The Gift

The Gift





Idylle mit Abgrund

Die Idylle am Anfang gehört zur guten Tradition von Stalker-Filmen. Also ziehen Robyn (Rebecca Hall) und Simon Callen (Jason Bateman) in ein schickes neues Haus, treffen außergewöhnlich nette Nachbarn und freuen sich auf eine anstehende Beförderung. Das Leben könnte nicht schöner sein unter der gleißenden Sonne Kaliforniens. Aber, auch das gehört zur guten Tradition von Stalker-Filmen wie "Die Hand an der Wiege", "Fatale Begierde" oder "Kap der Angst": Wo Licht ist, ist auch Schatten. Und davon bringt ein alter Bekannter Simons eine ganze Menge mit, nebst kleinen Aufmerksamkeiten, mit denen er sich im Leben der Callens einnistet: "The Gift" - das Geschenk - hat Joel Edgerton sein Langfilm-Regiedebüt genannt. Aber nicht alle Geschenke erhalten die Freundschaft. Vor allem wenn letztere niemals existierte.

Regisseur Edgerton ist kein Unbekannter in Hollywood, der Australier wird als Nebendarsteller geschätzt. Der Zweite-Reihe-Schauspieler hat sich zuletzt mit Filmen wie "Der große Gatsby" und "Exodus: Götter und Könige" aus dem Schatten der großen Stars gespielt, in den er jetzt zurückkehrt: Edgerton selbst hat in seinem ziemlich nervenzerfetzenden Psychothriller die Rolle von Gordo übernommen, einem unscheinbaren Typen, der immer einen Tick zu nett und zuvorkommend ist.

Schon seine erste Begegnung mit den Callens löst großes Unbehagen aus. Gordo spricht Simon mit schüchterner Aufdringlichkeit in einem Kaufhaus an. Die beiden kennen sich offenbar aus der Highschool, nur dass sich der erfolgreiche Simon partout nicht an einen Loser wie Gordo erinnern mag. Die Begegnung hat Folgen, Gordo lässt sich nicht abwimmeln und sucht mit kleinen Aufmerksamkeiten Anschluss an die Callens.

Während Simon im Büro ist, schaut Gordo immer öfter im Haus der Callens vorbei und sucht vor allem den Kontakt zu Robyn. Mit Geschenken, kleinen Dienstleistungen im Haushalt und seiner freundlich-unbedarften Art nistet er sich bei der Familie ein. Man weiß nie, wann er kommt, und man weiß nie, was er vorhat.

Was den Handlungsablauf angeht, fühlt man sich auf der sicheren Seite - und wird von Edgerton überrascht. Der Regisseur hat seinem Thriller einen raffiniert angelegten doppelten Boden verpasst: Dass Gordo einfach da ist und sich nicht abwimmeln lässt, hat natürlich Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Simon und Robyn. Der ungebetene Gast hat nicht nur Geschenke im Gepäck, sondern auch ein Geheimnis aus der Vergangenheit, dass Edgerton erst in einem ultimativen Schlussakt preisgibt.

Nirgendwo sonst hat die Angst so viel Macht wie im Kopf der Zuschauer, weiß Edgerton und reduzierte seine straffe Inszenierung auf das Wesentliche. Statt auf große Schockmomente vertraut er auf eine latent mitschwingende Unbehaglichkeit. Seine Kunst des Nichtzeigens ist sehr präzise, das Unheil schwingt in den unscheinbarsten Details mit. Selten war der Alltag einer Vorortfamilie so bedrohlich wie in "The Gift", was auch der fabelhaften Leistung von Bateman, Hall und Edgerton zu verdanken ist, die ihre Figuren mit großer Präsenz und viel Fingerspitzengefühl darstellen.

Quelle: teleschau - der mediendienst