4 Könige

4 Könige





Weihnachten in der Jugendklapse

"Was kommt euch als Erstes in den Sinn, wenn ihr über Weihnachten nachdenkt?", fragt Psychiater Dr. Wolff (Clemens Schick) bei einem winterlichen Spaziergang in die Runde. "Druck", heißt die wohl ehrlichste Antwort der sonst so stillen Alex (Paula Beer). Druck, den sie in ihrem zerrütteten Elternhaus spürt, von einer labilen, selbstzerstörerischen Mutter, die sie als seelischen Mülleimer missbraucht. Druck von einem Vater, der jede Geduld und jedes Einfühlungsvermögen vermissen lässt. Für sich selbst findet sie im Leben keinen Platz, zu gedrängt geht es dort zu und zu groß ist ihre Verantwortung für andere. Also springt das junge Mädchen kurz vor Weihnachten aus dem fahrenden Auto ihres Vaters, der sie gerade der Mutter entriss. Sie landet in einer Jugendpsychiatrie und trifft dort auf die anderen drei der "4 Könige".

"Schon wieder eine Zwanghafte", wird die verbeulte Alex dort von Lara (Jella Haase) begrüßt. Für einige Zeit scheint sie für den Betrachter die interessanteste der vier Jugendlichen zu sein, die über Weihnachten in der Einrichtung bleiben werden. Das mag an Haases nun schon gewohnt einnehmenden Spiel liegen. Sie zeichnet eine aufsässige, in ihren Tiefen aber äußerst zerbrechliche Jugendliche, die Aufmerksamkeit sucht, sich aber lieber eingraben würde. Mit Drogen rebellierte sie gegen ihre snobistischen Eltern, eine daraus resultierende Psychose brachte sie in die Klinik.

Mit ihrem aufbrausenden Gemüt kann der Dritte im Viererbunde, Fedja (Moritz Leu), wenig anfangen. Schwerst misshandelt von seinen Klassenkameraden schnauft und wimmert er sich gebückt und ohne jedes Körpergefühl durch die Gänge der Anstalt. Vor allem die Ankunft seines neuen Zimmerkollegens Timo (Jannis Niewöhner) bringt das Angstfass zum Überlaufen. Den zeichnet nämlich eine überbordende Aggressivität aus, mit Gewaltausbrüchen muss jederzeit gerechnet werden. Sein Vater, der später im Film zu Besuch ist, erweist sich als Weichei, der sich von seiner Frau tyrannisieren lässt.

Was der Zuschauer nun zu sehen bekommt, sind keine ellenlangen Gruppentherapiegespräche, in der die vier sich öffnen, ihr Leid beschreiben. Ohnehin will keiner von ihnen über sich reden. Man erwischt die vier in einem frühen Stadium der Therapie, in der Dr. Wolff vor allem Vertrauen gewinnen will. Dafür lässt er sie ein ums andere Mal gewähren, nimmt in Kauf, dass sich Fedja aus Furcht vor Timo selbst etwas antut, erlaubt der Gruppe, ohne Aufsicht ins anrainende Waldstück loszuziehen und schaut sogar weg, als sie sich vorher Alkohol aus einem Geschenkkorb klauen. Seine Kollegen um Schwester Simone (Anneke Kim Sarnau) hat er dabei keineswegs hinter sich.

Doch Wolffs lange Leine erlaubt auch das, was Romantiker wohl gerne als kleines Weihnachtswunder bezeichnen würden: Die vier finden zueinander. Ohne peinliche Teenie-Tuerei schenken sich die "4 Könige" nach einem sanften Herantasten Selbstlosigkeiten, die sie aus ihrem vorherigen Leben nicht kennen: Akzeptanz, Respekt und Zuneigung. Was sie allerdings nicht vor weiteren Problemen schützt.

Doch Regie-Debütantin Theresa von Eltz und Autorin Esther Bernstorff sind nicht angetreten, um zum Fest der Liebe ein Happy End aufzutischen. Sie zeigen lediglich einen Ausschnitt, deuten lieber an als theatralisch aufzubauschen. Und auch wenn aufkommende Hoffnungen der vier vortrefflich verkörperten Jugendlichen und ihres einfühlsamen Doktors jäh enttäuscht werden, ist ihr Weihnachtsfest doch ein befreiendes und nicht alltägliches gewesen.

Quelle: teleschau - der mediendienst