Marlene Morreis

Marlene Morreis





"Ich bin einfach ein Bauerntrampel"

In Kürze wird Marlene Morreis 39 Jahre alt. Sie als Newcomerin zu bezeichnen, wird Schauspielerin, die 2002 ihr Filmdebüt gab, sicher nicht gerecht. Dennoch scheint es so, als hätten die Öffentlich-Rechtlichen die gebürtige Oberösterreicherin gerade frisch für sich entdeckt. Zuletzt war sie als Polizistin im Krimi "Schwarzach 23" und als Sextherapeutin in der frivolen ZDFneo-Sitcom "Komm schon!" (am Montag, 30. November, 0.05 Uhr im ZDF-Hauptprogamm) zu sehen. Am Freitag, 11. Dezember, 20.15 Uhr, spielt sie in der ARD-Komödie "Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel" eine intrigante, aber bauernschlaue Dorfbewohnerin. "Es sind Marlene-Morreis-Wochen im Fernsehen", freut sich die Schauspielerin.

Im neuen ARD-Film spielt Morreis eine intrigante Dorfbewohnerin namens Wiebke. Nach dem plötzlichen Tod ihres Ex-Mannes versucht die schwangere Wiebke, die Scheidung zurückzuziehen, um sich ihren Pflichtteil des Erbes zu sichern. Objekt der Begierde ist ein Bauernhof im malerisch verschneiten Oberbayern, der allerdings noch von ihrem kauzigen Ex-Schwiegervater (Michael Gwisdek) bewohnt wird.

Frauen und ihre Schwiegereltern - ein heikles Thema. "Die Ticks der eigenen Eltern ist man von klein auf gewöhnt. Und die Schwiegereltern, die ja auch ihre Eigenheiten haben, kommen erst später dazu. Das ist ein Annäherungsprozess - wie in einer neuen Beziehung", erklärt die junge Frau, und ihre pink geschminkten Lippen formen ein breites Lächeln. Wie wohl das Verhältnis zu ihren eigenen potenziellen Schwiegereltern ist? "Ich bin ein Schwiegereltern-Traum", lacht sie, und der lockere Dutt auf ihrem Kopf wippt auf und ab. "Ne, okay. Das vielleicht nicht. Aber die Eltern von meinem Freund finden es gut, dass ich kochen kann und dass der Sohn etwas zu essen bekommt. Das ist schon mal die halbe Miete."

Ihre Figur Wiebke ist dagegen eher ein Schwiegereltern-Albtraum und versucht, den "Schwiegerpapsi", wie sie ihn im Film nennt, vom Hof zu ekeln. Von Intrigen dieser Art ist Morreis bisher verschont geblieben: "Das überlasse ich 'Denver Clan' und 'Dallas'!" Aber als Jugendliche hat sie allerdings am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, gemobbt zu werden: "Irgendwen erwischt es eben. Und ich war in meiner Klasse die Jüngste und die Kleinste." Außerdem zog sie mit 14 Jahren über die Grenze nach Passau, ging aber weiterhin in Österreich zur Schule: "Ich gehörte nirgendwo mehr dazu. In meiner alten Heimat war ich der 'Piefke', in der neuen der 'Schurl'." Deshalb legte Morreis schnell ihren österreichischen Akzent ab und verlieh ihrer Stimme eine warme, bayerische Färbung. Trotzdem musste sie später an der Universität München für ihr Skandinavistik-Studium ausreichende Deutschkenntnisse nachweisen.

Über ihre österreichischen Wurzeln sagt die Mitt-Dreißigerin heute: "Ich bin auf dem Land aufgewachsen, das erdet. Ich bin einfach ein Bauerntrampel - im positiven Sinn!" Vielleicht zog es sie auch deshalb für ihr Schauspielstudium besonders weit weg, nach New York: "Eine geile Stadt! Aber dauerhaft hätte ich dort nicht bleiben wollen. Man hat keine Chance runterzukommen. Zu hohe Häuser, zu viele Menschen, zu laut." Trotzdem hätte die deutsche Fernsehlandschaft Marlene Morreis um ein Haar an Hollywood verloren. Eine Episodenhauptrolle für den Krimi-Klassiker "Law & Order" hatte sie schon in der Tasche, hätte sogar einige Szenen mit Sharon Stone drehen dürfen. Und dann das: NBC erkannte ihr Künstlervisum nicht an und gab ihr die Rolle nicht. "Sechs Jahre hatte ich auf so eine Chance hingearbeitet. Da bin ich schon erst mal in ein kleines Loch gefallen."

Trotz des herben Rückschlags lässt sich Morreis nicht beirren, kehrt nach Deutschland zurück und kurbelt ihre TV-Karriere an. Zuletzt war sie in der viel beachteten ZDF-Miniserie "Komm schon!" als Paartherapeutin zu sehen. Die vorgestellten Schicksale der Klienten, wie das der Asperger-Patientin, die zu ihrem Freund statt "Ich liebe dich" den schönen Satz "Du störst mich weniger als andere Menschen" sagt, haben die Schauspielerin tief berührt: "Ich hatte schon während der Leseprobe Tränen in den Augen!"

Persönliche Erfahrungen als Kummerkasten hat Morreis an einem eher ungewöhnlichen Ort gesammelt: vor der Tür des Münchner Atomic Cafés. Denn obwohl die zierliche Frau in Jeans und Bubikragen-Bluse eher wie ein hipper Gast des ehemaligen In-Schuppens aussieht, hat sie dort eine Zeit lang als Türsteherin gejobbt. Doch statt um Schlägereien musste sie sich in erster Linie um die Herzschmerz-Probleme des jungen Publikums kümmern: "Da haben sich Jungs bei mir ausgeweint und gesagt: 'Die, mit der ich letzten Freitag geknutscht habe, knutscht heute mit 'nem anderen!'"

Einfühlungsvermögen, Bodenständigkeit und jede Menge Erfahrung im Haifischbecken des Showbusiness zeichnen die Schauspielerin aus. Da wäre es nicht verwunderlich, wenn die "Marlene-Morreis-Wochen" im Fernsehen in eine Verlängerung gehen würden.

Quelle: teleschau - der mediendienst