganz nicht hinweg. Jones ist kein Menschenfreund, zumindest kein Mann, der sich durch besonders ausgeprägte soziale Kompetenzen auszeichnet.

Zehn Jahre hatte Jones die Gastroszene in Paris gerockt und dabei eine Menge Geschirr zerdeppert. Bis die Einsicht kam und somit die Austern-Buße. Eine Million Muscheln später ist Adam Jones auf dem Weg nach England. London ist das neue Paris, und wie es das Drehbuch von Steven Knight so will, kann Adam dort seine alte Truppe zusammentrommeln und um ein paar Neuzugänge verstärken. Sein Ziel: endlich den verflixten dritten Michelin-Stern bekommen.

Man muss es leider sagen: "Im Rausch der Sterne" ist ein Film ohne Ziel, der sich dem Lifestyle hingibt. Essen ist heutzutage mehr als Sonntagsbraten und McDonalds. Raffiniert kochen zu können ist eine Art Statussymbol, und Sterneköche werden verehrt wie früher nur Fußballer oder Rockstars. In diesem Sinne bedient Regisseur John Wells einen Nerv der Zeit, mit schönen Bildern von appetitlich angerichteter Haute Cuisine und einem pseudo-dokumentarischen Blick in das Schlachtfeld Sterneküche.

Was dem Film aber fehlt sind Sinn und Sinnlichkeit, trotz Emma Thompson in einer Nebenrolle. Es fehlen auch Dramatik und Witz, Tempo und Charakter. "Im Rausch der Sterne" verliert sich immer mehr in einem überbevölkerten Nirgendwo. Eine alte Flamme und eine neue Liebe, Gangster aus der Vergangenheit, ein missgünstiger Konkurrent, eine patente Therapeutin, und Daniel Brühl als hingebungsvoller Verehrer: Normalerweise hätte einer wie Adam Jones eine Menge Probleme am Hals und würde von allen Seiten Feuer kriegen. Zumal es mit seiner Katharsis nicht weit her ist.

Aber meistens wird ihm einfach verziehen. Von Helene (Sienna Miller) etwa, die sich wider besseres Wissen von Adam Jones anstellen lässt - als Sous-Chefin und Love Interest. Sie kümmert sie sich zwar meistens um nichts anderes als den Kabeljau. Trotzdem weiß man bei ihrem ersten Auftritt, dass sie schlussendlich auch Adam Jones entgräten wird. Oder um im Bild zu bleiben: Sie wird die Auster knacken. Dabei kann sie sich zumindest nicht verbrennen, anders als die Filmemacher. Passenderweise heißt der Film im Original "Burnt".

Quelle: teleschau - der mediendienst